EU-Gipfel: Ölembargo gegen Russland wohl vorerst gescheitert

Auch EU-Ratspräsident Charles Michel und andere Gipfelteilnehmer zeigten sich optimistisch, dass nach wochenlangem Streit ein Kompromiss erzielt werden könne. Laut dem niederländischen Ministerpräsidenten Mark Rutte würde das Embargo trotz der Ausnahme dazu beitragen, die russischen Ölverkäufe in die EU um 90 Prozent zu reduzieren.

Ungarn, Tschechien und die Slowakei wollen Ausnahmen

Ungarns Ministerpräsident Orbán bezeichnete den Kompromissvorschlag als guten Ansatz, stellte aber gleichzeitig neue Forderungen. Er forderte Garantien, wenn etwa Ölpipelines wegen eines Unfalls nicht mehr in sein Land geliefert werden könnten. Ungarn muss dann Anspruch auf Öl auf dem Seeweg haben. Zudem forderte Ungarn finanzielle Zusagen für den Umbau seiner Ölinfrastruktur. Die Budapester Regierung schätzte die Kosten für die Umstellung von Raffinerien auf nicht-russisches Öl auf bis zu 550 Millionen Euro. Außerdem sollen 200 Millionen investiert werden, um das Land künftig über eine an der Adriaküste beginnende Gaspipeline zu versorgen.

Neben Ungarn könnten auch die Slowakei und Tschechien von der Ausnahme profitieren. Neben Deutschland und Polen sind dies die beiden anderen EU-Staaten, die noch mit der Druschba-Linie verbunden sind. Der ursprüngliche Vorschlag der Kommission sah vor, die Importe von russischem Rohöl in sechs Monaten und Ölprodukten in acht Monaten wegen des Krieges in der Ukraine vollständig einzustellen. Nur Ungarn und die Slowakei sollten 20 Monate erhalten.

Auf dem Gipfel forderten insbesondere die Staats- und Regierungschefs der östlichen EU-Staaten eine schnellstmögliche endgültige Einigung. Sie verwiesen auf die Bedeutung von Sanktionen für die Ukraine. „Wir haben nicht genug getan, bis die Ukraine diesen Krieg gewonnen hat“, warnte die estnische Ministerpräsidentin Kaja Kallas. Der lettische Premierminister Krisjanis Karins sagte, das Ziel sei es, die russische Wirtschaft zu isolieren und es noch schwieriger zu machen, ihre Kriegsmaschinerie zu finanzieren.

Das Sanktionspaket gegen Russland steht seit Wochen an

Die Einigung über das Ölembargo ist auch deshalb relevant, weil sie Teil eines ganzen Sanktionspakets ist, das auch wegen der Blockade in Ungarn seit Wochen ins Stocken geriet. Neben dem Ölembargo soll auch die größte russische Bank, die Sberbank, aus dem Swift-Finanzkommunikationsnetz ausgeschlossen werden. Außerdem sollen der staatliche russische Nachrichtensender Russia 24 (Rossija 24) sowie die staatlichen Sender RTR Planeta und TV Center in der EU verboten werden.

Die Themen des EU-Gipfels, der noch bis Dienstag läuft, sind Maßnahmen gegen hohe Energiepreise, zusätzliche Unterstützung für die Ukraine und die Zusammenarbeit der EU im Bereich Sicherheit und Verteidigung. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schaltete sich per Video zur aktuellen Situation ein. EU-Ratspräsident Michel kündigte am Abend an, die EU werde die Verteidigungsfähigkeit der Ukraine weiter stärken und beim Wiederaufbau helfen. Zudem versprach der Belgier neue Mittel, um die Zahlungsfähigkeit des Landes zu erhalten.

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