Die Bundesregierung und der angeschlagene Energiekonzern Uniper haben sich auf ein milliardenschweres Rettungspaket geeinigt.
Das Stabilisierungspaket sieht eine Kapitalerhöhung um rund 267 Millionen Euro zu einem Ausgabepreis von 1,70 Euro je Aktie unter Ausschluss des Bezugsrechts der Aktionäre vor, teilte das Unternehmen am Freitag in Düsseldorf mit. Die Kapitalerhöhung wird ausschließlich vom Bund getragen und führt zu einer Beteiligung des Bundes an Uniper von rund 30 Prozent. Zudem muss dem Bund ein verpflichtendes Umwandlungsinstrument in Höhe von bis zu 7,7 Milliarden Euro aufgelegt werden. Die Emission erfolgt in Tranchen entsprechend dem Liquiditätsbedarf von Uniper. Zudem wird die bisherige Kreditlinie der KfW von 2.000 Millionen auf 9.000 Millionen Euro aufgestockt und der Verwendungszweck erweitert./lew/mis
Uniper kollabiert: Rettungspaket bedeutet massive Aktienverwässerung
Starke Aktienverkäufe haben die Uniper-Aktie am Freitag auf ein Allzeittief gedrückt. Anleger reagierten damit auf das Rettungspaket des Bundes für den schwer angeschlagenen Energieversorger. Über XETRA fiel der Kurs zeitweise um 33,00 Prozent auf 7,04 Euro. Aktionäre sehen sich einer massiven Aktienverwässerung gegenüber.
Das Stabilisierungspaket sieht eine Kapitalerhöhung um rund 267 Millionen Euro zu einem Ausgabepreis von 1,70 Euro je Aktie unter Ausschluss des Bezugsrechts der Aktionäre vor. Im Rahmen der Kapitalerhöhung beteiligt sich der Bund mit rund 30 Prozent an Uniper. Außerdem muss das sogenannte Mandatory Convertible Instrument in Höhe von bis zu 7,7 Milliarden Euro an den Bund ausgegeben werden.
„Letztendlich bleibt abzuwarten, wie stark der Aktionärsanteil durch die staatliche Rettungsaktion verwässert wird, auch wenn die Rahmenbedingungen weitgehend den Erwartungen entsprechen“, urteilte Marktexperte Frederik Altmann über den Handel mit Alpha-Wertpapieren. Andere Beispiele von Teilverstaatlichungen wie Commerzbank oder Lufthansa zeigen eindrucksvoll, wie wenig am Ende für den Anteilseigner übrig bleibt.
Die Uniper-Aktie steht seit Monaten unter Druck. Vor Beginn des Krieges Russlands gegen die Ukraine kosteten sie etwa 40 Euro. Aufgrund der Beschleunigung der russischen Lieferungen durch die Gaspipeline Nord Stream 1 aus der Ostsee muss das Unternehmen teureres Gas auf dem Markt kaufen, um die Verträge zu erfüllen. Dies führt zu Liquiditätsproblemen. Uniper hatte vor zwei Wochen um Staatshilfe gebeten.
An der finnischen Börse sind die Aktien der Uniper-Muttergesellschaft Fortum am Freitag um sechs Prozent eingebrochen. Der Anteil von Fortum an Uniper wird im Zuge des Einstiegs des deutschen Staates von 80 auf 56 Prozent verwässert. Durch eine ebenfalls angekündigte Pflichtwandelanleihe kann der Anteil jedoch wieder erhöht werden.
Das im Rettungspaket von Uniper vorgesehene Pflichttauschinstrument hat ein Volumen von bis zu 7,7 Milliarden Euro. Pflichtwandelanleihen sind verzinsliche Wertpapiere, die spätestens am Ende der Laufzeit in Aktien gewandelt werden müssen. Ratingagenturen betrachten sie daher ähnlich wie Aktien. Bei Uniper erfolgt die Emission in Tranchen entsprechend dem Liquiditätsbedarf des Konzerns. Der Umtauschpreis je Aktie bei Wandlung sieht einen Abschlag von 25 bis 50 Prozent auf den Börsenkurs der Uniper-Aktie in einem bestimmten Zeitraum vor der Wandlung vor.
Fortum hat die Option, Teile des obligatorischen Umwandlungsinstruments des Bundes zu erwerben.
Uniper: Kosten des Ersatzbeschaffungsvolumens auf 4,5 Milliarden Euro schätzen
Dem Energiekonzern Uniper drohen in den kommenden Wochen weitere Milliardenbelastungen. Klaus-Dieter Maubach sagte auf einer Pressekonferenz am Freitagnachmittag in Düsseldorf, er beziffere die Kosten des Ersatzbeschaffungsvolumens Ende August auf 4,5 Milliarden Euro. Der September würde weitere 1,7 Milliarden Euro kosten. Dann soll das Vergabeverfahren der Bundesregierung in Kraft treten. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) kündigte am Freitag einen Tarif für alle Gaskunden an. Die Gebühr kommt am 1. Oktober oder 1. September an.
Mit der Steuer soll Uniper die Preiserhöhungen weitergeben können und so finanziell etwas Spielraum haben. Die Bundesregierung hat Uniper in den Verhandlungen erklärt, dass ab dem 1. Oktober 2022 ein pauschales Verfahren eingeführt werden soll, um 90 Prozent der Ersatzbeschaffungskosten für alle Importeure als Folge russischer Gaskürzungen weiterzugeben.
DÜSSELDORF/BERLIN (dpa-AFX)