Erfolgreiche Ermittlungen in Italien Polizei beschlagnahmt 4,3 Tonnen Kokain
07.06.2022, 22:05
Der Clan im Golf von Kolumbien ist krank: Sein Anführer „Otoniel“ wird zunächst gefangen genommen, jetzt beschlagnahmt die italienische Polizei mehrere Tonnen Kokain und fast zwei Millionen Euro Bargeld. Der Beschlagnahme geht eine komplizierte Untersuchung voraus.
In Italien wurde beim Einsatz verdeckter Ermittler in Europa eine der bisher größten Mengen Kokain beschlagnahmt. Über ein Jahr lang nutzte der Golfo-Clan Bildschirmfirmen und angebliche Vermittler, um Kokainlieferungen von Kolumbien nach Italien zu verfolgen, sagte Oberst Leonardo Erre von der Guardia di Finanza in Triest.
Die Polizei stellte insgesamt 4,3 Tonnen illegale Drogen mit einem Straßenwert von rund 240 Millionen Euro sicher. Zudem wurden 1,85 Millionen Euro Bargeld beschlagnahmt und gegen 38 Verdächtige in Italien, Slowenien, Kroatien, Bulgarien, den Niederlanden und Kolumbien Haftbefehle erlassen. Die kolumbianischen Behörden hätten das Kokain bereits formell beschlagnahmt, aber auf den Zugriff darauf verzichtet, um den Erfolg der Operation nicht zu gefährden, sagte Erre.
Das Kokain wurde nach Italien transportiert, wo verdeckte Ermittler es an Händler weitergaben. Daraufhin wurden sie festgenommen. Zwischen südamerikanischen Kokainproduzenten und europäischen Käufern sei ein dichtes Netzwerk von Verbindungen entdeckt worden, sagte Erre. Neben der kolumbianischen Justiz war auch das US-Heimatschutzministerium an den Ermittlungen beteiligt. Das Golfnetzwerk von Clans war in 28 Ländern aktiv.
Im Oktober nahmen kolumbianische Behörden den Anführer des Dairo-Antonio-Usuga-Clans, bekannt als „Otoniel“, fest. Er war im Oktober bei einem Großeinsatz im Dschungel an der Grenze zu Panama festgenommen worden und muss sich nun vor einem New Yorker Gericht verantworten. Zu diesem Zweck wurde er im März an die Vereinigten Staaten ausgeliefert. Der Golf-Clan wurde kürzlich wegen 30 Prozent der kolumbianischen Kokainexporte angeklagt. Sie hat etwa 1.600 Mitglieder und wird von etwa einem Viertel der kolumbianischen Gemeinden vertreten. Doch nach der Verhaftung von „Otoniel“ und mehreren Schlägen gegen seinen engsten Kreis soll das Kartell geschwächt worden sein.