3. April 1973: Auf einem Ringbetrieb in Ringelsdorf (Kreis Gänserndorf) wird ein Fall von Maul- und Klauenseuche bestätigt – die Schweine waren mit dem Virus infiziert. Es war einer der ersten Fälle im Land, aber damals war sein Ausmaß schwer vorstellbar. „Niemand wusste, dass es eine Epidemie war“, erinnert sich der damalige Bürgermeister Karl Toch (ÖVP).
Doch mit dem amtstierärztlichen Gutachten sei alles ganz schnell gegangen, sagt Toch: „Der Tierarzt hat es beim Rathaus gemeldet, wir sind damit zum Bezirksamt gegangen und dann habe ich beim Amtstierarzt den Betrieb besichtigt.“ Als Notmaßnahme. Wir mussten – offene Anordnung des Ministeriums – alle Schweine und Rinder sofort schlachten.
Die Pest breitet sich aus
Aber es war nicht nur eine einmalige Sache, von nun an waren fast täglich andere Betriebe betroffen, erinnert sich Toch: „Wenn ein Fall von Klauenkrankheit auftrat, wurde der gesamte Bestand an „Spalthufern“ und den anderen geschlachtet Bauernhöfe wurden in Quarantäne gebracht, aber damals wusste niemand, was das bedeutete.” Die Ställe mussten mit Spezialmitteln gereinigt und die Fäkalien speziell verpackt werden.
Außerdem wurden an allen Zugängen zur Stadt Seuchenteppiche ausgelegt: eine Sandunterlage, die mit Desinfektionsmittel versetzt war. Wer den Platz verlassen wollte, musste desinfiziert werden oder die Reifen der Fahrzeuge. Damit sollte verhindert werden, dass sich das Virus über die betroffenen Orte hinaus ausbreitet.
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Denn bei dieser Epidemie handelt es sich um eine akute und hochansteckende Viruserkrankung von Huftierentern (Rinder, Schafe, Ziegen, Schweine und Wildwiederkäuer). Menschen können, wenn sie einem hohen Infektionsdruck ausgesetzt sind, eine Infektion durchmachen, die jedoch normalerweise mild verläuft, ähnlich einer grippalen Infektion, und nicht gefährlich ist.
Der erste Tierseuchenfall trat Ende Januar 1973 auf. Auf einem Bauernhof in Margareten am Moos (Kreis Bruck an der Leitha) erkrankten zwei Rinder. Vier Kühe, sieben Mastochsen, sieben Jungrinder und 35 Schweine starben auf dem “verseuchten Hof” sofort, wie die APA damals schrieb. Aber diese erste Welle verlangsamte sich schnell, bevor die zweite, heftigere im April folgte.
Acht Tage Quarantäne
In Ringelsdorf wurde umgehend eine Seuchenkommission eingesetzt, die den durch die Nottötung erlittenen Schaden begutachtete. „Aber das war fast eine Illusion, weil die Preise stark gestiegen sind“, sagt Toch. Drei Wochen später traf es den Bauern selbst: Seine zwölf Rinder, vier Kälber und andere Zuchtschweine wurden geschlachtet und er musste acht Tage in Quarantäne. “Dann haben sie uns durchs Fenster mit Lebensmitteln versorgt.”
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Doch trotz aller Maßnahmen breitete sich die Epidemie entlang der March in Richtung Marchfeld bis in die Nachbargemeinden Mistelbach und Korneuburg aus. Das Weinviertel sei dafür aber prädestiniert, sagt Franz Karner, langjähriger Landesveterinärdirektor und dann Veterinärstudent: „Das Problem war in Ballungsgebieten, wo Höfe zusammen lagen und jedes zweite Haus Hufe hatte.“ Das sei unmöglich Stoppen Sie die Ausbreitung.”
Das befallene Gebiet
Daher wurde das Weinviertel – mit Ausnahme des Stadtteils Hollabrunn – offiziell zum Altlastengebiet erklärt. Infolgedessen war es nicht erlaubt, lebende Tiere aus der Gegend in andere Landesteile und umgekehrt zu bringen. „Wenn die Epidemie nicht unter Kontrolle gebracht werden kann, sind wirtschaftliche Schäden überhaupt nicht absehbar“, betont Bruno Laber von der Landwirtschaftskammer.
Mehrere Bezirke zur Epidemiezone erklärt
Um die Viruslast so gering wie möglich zu halten, wurde die Anweisung beibehalten, dass alle Verdachtsfälle ebenfalls getötet werden sollten. Dies rief bei den Viehzüchtern einen wachsenden Widerstand hervor – vor allem, weil auch Rinder betroffen waren, die Monate zuvor geimpft worden waren und bis auf wenige Ausnahmen nicht von der Krankheit betroffen waren. “Ich werde den Schaden nie wiedergutmachen können”, klagte ein verzweifelter Bauer.
„Die Immunität, die durch die Impfung erzeugt werden soll, ist selbst bei Rindern nicht perfekt“, sagte Richard Geier vom Gesundheitsministerium damals. Viele könnten oder wollten die Gefahr nicht verstehen, fügt Karner hinzu, räumt aber ein: „Wer hat schon Lust, gesunde Tiere prophylaktisch zu töten.“ Die Entschädigungsangebote des Bundes seien nicht allen bekannt gewesen, ergänzt Richard Pichler.
