„Es gibt nichts zu verbergen“

Die Versorgungssicherheit der Wiener Bevölkerung sei ihm „das Wichtigste“, sagte Ludwig. Laut dem Wiener Bürgermeister war, ist und wird dies immer gewährleistet sein. Er brachte seine Zufriedenheit darüber zum Ausdruck, dass die EU am 9. September einen Sondergipfel zur Energiekrise abhalten werde. Er wies darauf hin, dass es in Österreich im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern noch keinen Schutzschirm für Energieunternehmen gebe.

„Deshalb haben wir einen Wiener Schutzschild installiert“, sagte der Bürgermeister. Im Zuge dessen habe Ludwig „am 15. Juli meine Möglichkeiten als Bürgermeister ausgeschöpft“, Wien Energie einen 700-Millionen-Euro-Kredit zuzusprechen. Ludwig hat am Montag einen weiteren Kredit über 700 Millionen Euro zugesagt. Nun gibt es Gespräche zwischen Wien und der Bundesregierung, welche Möglichkeiten es für Wien Energie und andere Versorger gibt, die Preisprobleme einzudämmen; mehr Informationen dazu unter wien.ORF.at.

„Die heutigen ‚verrückten Märkte‘ haben zu unglaublichen Preissteigerungen im Energiesektor geführt“, sagt Hanke. „Die Preisspitze wurde letzten Freitag erreicht und ist kurzzeitig wieder gefallen. Zunächst wäre eine Einzahlung von 1,7 Milliarden Euro nötig gewesen, aber seit heute Morgen 9 Uhr wurde ein Guthaben von 798 Millionen Euro registriert.“

Weinelt weist Spekulationsvorwürfe zurück

Wien Energie benötige in jedem Fall Mittel der Bundesförderagentur (OeBFA), sagte Ludwig. “Das ist kein ungewöhnlicher Vorgang.” Das Geld wird auch zurückerstattet. „Die Mittel dienen der Überbrückung von Liquiditätsengpässen“, sagte Wiens Bürgermeister.

Weinelt, der die mangelnde Expertise in der Debatte bemängelte, wies kürzlich erhobene Spekulationsvorwürfe zurück und betonte zudem die Notwendigkeit eines Schutzschildes, wie er in der Schweiz bestehe. Bei den Wiener Stadtwerken, der Muttergesellschaft von Wien Energie, gibt es mehrere Standardprüfroutinen.

In einer aktuellen Stellungnahme vom Dienstag betonte Wien Energie, dass dem Unternehmen Spekulationen und schon gar keine Leerverkäufe untersagt seien. „Um Wien zu versorgen, müssen wir die benötigte Energie an den europäischen Energiebörsen einkaufen und unsere Stromproduktion dort verkaufen, denn nur dort können große Mengen gehandelt und langfristig garantiert werden diese Anordnungen.”

🚨 Hintergrund und Fakten zu @WienEnergie: • Wien Energie betreibt Geschäfte ausschließlich zur Belieferung von Kunden • Absolutes Spekulationsverbot • Heute, 30. August, keine Sicherheitsleistung erforderlich

Uns erreichen derzeit sehr viele Fragen, daher ein 🧵

— Wien Energie (@WienEnergie) 30. August 2022

Detailfragen nach Open Government

Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP) und Energieministerin Leonore Gewessler (Grüne) hatten sich zuvor zu den Verhandlungen geäußert. Brunner sagte Reportern, man sei auf einem guten Weg, mit der Stadt eine Lösung zu finden. Nach Angaben der Stadt Wien wird laut Brunner am Dienstag keine Hilfe benötigt. An den Gesprächen nahmen nach Angaben des Finanzministeriums Beamte der Stadt und der Förderagentur des Bundes teil.

Brunner: „Heute nicht nötig“

Konkret war von einem volkswirtschaftlichen Bedarf von sechs Milliarden Euro die Rede, wovon zwei Milliarden am Dienstagnachmittag gekommen wären. Am Dienstag betonte Brunner jedoch, dass laut Ratsherr Hanke heute “keine Notwendigkeit” für finanzielle Hilfen bestehe. „Aber morgen kann es soweit sein“, sagt Brunner. Es geht also darum, den Bedarf zu klären.

Nachdem die Stadt Wien am Montag die Regierung um Unterstützung gebeten habe, seien Experten beauftragt worden, über Nacht Lösungen zu finden, sagte Brunner weiter. Am Dienstag fand das erste Treffen auf politischer Ebene statt, bei dem Details geklärt werden mussten. Auch die derzeit noch offenen Punkte müssten im Laufe des Tages geklärt werden, betonte er.

Statement von Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP)

Gewessler: Die E-Control arbeitet an einer Marktstudie

Auch Umweltministerin Gewessler sagte, die Regierung arbeite seit Samstagmorgen “unter Hochdruck” an einer Lösung. „Hier geht es um die Versorgungssicherheit der größten Stadt Österreichs“, sagt Gewessler. Sie seien auf einem „guten Weg“, betonte er auch.

