Stand: 24.05.2022 18:39 Uhr
Katzen und Hunde sind die beliebtesten Haustiere, aber einige Besitzer bevorzugen exotischere Rassen. Wahrscheinlich nicht unbedingt Tiger, aber bestimmte Vogelarten oder Reptilien. Vier EU-Staaten fordern nun ein Verbot.
Einige Wildtiere wie Leguane, bestimmte Vögel oder Fische sollten laut mehreren EU-Staaten nicht mehr als Haustiere gehalten werden. Hintergrund sind Sorgen um Tier-, Arten- und Gesundheitsschutz, wie ein Dokument aus Zypern, Litauen, Luxemburg und Malta zeigt. Die Länder stellten die Initiative bei einem Treffen der EU-Landwirtschaftsminister vor.
Stress, Depressionen und Verhaltensprobleme
„Es ist gut dokumentiert, dass der Handel mit exotischen Arten eine der größten Bedrohungen für die Artenvielfalt darstellt“, schreiben die vier Länder in ihrem Schreiben. Viele Wildtiere in Gefangenschaft waren zuvor in freier Wildbahn. Zu den Leiden der Tiere gehörten Stress, Langeweile, Depression und ernsthafte Verhaltensprobleme wie Selbstverletzung.
Während Katzen und Hunde lange und glücklich in Gesellschaft von Menschen leben können, ist dies bei bestimmten Vogelarten oder Reptilien nicht der Fall. Wildtiere haben komplexe soziale und ernährungsphysiologische Bedürfnisse, die es für gewöhnliche Betreuer schwierig machen, „ihnen die Fürsorge zukommen zu lassen, die sie brauchen“.
Deutschland will den Durchbruch unterstützen
Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) kündigte an, Deutschland werde die Initiative unterstützen. Es sei “offensichtlich, dass die Haltung von Wildtieren zu Hause ein Risiko für die Gesundheit der Tiere selbst, aber auch der Menschen darstellt”, sagte er in Brüssel.
Konkret wird vorgeschlagen, eine sogenannte Positivliste einzuführen. Tiere, die nicht auf dieser Liste stehen, dürften dann in der EU nicht mehr privat gehalten werden. Der Vorschlag gibt jedoch nicht an, welche Tiere auf dieser Liste stehen sollten.
Zudem berufen sich die vier EU-Staaten auf eine Studie des UN-Umweltprogramms, wonach viele Tiere beim Fang oder Transport starben. Bei den in der Nutztierhaltung beliebten Graupapageien würden zwei Drittel in Gefangenschaft sterben.
EU-Landwirtschaftsminister: Wildtiere als Haustiere verbieten
Matthias Reiche, MDR Brüssel, 24.5.2022 16:48