Eine erfolgreiche Zensurabstimmung stürzt die Regierung in Bulgarien

Stand: 22.06.2022 19:09 Uhr

Nach nur sechs Monaten wurde Sofias Regierung vom Parlament gestürzt. Streit gab es vor allem über die Staatsfinanzen und das Verhältnis zum benachbarten Nordmazedonien.

In Bulgarien wurde die sozialliberale Regierung durch ein Misstrauensvotum gestürzt. Eine knappe Mehrheit von 123 Abgeordneten in Sofia entzog Premierminister Kiril Petkov das Vertrauen. Es sind mindestens 121 Stimmen erforderlich. 116 Abgeordnete stimmten für Petkov.

Der Antrag wurde von der größten Oppositionsfraktion, GERB, gestellt, angeführt vom ehemaligen konservativen Ministerpräsidenten Bojko Borissow. Sie wirft der Petkow-Regierung Versagen “in den Bereichen öffentliche Finanzen und Wirtschaftspolitik” vor.

Die Regierung stand kurz vor dem Sturz

Die nun gestürzte Regierung gilt als prowestlich und wurde erst vor einem halben Jahr gebildet. Der frühere Unternehmer Petkow war mit dem Versprechen gestartet, die Korruption zu bekämpfen.

Ihre Regierungskoalition zerbrach Anfang Juni, als die populistische Partei ITN sie wegen Haushaltsfragen und Beziehungen zum benachbarten Nordmazedonien feuerte. Seitdem hat Petkov keine eigene Mehrheit mehr im Parlament.

Streit um Nordmazedonien

Er hatte zuletzt versucht, Bulgarien und Nordmazedonien zusammenzubringen, das ebenfalls Mitglied der in Bulgarien umstrittenen EU werden möchte.

Die Zensurabstimmung ist der erste Erfolg in der Geschichte des Landes. Präsident Rumen Radev kann nun dreimal andere Parteien mit der Regierungsbildung beauftragen. Wenn das nicht klappt, gibt es Neuwahlen. Es wäre die vierte Wahl in Bulgarien seit letztem Jahr.

Bulgarien: Die Regierung ist aufgrund des Misstrauensvotums gestürzt

Wolfgang Vichtl, ARD Wien, 22. Juni 2022 19:26

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