„Es wäre einsatzbereit“ Gazprom-Chef bringt Nord Stream 2 ins Spiel
16.06.2022, 17:33
Da die Gaspreise steigen, kann es sich Gazprom leisten, die Lieferungen an westliche Länder zu reduzieren. Es soll sich um eine defekte Turbine in der Nord Stream 1-Pipeline handeln, aber CEO Miller macht klar, was die Lösung wäre: Nord Stream 2.
Gazprom sagt, dass es bei der Lieferung von Gas in andere Länder nach seinen eigenen Regeln spielt. „Unser Produkt, unsere Regeln“, sagte Konzernchef Alexej Miller am Rande des St. Petersburger Wirtschaftsforums. “Wir spielen nicht nach Regeln, die wir nicht gemacht haben.” Miller wies die Kritik an den Kürzungen der Gaslieferungen von Gazprom nach Deutschland und mehreren EU-Ländern zurück.
Begründet werden diese vom russischen Konzern mit Problemen bei Wartungsarbeiten an einer Kompressionsstation der Siemens-Gaspipeline Nord Stream 1, die auf westliche Sanktionen zurückzuführen seien. „Die Turbine steht im Werk, Siemens kann sie nicht abholen und alle anderen Turbinen passen nicht rein“, sagt Miller.
Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hält dies für einen Anspruch. Der Grünen-Politiker vermutet Moskaus politisches Kalkül, um Druck auf den Westen auszuüben. Miller seinerseits bekräftigte die Zuverlässigkeit seines Unternehmens bei der Stromversorgung. Allerdings fügte er hinzu, dass dies für “Freunde Russlands” gelte.
Was die von Gazprom genannten Probleme an der Kompressorstation anbelangt, so versichert der Konzernchef, gebe es derzeit keine Lösung. Der deutsche Wartungskonzern Siemens schweigt bisher, bemüht sich aber um eine Lösung. Weitere Lieferungen seien jedoch sofort möglich, wenn die wegen des Ukraine-Konflikts stillgelegte Pipeline North Stream 2 in Betrieb gehe, fügte Miller hinzu. Die Röhre wäre theoretisch einsatzbereit.
Rücksendung europäischer Lieferungen: „Kein Problem“
Laut Gazprom sind die Gasexporte des Unternehmens in Länder außerhalb der ehemaligen Sowjetunion seit letztem Jahr um 28,9 % zurückgegangen. Dies wird jedoch durch massive Preiserhöhungen kompensiert. Auch auf dem asiatischen Markt gebe es Wachstum, sagte Miller. In diesem Sinne gibt es kein Problem.
Gazprom hat bereits die Lieferungen an Polen, Bulgarien, Finnland und die Niederlande eingestellt, weil sie sich im Rahmen von EU-Sanktionsbeschlüssen weigern, Gas in Rubel zu bezahlen. Sie zahlt nach Angaben Deutschlands auch in Euro, aber die Gazprom Bank rechnet Zahlungen de facto in Rubel um.