Nach dem Ende der Quarantäne verteidigt Experte Peter Klimek eine wichtige Maßnahme, die auch bei anderen Erkrankungen zum Einsatz kommen sollte.
Die österreichische Bundesregierung hat beschlossen, die Quarantäne abzuschaffen. Ab dem 1. August ist eine Isolierung nach positivem Corona-Test nicht mehr erforderlich. Darüber hinaus hat die Regierung jedoch weitere Maßnahmen beschlossen, etwa die Erweiterung des Corona-Registers.
Es soll eine bessere Übersicht geschaffen werden
Das Corona-Register soll einen Überblick über den Krankheitsverlauf bei Corona-Krankenhauspatienten geben. Die Datenbank enthält pseudonymisierte Daten aller Patienten mit einer COVID-Infektion in Krankenhäusern. Sie gibt unter anderem Auskunft über die Zahl der Patienten mit COVID als Hauptdiagnose, die Dauer des Krankenhausaufenthalts, die Wirksamkeit von Impfungen und ähnliches.
Derzeit würden alle Bundesländer mit Ausnahme von Wien ihre Daten an das zentrale Register liefern. Der Komplexitätsforscher Peter Klimek hofft, dass dieses Instrument in Zukunft noch mehr zum Einsatz kommt. „Jetzt können wir nachlesen, wer wann und wie im Krankenhaus ist – das ist sehr zu begrüßen, es macht vieles wett, was wir zu Beginn der Pandemie gebraucht hätten“, sagt Klimek dem Ö1-Mittagsjournal.
Wissenschaftler könnten die Daten nutzen, um bessere Schlüsse zu ziehen und die Regierung bei Maßnahmen zu beraten. Früher kamen Informationen oft zu spät. Klimek sagt, die Daten gingen erst Monate später ein, was wiederum zu spät für genaue und schnelle Messungen war.
Der Experte hofft nun, dass auch der Impfstatus der im Krankenhaus behandelten Corona-Patienten erscheint. Ziel ist es, die Daten schnell zu verknüpfen und Handlungsempfehlungen abzuleiten. „Wir hätten gerne auch andere schwere Infektionskrankheiten“, so Klimek weiter.
Auch das Europäische Zentrum für Seuchenkontrolle empfiehlt die Führung dieser Register von Infektionskrankheiten. Wenn es nach den Experten geht, könnte uns diese Maßnahme also während der gesamten Pandemie begleiten. „Wir wollen nicht den Überblick verlieren, sondern wissen, was los ist“, sagte Klimek.
Hacker äußert Bedenken, Klimek sieht Chancen
Bisher hat sich die Stadt Wien stark gegen das Zentralregister ausgesprochen. Der zuständige Gesundheitslandesrat Peter Hacker (SPÖ) äußert seine Bedenken zum Datenschutz. Für Klimek ein berechtigter Einwand, aber auch immer wieder eine willkommene Ausrede.
Allerdings äußert Klimek einerseits auch vorsichtige Bedenken hinsichtlich des Föderalismus. Die Leute, die die Daten sammeln und zusammenstellen, hätten schließlich auch “die Deutungshoheit, das ist sicher ein Hindernis”. In jedem Fall sind die Vorteile auf lange Sicht größer. So könne man besser mit den “Belastungen umgehen, die wir haben, wo Corona nur eine von vielen ist”, sagt der Experte.
Nav-Account TK Zeit31.07.2022, 06:57| Veranstaltung: 31.07.2022, 06:57