Es wird befürchtet, dass der Fachkräftemangel in Deutschland schlimmer denn je ist
02.08.2022 09:26 Uhr
Fast die Hälfte der Unternehmen in Deutschland leidet unter Fachkräftemangel. Es ist der höchste jemals gemessene Wert. Experten befürchten, dass sich das Problem noch verschlimmert. Die Bundesregierung arbeitet nun an einer möglichen Lösung.
Laut einer Umfrage des ifo Instituts hat der Fachkräftemangel in Deutschland einen neuen Höchststand erreicht. Im Juli waren 49,7 Prozent der Unternehmen betroffen, wie Münchner Forscher in ihrer seit 2009 durchgeführten Quartalsumfrage mitteilten. Damit wurde der bisherige April-Rekord von 43,6 Prozent deutlich übertroffen.
„Immer mehr Unternehmen müssen ihr Geschäft reduzieren, weil sie einfach nicht genug Personal finden“, sagt Ifo-Arbeitsmarktexperte Stefan Sauer. “Mittel- bis langfristig dürfte sich dieses Problem noch verschärfen.” Dienstleister waren mit einem Anteil von 54,2 % am stärksten vom Fachkräftemangel betroffen, nach 47,7 % im April. Auch die Beherbergungsbetriebe und die Veranstaltungsbranche lagen mit rund 64 Prozent deutlich über dem Branchendurchschnitt. Im Lagerbereich waren 62,4 Prozent der Unternehmen von einem Mangel betroffen.
Im produzierenden Gewerbe beklagen 44,5 Prozent der Umfrageteilnehmer einen Fachkräftemangel, darunter 58,1 Prozent der Lebensmittelhersteller. Auch Hersteller von Datenverarbeitungsgeräten und Metallprodukten haben Schwierigkeiten, qualifiziertes Personal zu finden (rund 57 %). Der Einzelhandel war zu 41,9 Prozent betroffen, das Baugewerbe zu 39,3 Prozent. Im Großhandel gaben 36,3 Prozent der Unternehmen einen Fachkräftemangel an.
Einwanderung sollte die Lösung sein
Zuletzt beklagte Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer den Fachkräftemangel. Demnach verfügt allein das Handwerk in Deutschland nicht über mindestens eine Viertelmillion qualifizierte Beschäftigte. Zwischen 15.000 und 20.000 Ausbildungsplätze bleiben jedes Jahr unbesetzt.
Die Bundesregierung treibt daher ihre Pläne zur Reform des Ausländerrechts voran. „Wir wollen, dass ausländische Fachkräfte leichter und schneller den Weg nach Deutschland finden“, erklärten Innenministerin Nancy Faeser und Arbeitsminister Hubertus Heil. In Koalitionskreisen hieß es zuletzt, das Kabinett werde voraussichtlich im September die Eckpunkte für eine Reform des Ausländerrechts legen.