EU-Gas-Notfallplan So sparen Sie Erdgas in der EU

Stand: 09.08.2022 11:01 Uhr

Heute ist der EU-Gasnotfallplan in Kraft getreten. Die Länder werden in diesem Winter 15 Prozent weniger Gas verbrauchen. Die EU-Länder ergreifen unterschiedliche Maßnahmen, um Gas zu sparen. Ein Überblick.

Die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union sind ab heute verpflichtet, möglichst viel Erdgas einzusparen, mindestens aber 15 Prozent. So steht es im Gas-Notfallplan der Europäischen Kommission. Fazit: Das Sparprogramm ist nicht verpflichtend. Trotzdem wollen sich die EU-Staaten einbringen, und zwar auf unterschiedliche Weise.

Brüssel: Die EU-Kommission gibt die Leitlinien vor

Von Holger Beckmann, ARD Studio Brüssel

Der Erdgasverbrauch wird in allen EU-Ländern um 15 Prozent gesenkt, gemessen am Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Ob dem Aufruf zur Austerität gefolgt wird oder nicht, entscheiden allein die Regierungen der jeweiligen Hauptstädte. Sparen ist freiwillig.

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Damit soll aber der Gasverbrauch in der EU um insgesamt 45 Milliarden Kubikmeter gesenkt werden. So hofft man, die drastisch reduzierten Lieferungen aus Russland kompensieren zu können. Für Deutschland hält die Bundesnetzagentur einen Gasnotstand für vermeidbar, zumindest wenn weniger Gas in andere EU-Staaten geliefert wird. Das dürfte dort allerdings auf Proteste stoßen, denn Gas ist mittlerweile überall ein sehr knappes Gut. Und der Kampf um den Vertrieb in Europa fängt gerade erst an.

Der EU-Gasnotfallplan tritt in Kraft

Holger Beckmann, ARD Brüssel, 09.08.2022 09:55

Italien: 19 Grad in öffentlichen Gebäuden

Von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

In Italien gibt es noch keinen Masterplan, wie man bei einer möglichen Gasknappheit das Einfrieren im Winter vermeiden kann. Gas für Heizung und Warmwasser ist in Italien viel wichtiger als beispielsweise in Deutschland. 70 Prozent der italienischen Haushalte heizen mit Gas; in Deutschland sind es nur 50 Prozent.

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Trotz der großen Abhängigkeit der Menschen vom Gas, oder liegt es daran? – Politiker in Rom scheuen bislang klare Ansagen, wie das knappe Gas im Vorfeld des Winters verteilt werden soll. Energieexperten in Italien beklagen, dass die Regierung von Ministerpräsident Mario Draghi, die nur als Exekutive agiert, der Öffentlichkeit nur ungern Anweisungen gibt und Rationierungen ankündigt. Es ist absehbar, dass sie auch in Italien benötigt werden. Auch hier ist Russland bislang der wichtigste Gaslieferant.

Draghis Regierung hat in den vergangenen Monaten mit mehreren Ländern Vereinbarungen über verstärkte Gaslieferungen getroffen, darunter auch mit Algerien. Dies kann aber das bisherige Liefervolumen in Russland nicht kompensieren. Die Regierung hat beschlossen, dass die erlaubte Temperatur in öffentlichen Gebäuden um ein Grad gesenkt wird: bis zu 19 Grad, aber mit einer Toleranz von zwei Grad, damit auch ohne Strafverfolgung auf 21 Grad geheizt werden kann.

Gassparen in Italien – Regierung in Rom ohne Prioritäten

Jörg Seisselberg, ARD Rom, 09.08.2022 09:23

Österreich: Gasspeicher sind bereits voll

Von Wolfgang Vichtl, ARD Studio Wien

Österreich vermeidet nach wie vor eine Antwort auf die Frage, wer im Notfall die Gasmenge bekommt oder wer den Gashahn komplett zudreht. Aber bereiten Sie sich auf Notfälle vor. Dies soll durch eine „Erdgas-Lenkungsverordnung“ geschehen, mit der Industrie und Energieversorger dazu gebracht werden sollen, schnellstmöglich auf Öl, Kohle oder erneuerbare Energien umzusteigen.

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Bei Emissionsgrenzwerten verschließen sich beide Augen. Die Kosten des Umbaus trägt der Staat. Wer zuletzt beliefert werden soll, lässt sich anhand des Kleingedruckten interpretieren: „Geschützte Kunden“, „Haushalte“ und „soziale Grundversorgung“ darunter. Die grün-konservative Regierung in Wien, typisch österreichisch, hofft jedoch, dass es doch irgendwie kommt.

Kein Wunder: Österreichs Gasspeicher sind derzeit mit über 50 Prozent des Jahresverbrauchs voll. Zum Vergleich: Deutschlands Speicher lagern derzeit nur rund 16 Prozent des Jahresverbrauchs. Die Abhängigkeit von russischem Gas sinkt und liegt jetzt unter 50 Prozent. Außerdem wird laut Klimaschutzministerin Leonore Gewessler von den Grünen jetzt bis zu zehn Prozent weniger Gas verbraucht. Auch weil die Preise deutlich gestiegen sind und weiter steigen.

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