17.06.2022 07:08 (17.06.2022 07:14)
Rund 65.000 Besucher lauschten dem Wiener Sommernachtskonzert in Schönbrunn. ©APA/TOBIAS STEINMAURER
Das Sommerabendkonzert der Wiener Philharmoniker fand am Donnerstagabend im Park von Schloss Schönbrunn statt. Rund 65.000 Besucher lauschten dem Open-Air-Konzert, das erstmals von Andris Nelson dirigiert wurde. Zeit blieb stehen.
Früher war das Sommerabendkonzert der Wiener Philharmoniker im Park von Schloss Schönbrunn ein Garant für eine regnerische Nacht. Die Tage, an denen das Wetter immer warm war, sind vorbei, und am Donnerstag hörten die Schauer rechtzeitig zum Beginn der Veranstaltung auf.
Trockenen Fußes stellte das Spitzenorchester unter der Leitung des lettischen Dirigenten Andris Nelsons das musikalische Erbe und den Zusammenhalt Europas in den Mittelpunkt des Abends.
Sommerkonzert der Wiener Philharmoniker mit europäischem Einschlag
Philharmoniker-Vorstand Daniel Froschauer betonte, diese sei „ganz von respektvollem Miteinander und Frieden geprägt“. Die Auswahl des Programms spiegelte auch die Bedeutung der kulturellen Verbundenheit Europas wider.
Wiener Sommernachtskonzert 2022
©APA/TOBIAS STEINMAURER
In Kriegszeiten stand etwa der „Goodbye“-Walzer des Urahns der ukrainischen Musik, Mykola Lysenko, auf dem Programm, ein bombastischer Abschied vom Ende des Jahrhunderts, der angesichts der aktuellen Weltlage weitere Assoziationsräume eröffnete. . Aber auch Klänge aus Nelsons’ Heimatstadt waren zu hören, die beim Sommernachtskonzert debütierten. Die Philharmoniker sangen einen Tango des Letten Arturs Maskats, 64, der ein Bandoneon im Piazzolla-Stil enthält, was es vielleicht zum aufregendsten Stück des Abends machte.
Andris Nelson dirigierte das Konzert, Starcellist Capuçon gab sein Solodebüt
Doch die Reise ging nicht nur nach Norden und Osten – wenn nicht bis nach Russland – sondern auch in die anderen Himmelsrichtungen des Kontinents, beginnend mit Beethovens „Leonore“-Eröffnung, überraschend zart und einer Veranstaltung im Freien vorbehalten. . Rossinis Eröffnung in „La gazza ladra“, die fast in einer Parade aufgeführt wurde, George Enescus „Rumänische Rhapsodie“, die in der populären Musik geformt wurde, und nicht zuletzt das Konzert für ein Cello núm. 1 von Camille Saint-Säens. auch gemischt mit paneuropäischem Tanz. Bei letzterem unterstützte der französische Starcellist Gautier Capuçon das Orchester.
Freilichtkonzert im Schönbrunner Schlosspark mit Lichtshow
Traditionell erstrahlt dieses Musikfestival für Europa nicht nur in hellen Tönen, sondern auch dank des grellen Lichtspektakels an der Fassade des Schlosses, das Schönbrunn in diesem Jahr immer wieder in eine Art Tarnmantel hüllte.
65.000 Besucher lauschten dem Sommernachtskonzert in Wien
Rund 65.000 Klassik-Fans ließen sich nach Angaben der Veranstalter vom vorangegangenen Hochwasser nicht entmutigen und nutzten den freien Eintritt, um die Kultur zu genießen. Das war weniger als im Rekordjahr 2018 mit 104.500 Gästen, aber natürlich deutlich mehr als im Vorjahr, als sich die Pandemie mit maximal 3.000 begnügen musste.
Der Klassiker wurde traditionell auf ORF 2 zeitversetzt ab 21.20 Uhr und der 3. am Samstag ab 21.45 Uhr wiederholt. In den Mediatheken können Sie weiterhin den Europäischen Reigen im Schlosspark konsultieren.