„Bisher war es ein Anfangsverdacht“, sagte Grape. Bis zum Abschluss der Ermittlungen bleibt abzuwarten, ob Bahnangestellte eine Mitschuld tragen. “Wie immer in diesen Fällen gilt auch hier bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens die Unschuldsvermutung.”
Der Regionalzug Garmisch-Partenkirchen Richtung München ist kurz nach der Abfahrt am Freitagnachmittag entgleist. Vier Frauen und ein 14-jähriger Mann aus der Region wurden getötet und etwa 40 verletzt. Eine verletzte Frau befindet sich weiterhin in kritischem Zustand. Unter den ermordeten Frauen sind zwei ukrainische Mütter, die mit ihren Kindern nach Bayern geflüchtet waren. Am Dienstag wurden die Reinigungsarbeiten an der Absturzstelle fortgesetzt. Die Hauptstraße neben der Absturzstelle ist noch gesperrt.
Warum der Zug entgleiste, ist noch unklar. „Die Ursache dieses Unfalls wird untersucht“, sagte Grape. Offenbar rücken jedoch die Schienen und Fahrwerke in den Mittelpunkt der Ermittlungen. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte dem Bayerischen Rundfunk, die Absturzursache werde “mit Fokus auf technische Mängel” gesucht. Die Fahrgestelle der Waggons seien gesichert, “und derzeit wird auch überlegt, inwieweit einzelne Schienen oder Schwellen gesichert werden sollen. Jedenfalls werden sie derzeit akribisch geprüft und vermessen”, sagte er am Montag.
Die Deutsche Bahn plant laut einem Bericht der Zeitung „Die Welt“ Sanierungsarbeiten an den Gleisen der Unfallstrecke durchzuführen. Daher sollte vom 25. Juni bis 9. Juli zwischen Oberau und Garmisch-Partenkirchen eine nächtliche Korrektur der Gleislage und eine Erneuerung der Gleise erfolgen.
Die Deutsche Bahn teilte mit, dass sie sich aufgrund der laufenden Ermittlungen derzeit nicht äußern könne. “Wir tun natürlich unser Bestes, um die Ermittlungsbehörden bei der Aufklärung der Unfallursache zu unterstützen”, sagte ein Bahnsprecher am Dienstag.
Die Ermittlungen zur Unfallursache führt eine Soko „Zug“ der Kriminalpolizei Weilheim. Am ersten Tag umfasste die Soko bis zu 70 Personen, sagte Stefan Sonntag, Sprecher des Polizeipräsidiums Südbayern im südlichen Oberbayern. Auch am Dienstag nahmen mehr als 40 Forscher an der Untersuchung teil. Ein Sachverständiger der Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung und ein externer Sachverständiger sind ebenfalls beteiligt.
Derzeit werden Zeugen befragt, darunter Bahnmitarbeiter und Fahrgäste. Es wurde schon mit vielen diskutiert. „Wir versuchen, mit allen zu sprechen, die mit dem Zug gefahren sind. Natürlich ist jeder, der mit dem Zug gefahren ist, ein potenzieller Zeuge“, sagte er am Sonntag.
Die Ergebnisse der Befragungen sollen später sortiert und ausgewertet und dann mit den Ergebnissen der Fachrecherche zusammengeführt werden. “Es ist ein langer und komplexer Prozess, von dem wir hoffen, dass er irgendwann ein Gesamtbild ergibt, das es uns erlaubt, diesen Unfall zu rekonstruieren.” Nach ersten Schätzungen könnten die Ermittlungen Wochen oder Monate dauern.