Energiekosten erhöhen die Verschuldung

Von Jänner bis März dieses Jahres verzeichnete die Schuldnerberatung in Niederösterreich 1.965 Anfragen. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum 2021 waren es 1.682. Die Zahl der Anfragen stieg in diesem Jahr um 16,8 Prozent.

„Wir sehen immer mehr Kunden, die Probleme haben, ihre monatlichen Energiekosten zu bezahlen“, sagt Michael Lackenberger, Geschäftsführer der Schuldnerberatung Niederösterreich. Dabei geht es meist nicht um das Bezahlen der Jahresrechnung, sondern stark erhöhte monatliche Zahlungen der Energieversorger stellen Geringverdiener vor Probleme.

Teilzahlungen liegen derzeit bei bis zu 70 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. „Energiekosten betreffen uns alle. Aber wenn man von Anfang an ein sehr knappes Budget hat und nur eine Null unter dem Monatsbudget hat, vielleicht sogar eine Schuldentilgung mit dem Monatsbudget finanzieren muss, dann ist das für viele kaum noch zu stemmen“, sagt Lackenberger.

„Einige müssen in eine kleinere Wohnung ziehen“

Wendet sich jemand an die Schuldnerberatung, sei der Ablauf meist ähnlich wie am Anfang, sagt Lackenberger: „Wir machen gemeinsam eine Familienkasse und schauen, wo es noch Sparmöglichkeiten gibt.“ Inzwischen reicht es aber oft nicht mehr. : „Das geht in vielen Fällen nicht. Wir haben Kunden, die in eine kleinere Wohnung umziehen müssen, weil sich die Energiekosten so entwickelt haben, dass sie sich Strom und Gas nicht mehr leisten können.“

Laut Experten ist es jedoch wichtig, rechtzeitig eine Schuldnerberatung in Anspruch zu nehmen. Denn die Berechnungen zeigen, dass sich die unbezahlten Schulden in acht Jahren verdreifacht haben, sagt Clemens Mitterlehner, Leiter des Dachverbandes der staatlich anerkannten Schuldnerberatung.

Finanzielle Grundkenntnisse reichen oft nicht aus

Lackenberger bemängelt auch, dass die Grundkenntnisse in Finanzen gerade bei jungen Menschen immer schlechter werden. Wir versuchen, es mit Workshops in Schulen zu verbessern. Grundlegendes Finanzwissen beziehe sich nicht auf Aktien oder Bitcoin, betont er, sondern auf Begriffe wie Zins und Zinseszins oder ob ein Handy mit oder ohne Vertrag für ein paar Jahre günstiger sei, erklärt der Experte.

Auch die klassischen Tricks des Verkaufens im Supermarkt in Schulworkshops werden analysiert. Auf eine der wichtigsten Grundlagen wird auch hingewiesen: Der teuerste Kredit ist die Überziehung. Wie wichtig es ist, die Grundlagen der eigenen Finanzen zu verstehen, zeigt das Alter der Hilfesuchenden: Knapp ein Viertel der Kunden in Schuldnerberatungsstellen ist 30 Jahre oder jünger.

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