Erdgas: „Politiker gefährden aus Angst vor Protest die Versorgungssicherheit“

Deutschland hängt vom Stromabfluss Russlands ab. Etwa die Hälfte des deutschen Erdgases stammt aus Russland und soll schnellstmöglich ersetzt werden. Doch das wird schwierig: Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) reiste im Rahmen der Mission nach Katar und Israel, um dort an flüssiges US-Gas zu kommen. Die Leistung war gering.

Am Donnerstagmorgen erklärte Habeck eine “Gaskrise” für Deutschland; Gas sei „von nun an ein knappes Gut“. Dabei ignoriert die Politik eine leicht zu erschließende Erdgasquelle: Sie liegt im eigenen Land.

Wir sprechen nicht von den großen Mengen Schiefergas, die in Deutschland durch Fracking gefördert werden könnten. Denn das Verfahren ist entgegen der Empfehlung von Wissenschaftlern verboten. Die Rede ist von herkömmlichem Erdgas, das auch auf deutschem Boden in nennenswerten Mengen vorhanden ist.

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Unternehmen konkurrieren vergeblich darum, Gas fördern und in das heimische Erdgasnetz einspeisen zu können. Die Gasförderung in Deutschland ist in den letzten 20 Jahren deutlich zurückgegangen, um ein Viertel, während gleichzeitig immer mehr russisches Gas nachgefragt wurde: 2021 förderten 380 Bohrungen in 69 Erdgasfeldern in Deutschland kaum mehr als fünf Milliarden Kubik Meter Erdgas. Erdgas. Als Unternehmen gleichzeitig unter Deutschland neue Ressourcen entdeckten, gingen die bekannten Erdgasreserven kaum zurück.

Letztes Jahr nur eine Genehmigung

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Nach offiziellen Angaben aus geologischen Untersuchungen könnten in Deutschland 42 Milliarden Kubikmeter Erdgas problemlos gefördert werden. Die Menge entspricht nur der Hälfte des jährlichen Erdgasverbrauchs des Landes. Doch in einer Zeit, in der die Bundesregierung alle Bürger zum Energiesparen auffordert und deshalb sogar mit Gesetzesänderungen droht, zählen auch kleinere Speicher. Es könnte vermutet werden.

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Doch Fördergenehmigungen für Erdgas sind in Deutschland kaum zu bekommen. Im vergangenen Jahr erteilten die Behörden nur die Genehmigung zur Erschließung neuer Quellen: in Baden-Württemberg. Unternehmen sind sehr an der Erdgasförderung interessiert, und das nicht nur, weil die Rohstoffpreise Rekordhöhen erreicht haben, sagen Experten.

Auch in der aktuellen Energiekrise scheint es für Unternehmen nahezu unmöglich, heimisches Erdgas zu produzieren. Am Donnerstagnachmittag besuchten der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und sein Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) den Gasspeicher in Wolfersberg-Oberpframmern, um auf die Gaskrise aufmerksam zu machen.

Auf WELT-Anfrage beim bayerischen Wirtschaftsministerium, ob die Genehmigungsverfahren von Bohrunternehmen bis zur Genehmigung beschleunigt werden sollten, antwortete diese: „Nein, solche Überlegungen gibt es nicht.“ . . Dies würde nicht bedeuten, dass es im Einzelfall noch kleinere Fälle gegeben hätte. „Wenn sie etwas finden, könnten sie – und sei es noch so klein – zur Versorgungssicherheit in der aktuellen Situation beitragen.“

Aiwanger und Söder beim Besuch des Gasspeichers

Quelle: dpa / Peter Kneffel

Die Terrain Energy GmbH bemüht sich nach Unternehmensangaben seit Jahren um eine Erdgasförderungserlaubnis in Bayern, 20 Kilometer südlich von München. WELT sprach mit dem CEO des Unternehmens, Marcus Endres.

“Vor drei Jahren auf der Suche nach einer Bohrstelle”

WELT: Herr Endres, Sie wollen in Bayern Erdgas fördern, aber das geht nicht?

Marcus Endres: Das geht nicht. Wir haben in der Handelsstadt Holzkirchen ein Erdgasfeld identifiziert, aber wir haben keinen Bohrplatz bekommen, obwohl wir es seit drei Jahren versuchen.

WELT: Was ist los?

Endres: Die Gemeinde sagt uns, dass sie die Unterstützung der Landesregierung braucht. Sie befürchten Proteste von Bürgerinitiativen und Klimaaktivisten. Das Wirtschaftsministerium sagt, dass alles Sache des Stadtrats ist. Eine Stagnation, die nicht zu durchbrechen ist. Wir haben der Community sogar einen finanziellen Beitrag angeboten, aber die Angst vor Protesten ist zu groß. Wir arbeiten auch gut mit den Fachabteilungen des Wirtschaftsministeriums zusammen, es gibt einfach keine klare politische Haltung zugunsten der Erdgasförderung in Krisenzeiten, um die Gemeinde bei der Genehmigung zu unterstützen.

WELT: Haben Sie sich offiziell um eine Förderung beworben?

Endres: Nein, die Beantragung einer sogenannten kommerziellen Lizenz wäre ohne angemessene politische Unterstützung nutzlos.

Markus Endres

Diese: Evoterra

WELT: Wie viel Erdgas ist das?

Endres: Das betreffende Feld könnte 650 Millionen Kubikmeter Erdgas liefern, andere bayerische Felder jeweils mehr als eine Milliarde. Das Gas könnte direkt in das lokale Versorgungsnetz eingespeist werden und die Region über Jahre hinweg versorgen.

WELT: Wann könnte die Förderung starten?

Endres: Das Gas könnte nach Beantragung der Genehmigung etwa anderthalb Jahre fließen.

WELT: Hätte das Projekt negative Nebenwirkungen für die Umwelt, die Landschaft oder die Gemeinden?

Endres: Nein, das sind Methoden, die sich seit Jahrzehnten bewährt haben. Wir benötigen Zugangswege für die Bohrzeit und die Bohrvorbereitung. Aber wenn die Förderung nach etwa zehn Jahren vorbei sei, sei alles beim Alten, es gäbe keine negativen Auswirkungen auf das Landschaftsbild.

WELT: Einerseits hat Deutschland immer mehr Erdgas aus Russland bezogen, andererseits haben Unternehmen wie Ihres keine Fördererlaubnis. Verstehe?

Endres: Es wurden katastrophale Fehler gemacht. Aus Angst vor Protestbewegungen setzen Politiker die Energieversorgungssicherheit aufs Spiel.

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