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Ein Hautgel verhinderte bei 100 Paaren alle Schwangerschaften, bei nur leichten Nebenwirkungen: Die vorläufigen Ergebnisse einer amerikanischen Studie versprechen viel.
„Wir sind von den bisherigen Ergebnissen begeistert“, sagt Studienleiterin Diana Blithe vom Forschungsförderzentrum des US-amerikanischen National Institute for Child Health and Human Development. Dass Blithe offen über die vorläufigen Ergebnisse einer laufenden Studie spricht, ist in der Wissenschaft ungewöhnlich, hat aber einen guten Grund. Später.
Gemeinsam mit Forscherteams von 14 Standorten weltweit testet Diana Blithe derzeit ein Hormongel mit Testosteron und Nestoron-Gestagen. Dieses Eis muss sich der Mann einmal am Tag auf die Schultern reiben, erklärt Blithe. Innerhalb weniger Wochen sinkt die Spermienzahl stark ab und wird unfruchtbar.
Die Nebenwirkungen sind mild
100 Paare hätten das Hautgel bereits ein Jahr lang als einziges Verhütungsmittel verwendet, sagt Blithe, ohne dass eine einzige Frau schwanger geworden sei. 100 weitere Paare werden folgen.
Wo die Wissenschaft bisher versagt hat
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Seit Jahren ist es Forschern weltweit nicht gelungen, eine hormonelle Verhütungsmethode für Männer zu entwickeln, sozusagen die Pille für den Mann. 2011 sorgte eine große Studie im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Aufsehen.
Forscher untersuchten damals eine Kombination aus Testosteron und Norethisteron-Gestagen auf ihre empfängnisverhütende Wirksamkeit und Verträglichkeit.
„Die Wirksamkeit war da“, sagt der damalige Studienleiter Michael Zitzmann, Endokrinologe und Androloge am Universitätsklinikum Münster. Leider gibt es auch einige Nebenwirkungen.
Einige Männer hätten wegen schwerer Depressionen ins Krankenhaus eingeliefert werden sollen, sagte Zitzmann. Daraufhin stoppte die WHO die Studie. Er könne diese Entscheidung nachvollziehen, sagt Zitzmann, und denke noch heute: Die WHO habe mit zweierlei Maß gemessen. Immerhin leiden etwa zehn Prozent aller Frauen, die die Pille nehmen, unter Gewichtszunahme, Depressionen oder Libidoverlust.
„Das ist uns damals einfach aufgefallen. Genauso gut hätte man sagen können: Diese Männer hören auf zu studieren und die anderen machen weiter.
Am Ende der Studie zog sich die WHO fast vollständig aus der Entwicklung der hormonellen Verhütung für Männer und auch aus der pharmazeutischen Industrie zurück. Heute forschen nur noch etwa zwei Dutzend Wissenschaftler weltweit intensiv an diesem Thema, die meisten mit großem Enthusiasmus, aber wenig Budget.
Und was ist mit den Nebenwirkungen des neuen Hormongels für die Haut? Ein vielversprechender neuer hormoneller Verhütungsansatz ist bereits gescheitert. „Einige Männer haben sie nicht. Und wenn doch, werden sie als leichte Nebenwirkungen eingestuft“, sagt Blithe. Nachtschweiß, Akne oder Gewichtszunahme.
Gute Chancen auf Marktreife
Die Nebenwirkungen auf die Psyche, räumt Blithe ein, seien derzeit schwer abzuschätzen. Warum: Wenn eine Studienteilnehmerin schlechte Laune hatte, lag es am neuen Verhütungsgel oder am Stress der Pandemie?
Hormonfreie Verhütung
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Auch an neuen hormonfreien Verhütungsmethoden für Männer wird seit einigen Jahren gearbeitet. Die Ansätze sind sehr unterschiedlich und wurden in unterschiedlichen Stadien entwickelt:
Das Samenleiterventil, eine Art Hebelschaltimplantat, soll den Spermienfluss auf Knopfdruck regulieren. Verhütungshöschen und das Ultraschallbad der Hoden sind auf die auf die Hoden einwirkende Wärme angewiesen, denn die Wärme verhindert die Spermienproduktion.
Doch hormonfreie Verhütungsideen sind oft am Geld gescheitert. Genau hier setzt die US-amerikanische gemeinnützige „Male Contraceptive Initiative“ MCI an: Sie sammelt Spenden und fördert damit die Forschung zu nicht-hormonellen Verhütungsmethoden für Männer.
MCI-Direktorin Heather Vahdat bietet beste Aussichten auf eine Marktzulassung für temporäre Verschlüsse des Samenleiters: In den Samenleiter des Mannes wird ein Gel injiziert, das als eine Art Sieb fungiert. Filtert und hält Spermien zurück. Der Körper baut dann die Spermien ab.
Das sogenannte Vasalgel ist eine dieser Methoden; Dass sich Eis in den Samenleitern auflösen kann und der Mensch wieder fruchtbar werden kann, muss allerdings erst noch gezeigt werden.
Ein anderes Gel namens „Adam“ soll nach einer Weile von selbst brechen. Heather Vahdat sagt, dass es Ende des Jahres an Menschen getestet wird, auch mit MCI-Mitteln. Sie schätzt, dass es noch fünf bis zehn Jahre dauern wird, bis die Gele zugelassen werden.
An der laufenden Studie mit dem Hautgel ist der Androloge und Endokrinologe Michael Zitzmann vom Universitätsklinikum Münster nicht beteiligt, er hat die Testosteron/Nestoron-Kombination aber bereits selbst in Vorstudien getestet. Und er glaubt, dass kein anderes hormonelles Verhütungsmittel für Männer eher marktfähig ist als dieses Hautgel: „Diese Methode hat derzeit die besten Erfolgsaussichten.“
Sie wollen pharmazeutische Partner
Warum spricht Diana Blithe so offen über die Ergebnisse ihrer ersten Studie? Aus strategischen Gründen. Es soll das Interesse der pharmazeutischen Industrie wecken, die sich seit einigen Jahren praktisch aus der Entwicklung hormoneller Verhütungsmethoden für den Mann heraushält. „Uns ist es wichtiger als eine wissenschaftliche Veröffentlichung, ein Produkt auf den Markt zu bringen“, sagt Blithe. “Und deshalb brauchen wir die Pharmaindustrie als Partner.”
Denn für Zulassungsanträge in den USA und Europa werden Daten aus einer Phase-3-Studie benötigt, die deutlich mehr Teilnehmer umfassen muss als die aktuelle Phase-2-Studie, weil sie noch genauer zeigen muss, ob das neue Hormongel wirksam und sicher ist. Bisherige Sponsoren – die NGO Population Council und das Diana Blithes Research Funding Center – haben jedoch kein Budget für eine so große Studie.
Die Zulassung erfordert noch Geduld
Tatsächlich wachse das Interesse der Pharmaunternehmen an seiner Studie seit einigen Monaten, sagt Blithe, und er hoffe, einen Partner für die Phase-3-Studie zu finden schnellstmöglich? “Wahrscheinlich in acht Jahren.”