Es sei völlig klar und es bestehe kein Zweifel, dass die “aktuelle Situation des Energiemarktes eine Herausforderung für alle ist”, sagte der Stadtrat, sowohl für Verbraucher als auch für Erzeuger. Er fügte hinzu, dass alle großen Energieversorger des Landes öffentlich erklärt hätten, dass sie keine Liquiditätsprobleme hätten. Allerdings führt die Energieregulierungsbehörde E-Control derzeit eine Marktuntersuchung durch, um sich ein Bild und Klarheit auf der Erzeugerseite zu verschaffen.

Statement von Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne)

Brunner auf dem deutschen Schutzschild

Auch an einer Strompreisbremse arbeitet die Regierung weiter. „Österreich ist keine Strominsel“, so Gewessler abschließend; daher ist eine europäische Lösung erforderlich. Am 9. September findet zudem ein außerordentlicher Rat der Energieminister statt.

Österreich

Der Rechnungshof prüft die Vorgänge

Bezüglich des nach deutschem Vorbild erforderlichen – bereits bestehenden – Schutzschirms sagte Brunner, dass Wien Energie keine Gelegenheit gehabt hätte, ihn aufzunehmen, da es in Deutschland „Spekulationen über einen Schutzschirm“ gebe “. Der Sprecher des Rechnungshofs, Christian Neuwirth, hat via Twitter angekündigt, das Verfahren zu überprüfen.

Die von Wien Energie beim Bund geforderten Hilfen kommen „eher kurzfristig“, sagte Finanzminister Brunner zuvor der Ö1-Morgenzeitung. Wie die finanzielle Not entstanden ist, ist noch unklar. Laut Brunner soll Wien Energie Spekulationsgeschäfte an der Strombörse betrieben haben. Ob es ein Rettungspaket geben wird, ließ Brunner offen.

Finanzstadtrat der Stadt Wien: „Preise des Mondes“

Am Sonntag machte Wien Energie die Bundesregierung auf ihre Misere aufmerksam und es fand ein Energiegipfel im Bundeskanzleramt statt. Der springende Punkt ist, dass der Energieversorger Mittel benötigt, um zukünftige Lieferverträge (Futures) für den Bezug von Strom an internationalen Energiebörsen zu sichern. Diese Kautionen sind mit dem Strompreis stark gestiegen und können nicht mehr alleine bezahlt werden.

Landesrat Hanke zur Situation von Wien Energie

Wiens Finanzstadtrat Peter Hanke (SPÖ) äußerte sich in einem Interview unmittelbar vor dem ZIB2 zu den Vorgängen bei Wien Energie.

Wiens Finanzlandesrätin Hanke sagte am Montag, dass für Strom an der Börse derzeit “Mondpreise” gezahlt würden. Wien Energie ist besonders betroffen, weil die Eigenproduktion geringer ist. Wien muss mehr Strom von Gewerbestandorten beziehen. “Das ist ein ganz normaler Vorgang.” Durch die aktuelle Marktsituation und den Krieg in der Ukraine sind Rettungsaktionen jedoch exorbitant teuer geworden.

Österreich

Andere staatliche Energieversorger: Keine Probleme

Anfrage “Schutzschild”

Seit Mitte Juli hatte die Stadt Wien zweimal 700 Millionen Euro eingeschossen, wie gerade erst bekannt wurde. Außerdem forderte Wien vom Bund sechs Milliarden Euro. Davon hatte Hanke am Dienstagnachmittag zunächst zwei Milliarden beantragt. Am Montagabend teilte der Stadtrat der ZIB2 mit, dass der Betrag kurzfristig nicht benötigt werde und bat den Bund um einen Schutzschirm, mehr dazu auf wien.ORF.at.

Grafiken: APA/ORF.at; Quelle: WienEnergie

Wiederkehr nennt die Ereignisse “inakzeptabel”

Kritik an der SPÖ Wien kam von den Wiener Oppositionsparteien ÖVP, Grünen und FPÖ, aber auch vom Koalitionspartner NEOS. NEOS-Landeschef und Vizebürgermeister Christoph Wiederkehr forderte per Rundfunk „eine schonungslose Aufklärung“. Die bekannt gewordenen Handelsgeschäfte seien „inakzeptabel“; mehr Informationen dazu unter wien.ORF.at.

Die Wiener FPÖ prüft eine Anzeige gegen Ludwig und Hanke wegen des Verdachts auf Amtsmissbrauch, teilten Parteichef Dominik Nepp und Klubpräsident Maximilian Krauss mit. Der Vorsitzende des Dritten Nationalrats, Norbert Hofer (FPÖ), rechnet mit einer „Krise epischen Ausmaßes“. Aus diesem Grund hat er die Forderung nach einer ausserordentlichen Nationalratssitzung wiederholt. ÖVP-Generalsekretärin Laura Sachslehner identifizierte ein fatales Management-Versagen, für das allein die SPÖ in Wien verantwortlich sei.

Auch die Präsidentin der Grünen, Sigrid Maurer, kritisierte am Montag die Mittagszeitung Ö1. Die Stadt Wien war sich der Probleme offenbar bewusst, ging aber nicht rechtzeitig auf den Bund zu. Die Bundes-SPÖ sah den Fehler der Bundesregierung ein.

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