Das Wifo-Wirtschaftsforschungsinstitut will die „Grüne Transformation“, Emissionen und das Erreichen der heimischen Klimaziele in den Fokus rücken. Ab sofort würden Treibhausgas- und CO2-Emissionen in die Konjunkturprognose integriert, weil sie von wirtschaftlichen Akteuren getrieben würden, sagte Wifo-Chef Gabriel Felbermayr am Mittwoch gegenüber Reportern.
Vierteljährlich will das Wifo nun sein Follow-up veröffentlichen, das prüfen soll, ob Österreich mit den aktuellen Maßnahmen das im Regierungsprogramm gesetzte Klimaneutralitätsziel 2040 erreichen kann. Dies solle der Innenpolitik ermöglichen, „zu sehen, wo wir stehen“, erklärte Felbermayr.
Wifo-Ökonomin Claudia Kettner ist nicht davon überzeugt, dass die Alpenrepublik mit den bisherigen Maßnahmen die „sehr ambitionierten“ Ziele erreichen wird. Er forderte, „konkrete sektorale Ziele für alle Bereiche der Wirtschaft und Gesellschaft“ zu definieren.
Laut Umweltbundesamt sanken die Treibhausgasemissionen im Jahr 2020 im Vergleich zu 2019 um 7,7 Prozent auf 73,6 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente, vor allem aufgrund der Einschränkungen der Krone. Allerdings weisen aktuelle Wifo-Ratings darauf hin, dass die Emissionen im Jahr 2021 bereits um fast 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen sind und damit nur knapp unter dem Niveau von 1990 liegen.
Denn die positiven Wirtschaftsaussichten für 2022 (BIP + 4,3 %) schlagen sich nicht im gleichen Maße in einem Anstieg der Emissionen nieder. Einer der Gründe dafür könnte laut Wifo-Experten der geringere Heizbedarf in der Vergangenheit gewesen sein, ein relativ warmer Winter. „Sondereffekte“ seien Klima und Wirtschaft, die die Emissionen 2022 um rund zwei Prozent sinken ließen. Welche Auswirkungen sie wirklich haben könnten, werde sich erst langfristig zeigen, erklärte Wifo-Chef Felbermayr.
Kraftstoff- und CO2-Preis
Auf der anderen Seite erwartet Felbermayr, dass sich die aktuell hohen Kraftstoffpreise noch deutlicher auf die Emissionen auswirken werden. „Das wäre politisch kaum durchsetzbar gewesen. Aber es schafft deutliche Anreize zum Sparen.“
Preise über zwei Euro würden sich langfristig nicht nur auf den Verkehr selbst auswirken, sondern auch auf das Kaufverhalten von Autos – zum Beispiel würden weniger gebrauchte Fahrzeuge wie SUVs gekauft.
In diesem Zusammenhang warnte der Wifo-Chef erneut, dass die für Oktober geplante CO2-Vergütung nicht verschoben oder gar mit Steuersenkungen gearbeitet werde.
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„Energiesparen ist derzeit unser größter Hebel, hier müssen wir alles mobilisieren“, sagte der Wifo-Chef. Auch private Haushalte sollten in dieser Hinsicht Verantwortung übernehmen.
Diese sollte sich jedoch nicht an einer generellen Energiepreisobergrenze orientieren, sondern an finanziellen Anreizen, beispielsweise durch Überschreitung eines entsprechend teurer werdenden Normverbrauchs. Gleichzeitig muss sichergestellt werden, dass „explosive Energierechnungen“ die Menschen nicht überfordern.
Richtig spannend dürfte die kommende Prognose der Wifo-Sendungen im September werden. Dieser wird dann den Krieg in der Ukraine mit all seinen Auswirkungen widerspiegeln, wie zum Beispiel einem möglichen Gas-Shutdown aus Russland.