Landwirte beschweren sich über Maßnahmen der Regierung
Wie das Virus nach Ringelsdorf oder Österreich gelangte, sei noch ungewiss, sagt Karner. Das Virus sei vermutlich „durch die Kadaver wilder Tiere aus Nachbarstaaten übertragen worden“. Haustiere wie Katzen oder Viren in der Luft verbreiten die Krankheit.
Die Übertragung erfolgt hauptsächlich durch Kontakt zwischen Tieren im Stall, auf der Weide, auf Viehmärkten, beim Transport oder auf Tierschauen. Eine indirekte Übertragung ist aber auch durch kontaminierte Gegenstände, Stallkleidung, Einstreu, Futter oder Stallstaub möglich, der durch den Wind über weite Strecken transportiert wird. Eine weitere Übertragungsmöglichkeit sind Fleisch oder tierische Produkte infizierter Tiere (Speck, Milch, Käse, Eingeweide, Blut, Wolle etc.) und Wildtrophäen.
Kosmetische und erzieherische Maßnahmen
Laut Karner waren Teppiche eher eine kosmetische – oder erzieherische – Maßnahme für die Bevölkerung. „Zweifellos sollte dies das Bewusstsein für die Epidemie schärfen.“ Die Teppiche wurden von der jeweiligen Gemeinde betreut. Laut Veterinärdirektor mussten sie eine gewisse Mindestlänge haben und auch feucht bleiben. “Als das Sägemehl trocknete, verlor es seine Kraft.”
Stadtarchiv Wiener Neustadt Betroffene Bauern mussten ihre Ställe und Anlagen nach genauen Vorgaben gründlich reinigen
Schon damals gab es große Probleme mit dem Entfernen der Kanäle. Denn auf diese Epidemie seien „die Teams des Seucheninstituts der Landes- oder Bundesregierung unvorbereitet gewesen“, sagt Toch. „Jeder Ort brauchte eine Seuchenkommission, ein Team, das die Tiere tötet, der Abtransport der Kadaver musste organisiert werden, was tun mit der plötzlich aufgetauchten Menge?“
Länder in Pestgruben
Viele Tiere wurden deshalb laut Karner Biodeponien einfach in „Pestgruben“ verscharrt. Denn die recht kälteresistenten Viren der Maul- und Klauenseuche – sie können auch in Tiefkühlfleisch lange überleben – sind sehr hitzeempfindlich. Am Boden starben sie sehr schnell an der Selbsterhitzung der Kadaver, die nach der Bestattung auftritt. Zudem seien die Körper der Tiere zuvor mit Desinfektionsmitteln behandelt worden.
Nur mit Hilfe von zusätzlichen Bundesfahrzeugen gegen die Seuche konnten die von der Seuche betroffenen lebenden Tiere transportiert werden, außerdem wurde Oberösterreich und Kärnten um Mithilfe bei der Bereitstellung ihrer landeseigenen Spezialfahrzeuge gebeten. Die Armee setzte auch Soldaten ein, um beim Verladen der Tiere zu helfen. „Wir sind selbst Landwirte und wissen, was das für die Landwirtschaft bedeutet.“
Die Armee hilft bei der Beseitigung befallener Rinder und Schweine
Gleichzeitig wurden Seuchenschutzgürtel in einem Umkreis von zehn Kilometern um die betroffenen Standorte gelegt. „Und zwar von außen nach innen, damit sich das Virus nicht weiter ausbreitet“, erklärt Tierexperte Karner, auf erneuten Widerstand unter den Viehzüchtern stoßend. Am Ende wussten jedoch alle, dass der wirtschaftliche Schaden im ganzen Land enorm war.
Folgen für die ganze Bauernschaft
Zwar reagierte das Ausland erst relativ spät auf die Maul- und Klauenseuche-Epidemie: Erst am 10. Mai 1973 fand sich im APA-Archiv die Meldung „Es erfolgt keine Fleischlieferung von Österreich nach Deutschland“. Aber die Folgen waren es tödlich. Am 18. Mai 1973 folgte Italien einem Einfuhrverbot für österreichische Huftierpaare, andere Länder folgten, und neben lebenden Tieren waren auch Fleischprodukte betroffen.
ORF Amtstierärzte hatten damals genaue staatliche Vorgaben, wie positive Fälle bei Tieren zu behandeln sind.
Besonders schmerzlich war dies im Waldviertel, wo die Viehzüchter gerade die Umstellung der Rasse abgeschlossen und bis zu 15.000 Kälber gekauft hatten. „Wir waren mitten im Bau, die Bauern gaben viel Geld aus und plötzlich stand alles still“, sagt Pichler, der damalige Leiter der Viehzüchter. Die Beweidung wurde eingestellt, alle Viehversteigerungen wurden zunächst verschoben und anschließend abgesagt.
Wieder sprießen
Die Epidemie konnte im Juli weitgehend gestoppt werden, vereinzelt kam es aber noch bis weit in den Oktober hinein. Im August waren beispielsweise die Städte Würmla und Anzing (Kreis Tulln) betroffen, doch die Behörden reagierten umgehend mit strengen Quarantänemaßnahmen, schirmten die Standorte ab und untersagten sogar Feldarbeiten. 500 Einwohner waren betroffen.
Neuer Ausbruch: zwei geschlossene Standorte
1.515 Farmen in 99 Städten waren betroffen und mehr als 72.000 Tiere mussten geschlachtet werden: 4.494 Rinder, 75.627 Schweine, 245 Ziegen, 25 Schafe und ein Lama. 61 Städte wurden zeitweise komplett geschlossen, viele wichtige Veranstaltungen im ganzen Land wurden abgesagt oder verschoben, wie …