Eintritt 9 Euro Die Grünen schlagen zwei Folgekarten vor

Stand: 05.08.2022 17:25

Ein Regionalticket für 29 Euro, ein Bundesticket für 49 Euro, das sieht ein Konzeptpapier der Grünen vor, das der Hauptstadtstudie ARD vorliegt. Bei der Finanzierung ist mit weiteren Meinungsverschiedenheiten mit dem Koalitionspartner FDP zu rechnen.

Von Tina Händel, ARD-Hauptstadtstudio

Viele Fahrgäste könnten für „weniger als einen Euro am Tag“ fahren: So werben die Grünen für ihr neues Konzept. Erarbeitet wurde das Dokument von der Bundestagsfraktion, der Partei und dem NRW-Umweltminister Oliver Krischer. Es ist im ARD-Hauptstadtstudio erhältlich.

Das Regionalticket um 29 Euro richtet sich vor allem an Reisende, die zum Beispiel mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fahren. Außerdem soll es ein „49-Euro-Ticket für ganz Deutschland“ geben, das den bisherigen „Tarif-Dschungel“ durchbrechen und die Bequemlichkeit des 9-Euro-Tickets erhalten soll, heißt es in dem Blatt. Die FDP weist die Vorschläge zurück und lehnt ein direktes Folgeticket für September ab.

Acht neue Transitregionen

Etwas komplizierter wäre es laut grünem Konzept für Kunden, die sich für das Regionalticket entscheiden: Dieses Ticket müsste „mindestens bundesweit, aber auch für Regionen wie Berlin-Brandenburg oder Bremen-Hamburg-Unterland“ gelten Sachsen”. Insgesamt soll Deutschland in acht Zonen aufgeteilt werden, die jeweils ein Regionalticket für 29 Euro im Monat anbieten könnten.

Die acht Verkehrsgebiete könnten sich teilweise überschneiden, sodass beispielsweise der Raum Hamburg mit einem Nordost- und einem Nordwest-Ticket abgedeckt würde. Die Grünen orientieren sich an einem Tarifkonzept des Verkehrsclub Deutschland für den Nachfolger des 9-Euro-Tickets.

Die FDP lehnt den Förderantrag ab

Bei der Finanzierung beharren die Grünen weiterhin auf ihrem Vorschlag: Dienstwagenprivilegien abbauen und vor allem CO2-Emissionen höher bepreisen. Dadurch ergäben sich „für Bund und Länder zusätzliche Einnahmen, die nahtlos in die Finanzierung günstiger Tickets fließen könnten“. Wie hoch diese zusätzlichen Einnahmen sein sollen, geht aus dem Papier nicht hervor.

Bisher besteht bei den Verkehrsunternehmen ein klarer Förderbedarf: Selbst ein 69-Euro-Ticket würde eine jährliche Förderung von zwei Milliarden Euro erfordern, hat der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen errechnet.

Bisher sind weder Finanzminister Lindner noch die Bundesländer bereit, die hohen Kosten zu tragen. Darauf verweist die FDP in ihrer Reaktion auf den grünen Vorstoß: „Bei der FDP wird es keine Einzelzuschüsse des Bundes für ein Folgeangebot des 9-Euro-Scheins geben“, sagt Bernd Reuther, Sprecher des Verkehrs Politik der Fraktion. Er sieht weiterhin, dass „auch Länder in der Pflicht stehen“. Reuther schließt einen schnellen Deal aus: “Es wird definitiv keine direkte Anschlusslösung mit dem 9-Euro-Schein geben.”

Wie groß ist der Umwelteinfluss wirklich?

Die Grünen wollen jedenfalls schnellstmöglich über ein Anschlussticket verhandeln: In Umfragen hätten “80 Prozent der Befragten angegeben, weitermachen zu wollen”, sagt Parteichefin Ricarda Lang.

NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer verweist auf einen Umwelterfolg: „Millionen Menschen sind auf den öffentlichen Nahverkehr umgestiegen.“ Mobilitätsforscher bezweifeln jedoch, dass das 9-Euro-Ticket dazu geführt hat, dass viele Autofahrer jetzt Busse und Bahnen nutzen. Viele Studien laufen noch.

9-Euro-Ticket: Die Grünen schlagen ein Folgeticket vor

Birthe Sönnichsen, ARD Berlin, 5. August 2022 um 18:00 Uhr

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