Ein zu strenges Training? So reagiert der Verband auf die Kritik der Trainerszene

Ein zu strenges Training?

Schweizer Trainer schlagen Alarm

Wer sich in der Schweiz zum professionellen Coach ausbilden lässt, muss viel Zeit, Geld und Durchhaltevermögen mitbringen. Aus der Trainerszene kommen nun Forderungen, den Zugang zum höchsten Titel zu vereinfachen. Das ist die Antwort des Ausbildungsleiters des Vereins.

Gepostet: vor 40 Minuten

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Aktualisiert: vor 27 Minuten

Sebastian Wendel und Michael Wegmann

“Ich habe das Gefühl, dass ich mich später einer Operation am offenen Herzen unterziehen muss.” Das sagt ein Trainer bei Blick, der gerade eine mehrjährige Ausbildung macht, an deren Ende er die Uefa-Pro-Lizenz in den Händen halten will. Damit darfst du nur einen der 20 Schweizer Profiklubs coachen.

Der eingangs erwähnte Trainer ist nicht der einzige: Hinter den Kulissen werden Stimmen laut, die das Ausbildungsmodell in der Schweiz kritisieren. Allen voran die Kriterien für die Zulassung zur Uefa-Pro-Lizenz. Was die Voraussetzungen betrifft, so sind sie mit dem „Numerus Clausus“ gleichzusetzen, den jeder erfüllen muss, der ein Medizinstudium aufnehmen möchte. Aber anders als in der Medizin geht es beim Fußball nicht um Leben und Tod.

Aktuell wird der Fall Hakan Yakin diskutiert. Der FC Schaffhausen kann nur zum Cheftrainer befördert werden, wenn er in den kommenden Wochen zu einem UEFA-Profikurs im Ausland zugelassen wird. Yakin kann sich derzeit nicht in der Schweiz registrieren. Yakin ist seit fast 30 Jahren im Profifussball aktiv, war einer der talentiertesten Schweizer Spieler aller Zeiten, und doch sollte er nicht einen Challenge-League-Klub coachen können? Zum Vergleich: Beim Eishockey, der Sportart Nummer zwei hierzulande nach dem Fußball, brauchen professionelle Trainer kein Diplom.

“Das Diplom ist wertlos”

„Etwa 20 Jahre nach dem ersten Uefa-Pro-Lizenzlehrgang ist es an der Zeit, das Modell zu hinterfragen“, sagt Philip J. Müller, Präsident der Schweizerischen Fussballtrainergewerkschaft (USFT). Während rund 100 aktive Trainer in der Schweiz mit Uefa-Pro-Auflagen um knapp 30 Jobs kämpfen, plädiert er für einen erleichterten Zugang zum Training.

Müller erklärt: „Trotz des enormen finanziellen und zeitlichen Aufwands in der Berufswelt außerhalb des Fußballs ist das Diplom wertlos. Wenn der Kurs eine Art Hochschulbildung, Wissensaustausch und Netzwerken wäre, würde dies die Erwartungen der Absolventen verringern. Bei den aktuellen Kriterien gehen sie davon aus, dass sie nach dem Fußballtraining einen Job finden, und fühlen sich als Verlierer, wenn ihnen das nicht gelingt. Statistisch gesehen sind die Chancen auf einen Job jedoch gering.“

Zudem hätten Vereine eine grössere Auswahl an Schweizer Trainern und müssten weniger schnell im Ausland nach dem gewünschten Profil suchen. Müller: „Der Verband regelt derzeit den Schweizer Ausbildungsmarkt. Vereine sollen entscheiden können, wer der Richtige für sie ist.“

“Entspannung ist kein Problem”

Letzteres ist das „Problem“ im Fall Yakin. «Zu Einzelfällen möchte ich mich nicht äussern», sagt Reto Gertschen, Leiter der Abteilung Trainerausbildung des Vereins. Was die Kritik der Trainerszene angeht, dass die Aufnahmebedingungen und die Ausbildung selbst zu streng seien, schlägt der ehemalige Sion-Profi St. Gallen und YB sagen: «Das glaube ich nicht. Um auf den Uefa Pro-Kurs zugreifen zu können, benötigen wir ein Jahr mehr Erfahrung als von Uefa Pro angegeben. Ansonsten sind unsere Anforderungen stimmig. Ein professioneller Coach lernt jeden Tag, wie komplex der Job ist. Wir könnten mehr Material schicken, aber aus Mangel an Ressourcen ist das nicht möglich.“

Zu Müllers Vorschlag sagt Gertschen: „Jeder kann mitreden. Die Ausbildung ist für alle freiwillig. Ein Coach muss sich am Markt etablieren, das gehört zum Job. Lockerung der Aufnahmekriterien.“

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