Stand: 27.05.2022 20:15 Uhr
Die nordrhein-westfälische Polizei ermittelt in einem großangelegten Verfahren neu: Verdächtige in 14 Bundesländern sollen Kinderpornografie besessen und einige sogar Kinder missbraucht haben. Weitere Einzelheiten wollen die Forscher nächste Woche bekannt geben.
Die Kölner Polizei ermittelt in einem neuen Missbrauchskomplex, der sich bisher auf 14 Bundesländer ausgeweitet hat. Gegen mindestens 70 Verdächtige werde ermittelt – sie sollen zahlreiche Fotos und Videos von misshandelten Kleinkindern und Babys besessen und ausgetauscht haben, sagte ein Polizeisprecher. Ausgangspunkt der Ermittlungen war demnach ein Fall aus Berlin.
Bei den dortigen Ermittlungen fanden die Ermittler einen 44-jährigen Mann aus dem nordrhein-westfälischen Wermelskirchen, der Kinder schwer sexuell missbraucht haben soll und in Haft ist. Er soll auch Listen mit Namen anderer mutmaßlicher Autoren geführt haben. Einige dieser Männer sollen nicht nur Aufnahmen gemacht, sondern auch Kinder vergewaltigt haben.
Laut verschiedenen Medienberichten konnte die Polizei bisher etwa 30 Opfer identifizieren. Die Kölner Polizei hat eine eigene Ermittlungsgruppe eingerichtet – weitere Details, Zahlen und Hintergründe werden am Montag bekannt gegeben.
Mehrere wichtige Verfahren in NRW
Nordrhein-Westfalen hat sich in den letzten Jahren zu einem Zentrum der Erforschung des sexuellen Missbrauchs von Kindern entwickelt. Nach dem Missbrauch auf dem Campingplatz Lügde im Kreis Lippe wurden die Ermittlungen in den Anlagen Bergisch Gladbach und Münster fortgesetzt.
Im Fall Bergisch Gladbach haben Ermittler 65 Kinder aus der Gewalt von Sexualstraftätern befreit. Die Fallermittlungsgruppe „BAO Berg“ hatte seit ihrem Beginn im Herbst 2019 ein weites Netzwerk von schwerem Kindesmissbrauch aufgedeckt, beginnend mit einem Familienvater in Bergisch Gladbach. Anfang dieses Jahres gab es im Resort 439 Verdächtige und landesweit 27 Verhaftungen.
In dem 2020 entdeckten Missbrauchskomplex in Münster wurden Kinder in einem Wachposten und anderswo vergewaltigt. Bisher hat die Polizei mehr als 30 Opfer identifiziert und mehr als 50 Verdächtige ausfindig gemacht, von denen einige bereits verurteilt wurden.