Erfolgreiche Premiere von „Bockerer“ bei den Schloss-Spielen Kobersdorf

Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Schloss-Spiele Kobersdorf hat Regisseur Wolfgang Böck mit „Der Bockerer“ von Peter Preses und Ulrich Becher in der durchdachten Inszenierung von Claus Tröger einen wahren Klassiker des Volkswerks programmiert. Trotz der widrigen Umstände verlief die Premiere erfolgreich.

Kurz vor Beginn der Premiere fehlte ein Mitglied der Formation aufgrund eines Kronenverdachts: eine schwierige Situation, die spontane Anpassungen erforderte, denen das Publikum wenig Beachtung schenkte. „Wir haben das Stück beim Wort genommen“, erklärte Böck in seinen Begrüßungsworten. Vielleicht sogar ein bisschen zu viel, denn ein paar Mal hätten sie den Abend nicht ruiniert. Generell stellt sich wieder die Frage, warum Besucher des Sommertheaters im Raum Wien keine Chance haben, noch am selben Tag nach Hause zurückzukehren, es sei denn, sie fahren in der Pause dorthin. Was in diesem Fall schade gewesen wäre.

Denn allein die optische Ausstattung ist fantastisch. Erich Uiberlacker, seit 2004 verantwortlich für Szenografie und Licht in Kobersdorf, verwandelt den Raum in einen magischen Bereich: Anstelle eines Vorhangs signalisieren die multifunktionalen Schiebeelemente in seiner Gitterstruktur sowohl die Transparenz als auch die Abgrenzung. Die Bögen und Balustraden des Schlosshofes verleihen dem Geschehen einen fast archaischen Hintergrund und damit eine Art mythische Zeitlosigkeit.

Und so provisorisch und zu didaktisch das Werk an manchen Stellen erscheinen mag, manche Details haben dennoch aktuelle Bezüge: etwa die ideologischen Brüche, die Familien durchmachen, das opportunistische Rückgrat, die Leere von Vergangenheit und Gegenwart. Gegen den Mainstream als Bockerer wird zunehmend verpönt, Anhänger und das Verhalten des Sperrzauberers sind in aller Munde.

Wolfgang Böck ist unter den namhaften Hauptdarstellern nicht nur angenehm, sondern bietet Karl Bockerer glaubwürdige, erdige und kraftvolle Züge. Maria Hofstätter als seine Frau Binerl tritt hingegen überraschend zurück, Markus Freistätter ist der gequälte Sohn Hans, der seine martialische Fassade zu spät aufgibt: ein zentrales Moment des Stücks. Wolf Bachofner als Hatzinger mit weitem Blick ist das Wiener Klischee schlechthin, Andy Hallwaxx ist ein sympathischer Dr. Rosenblatt. Christopher Haritzer musiziert angenehm eigenständig mit Klarinette und Mundharmonika.

Szenenwechsel sind besonders gut gelungen, wenn die Farben wechseln und Menschen wie verschleierte Silhouetten über die Bühne laufen. Dies verleiht dem Spiel auch einen unerwarteten Hauch von Poesie. Ein wohlverdienter Applaus.

(SERVICE – Schloss-Spiele Kobersdorf: Peter Preses, Ulrich Becher, Der Bockerer. Regie: Claus Tröger, Musik: Christopher Haritzer. Unter anderem mit Wolfgang Böck, Wolf Bachofner, Maria Hofstätter, Markus Freistätter, Andy Hallwaxx. Vorstellungen bis 31. Juli. Infos und Karten: www.schlossspiele.com)

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