Der Westen beliefert die Ukraine mit immer schwereren Waffen. Aber das war noch kein Wendepunkt in diesem Krieg, sagt Franz-Stefan Gady.
Die USA liefern der Ukraine moderne Multiraketenwerfer zur Verteidigung gegen Russland, auch Deutschland schickt schwere Waffen. Viele fragen sich jetzt: Kommen diese Lieferungen nicht zu spät? Militärexperte Franz-Stefan Gady hat am Mittwochabend auf ZIB2 mit Martin Thür ein Assessment durchgeführt.
Alle aktuellen Entwicklungen des Ukrainekrieges auf einen Blick>
Für eine Wende sei es noch zu früh, sagte der Experte des International Institute for Strategic Studies per Telelink aus Berlin: „Die Ukraine befindet sich in einem erbitterten Abwehrkampf im Osten und bleibt ohne Munition. Was jetzt wirklich gebraucht wird, ist Nachschub Lieferungen von Munition und schweren Waffen aus dem Westen.”
Militärexperte Franz-Stefan Gady zu Gast auf ZIB2 mit Martin Thür am 1. Juni 2022. ORF Screenshot
“Jetzt geht es darum, die Front zu stabilisieren. Dann müssen früher oder später mechanisierte Reservebrigaden aufgestellt werden, die dann Frontalangriffe durchführen können.” Dazu und zur Sicherung dieses Gegenangriffs sind die sehr modernen und mobilen Waffen des Westens notwendig. „Es wird einige Wochen, Monate dauern, bis diese Systeme kampfbereit sind.
Offensiv, bis die Verluste zu groß werden
Ein brutaler Grabenkrieg wie der von 1914 ist unwahrscheinlich. Die Russen würden langsam, aber systematisch vorrücken und die Front mehrere hundert Meter pro Tag verschieben.
Seine Prognose ist jedoch für beide Seiten düster: “Was passieren wird, ist, dass diese russische Offensive endet, weil die Verluste an Menschen und Material so hoch sein werden, dass sie unterbrochen werden.”
Für die Ukraine heißt das: Durchhalten, bis Waffenlieferungen eintreffen. Daher hätten die Russen noch ein paar Wochen Zeit, um weiter voranzukommen. Danach würde Wladimir Putins Armee wohl in die Defensive gehen und auf eine Zermürbungsstrategie umsteigen.
Militärexperte Franz-Stefan Gady zu Gast auf ZIB2 mit Martin Thür am 1. Juni 2022. ORF Screenshot
Es wird ein langer Krieg werden
Gady hält auch einen schnellen Sieg für beide Seiten für unwahrscheinlich. Zweifellos würde der Kampf den Sommer und den Herbst über andauern. Eine Prognose über den Ausgang des Krieges wagt der Experte jedoch nicht. Die Unsicherheiten sind zu groß.
Nav-Account rcp Time01.06.2022, 22:31 | Akt: 01.06.2022, 22:31