Er wurde in Spanien festgenommen – der mutmaßliche Pate des Kokains Bashkim Osmani freigelassen

Palma de Mallorca – Überraschende Wendung im Fall des mutmaßlichen Kokain-Pate Bashkim Osmani!

Das Weisungsgericht Nummer 2 von Palma de Mallorca hat den 55-jährigen Mann am späten Nachmittag freigelassen, nachdem sein Anwalt Dr. Dafür hat Jaime Campaner wochenlang gekämpft.

Das Gericht ließ Osmani gegen eine Kaution von 400.000 Euro frei, er darf die Insel nicht ohne Erlaubnis verlassen und muss alle 15 Tage vor Gericht erscheinen.

Dr. Jaime Campaner zu BILD: „Das Gericht ist meinem 38-seitigen Antrag auf Freilassung gefolgt.“ Der Anwalt hatte wochenlang dafür gekämpft, dass der mutmaßliche Pate des Kokains bis zum Abschluss der Ermittlungen aus der Haft entlassen wird, und dabei das spanische Rechtssystem kritisiert. “Man könnte fast meinen, die Unschuldsvermutung gilt in Spanien weniger als in Deutschland.”

Denn der Anwalt bezweifelt nach wie vor, dass die Ermittler seinem Mandanten die Beteiligung am Drogenhandel, der Bildung einer kriminellen Vereinigung und Geldwäsche nachweisen können. „Ich habe bisher mit etwa 6.000 Seiten Dateien gearbeitet. Dafür gibt es für mich keine Hinweise.“

Osmani wurde am 15. Februar in Kroatien festgenommen. Ermittler werfen ihm vor, eine kriminelle, Geldwäsche- und Drogenhandelsorganisation aufgebaut zu haben. Der Hamburger wies die Vorwürfe zurück: „Mein Geld ist das Ergebnis harter Arbeit und kluger Investitionen.“ (..) „Ich hatte nie etwas mit Drogen zu tun. Ich habe sie weder verbraucht noch verkauft. Und in Spanien habe ich keine zwei Tickets“, sagte er im März einem Richter. Sein Vermögen wird von der Guardia Civil auf 30 Millionen Euro geschätzt.

BILD-Recherchen auf Mallorca zeigen, wie das osmanische System wirklich war – dem Forscher Kokainhandel und Geldwäsche vorwerfen. Von der Kellnerin über seine Putzfrau bis hin zum Schwiegervater soll Osmani laut Ermittlern Familie und Mitarbeiter für sein Geschäft eingesetzt haben.

► Schwiegervater Werner Emil L. (74). 2017 erregte es sofort die Aufmerksamkeit der Forscher auf den Balearen. „Wir ermitteln gegen den 74-jährigen Mann wegen Verdachts auf Geldwäsche“, sagte Juan Carlos G. von der Guardia Civil, der die europaweite Operation gegen den Osmani-Clan koordinierte.

Werner Emil L., 74, Schwiegervater von Bashkim Osmani, der Geldwäsche verdächtigt Foto: privat

Laut der spanischen Zeitung „El Mundo“, die sich auf Daten der spanischen Steuerfahndung (AEAT) beruft, soll L. zwischen 2017 und 2019 3,4 Millionen Euro von einem Unternehmen eingenommen haben. Als Ergebnis erhielt er 205 Einzahlungen und ging alle fünf Tage mit der Pünktlichkeit einer Schweizer Uhr zur Bank.

L. betreibt mehrere Unternehmen sowohl auf Mallorca als auch in Hamburg. Woher das Kapital kommt: Es ist nicht klar!

► Katarzyna Beata S., Strohfrau für Immobilien- und Bauunternehmen Osmanis: S. hat früher das Dorf Osmani geputzt. Später entwickelte sie offenbar Managementqualitäten, was ihre Rolle als Partnerin im Ritzi, dem Hotel Osmani in Palma und einer Baufirma hervorhob. Verdacht: Geldwäsche.

Katarzyna Beata S. war früher die Putzfrau von Bashkim Osmani, laut Forschern hat sie später als Strohfrau für OsmaniFoto-Firmen eingesetzt: Joan LLado

► Sandra, Ehefrau von Bashkim Osmani: Sie ist als „Direktorin“ einer Hotelgesellschaft in Palma registriert. Auch sie wurde Mitte Februar in Kroatien festgenommen und nach Mallorca gebracht. Auch die Guardia Civil ermittelt wegen des Verdachts der Geldwäsche gegen sie. Sie können die EU nicht verlassen.

Sandra, die Ehefrau von Bashkim OsmaniFoto: Privat

► Erika Patricia P., ehemalige Osmanis-Kellnerin im „Ritzi“: Sie wurde als Strohfrau für den Manager des Edelrestaurants in Puerto Portals entlassen. Verdacht: Geldwäsche.

Erika Patricia P. arbeitete als Kellnerin im eleganten Restaurant „Ritzi“. Im Februar ging er wegen Geldwäscheverdachts vor den Haftrichter von Palma. Bild: Joan LLado Antonio Longobardi, Geschäftsführer des „Ritzi“: Er wird wegen Geldwäsche festgenommen. Bild: Privatperson

► Altmin K., osmanischer Drogenimporteur: Er soll von London aus das Kokaingeschäft kontrolliert haben. Halt!

Altin K., 47, soll große Mengen Drogen nach Europa importiert haben Foto: privat

Ein Ermittler der organisierten Kriminalität beschreibt das osmanische System wie folgt: “Anfangs befanden sich Familienmitglieder im Raubtierstadium.” Die Folge waren schwere Gewaltverbrechen. Aber später driftete der Modus Operandi ab und es ging nur noch darum, Geld zu verdienen.

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