Es speichert CO2 im Boden, anstatt zu pflügen

„66 Tonnen CO2 pro Hektar!“, schwärmt Landwirt Markus Deppeler (52). Das ist die Menge Kohlendioxid, die ein Hektar Ihrer Ackerfläche binden könnte, wenn sie ein Prozent mehr Humus ansammelt, was die Fruchtbarkeit fördert. Zum Vergleich: Im Durchschnitt produziert eine in der Schweiz lebende Person 14 Tonnen CO2 pro Jahr.

Aktuell bauen sie auf dem Deppelerfeld in Tegerfelden im Kanton Aargau Raps, Sonnenblumen und Flachs an. Auch Zuckerrüben, Weizen, Gerste, Mais oder Bohnen. Es sieht idyllisch aus mit Blumen und anderen Pflanzengruppen auf den Feldern. „Du findest meinen Vater – und viele andere Bauern – überhaupt nicht schön“, sagt er lachend. Normalerweise ist ein sauberes Feld ohne andere Pflanzen erforderlich.

Notwendiges Mähen

„Die anderen Pflanzen“ kommen vom Pflanzen. Statt auf traditionelle Weise zu kultivieren und zu pflügen, zu pflügen und zu säen, stellte er auf die „Mulchsaattechnik“ um. Das heißt, zwischen dem Anbau von Flachs oder Sonnenblume überwinternde Zwischenpflanzen mit starkem Wachstum säen.

„Wir haben eine spezielle Mischung aus Kräutern und Hülsenfrüchten wie Klee hergestellt und versuchen herauszufinden, was für unseren Boden am besten ist“, erklärt er.

Diese Pflanzen werden dann aufgespürt, liegen gelassen und mit Spezialmaschinen oberflächlich eingearbeitet. „So kann ich dem Boden viel Biomasse zuführen, die die Bodenorganismen in Humus umwandeln. Mein Ziel ist es, die Bodenlebewesen ganzjährig mit Biomasse zu füttern“, erklärt er.“ So solle über die Jahre mehr Humus entstehen, dann würde CO2 daran binden.

Neue Ideen brauchen neue Maschinen

Klingt einfach und selbstverständlich. Laut Landwirtschafts- und Ernährungsexpertin Carla Hoinkes (32) von der Nichtregierungsorganisation Public Eye ist diese Mulchanbautechnik „unbestreitbar eine sinnvolle Maßnahme, weil sie umfassend ist und die Fruchtbarkeit und Bodenqualität erhöht“.

Doch für Bauer Deppeler ist das nicht so einfach. Denn winterharte Pflanzen der Zwischenfrucht wachsen auch nach der Aussaat der Hauptfrucht sporadisch weiter. Unerwünschte Pflanzen können dann in Reihenkulturen wie Sonnenblumen und Bohnen geschnitten werden. Dies erfordert, dass Maschinen diese Arbeit in Reihen erledigen.

Auch für die Bodenbearbeitung werden andere Maschinen benötigt, die nicht wie ein Pflug die ganze Erde umdrehen, sondern nur an der Oberfläche arbeiten und die Zwischenpflanzen bearbeiten. Und diese Spezialmaschinen wiederum sind so schwer, dass der alte Traktor an seine Grenzen stößt. Der Schwanz einer Ratte.

Mehrarbeit, zusätzliche Kosten

Da sind zunächst Mehraufwand und Mehrkosten, von denen Deppeler ausgeht: „Wir denken nicht für jetzt und heute, sondern für die nächste Generation. Deshalb machen wir es. Zur Finanzierung des technischen Mehraufwands stellt sie CO₂-Zertifikate aus. „Aber keine Beamten, denn ich will mich nicht in den Ablasshandel einmischen“, fügte er eindringlich hinzu. Ihre Zertifikate sind nur eine Unterstützung für Ihre Arbeit.

Perfekt findet Carla Hoinkes auch, dass es keine offiziellen CO₂-Zertifikate gibt. In den USA findet mit diesen Zertifikaten bereits ein Emissionshandel statt. Unternehmen, die Emissionen reduzieren müssen, können damit „umsonst einkaufen“, wobei meist nicht bekannt ist, wie viel CO2 im Einzelfall gespeichert wird und wie lange es tatsächlich am Boden verbleibt.

Es gibt auch fragwürdige Praktiken. Wenn beispielsweise nicht mehr gepflügt, sondern mehr Herbizide eingesetzt würden, „ist das weniger im Interesse der Natur als im Interesse der Agrochemieunternehmen“, stellt er klar. Die Förderung des Potenzials zur Kohlenstoffspeicherung im Boden ist richtig und wichtig, sollte aber nicht die notwendigen Emissionsminderungen an anderer Stelle verhindern oder zu einer reinen Imagepflanze für Unternehmen verkommen.

Die nächste Generation zieht an

In Tegerfelden wird mehr Humus verwendet, der CO2 im Boden speichert. Und auch der Vater gewöhne sich an die Felder, die “nicht mehr so ​​aufgeräumt aussehen” wie früher. Schließlich muss der Hof für die nächste Generation gerüstet sein und ihnen ein Leben im Einklang mit der Natur ermöglichen.

Noch ein Gedankenspiel: Das Statistische Bundesamt meldet für 2013/2018 388.383 Hektar Ackerland, mal 66 Tonnen CO2 pro Prozent mehr Humus: Das ergäbe mehr als 22 Millionen Tonnen gebundenes CO2.

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