Explosionen im Zentrum von Kiew

Die ukrainische Hauptstadt Kiew wurde heute Morgen von mehreren Explosionen erschüttert. Sie seien im zentralen Bezirk Shevchenko vorbeigekommen, sagte Bürgermeister Vitaly Klitschko per Telegramm. Das historische Viertel des Zentrums beherbergt mehrere Universitäten, Restaurants und Kunstgalerien. Kiew war das letzte Ziel eines russischen Angriffs Anfang Juni.

Ab heute, 7.47 Uhr online

Peter Prantner (Text), Roland Winkler (Bilder), Aida Kastrat (Video), Iris Preißler, Michaela Pichler (Redaktion), alle ORF.at/Agenten

Nach Angaben eines Beraters des Innenministeriums der Ukraine traf eine Rakete ein neunstöckiges Wohnhaus und eine weitere Rakete das Gelände eines Kindergartens. Berichten zufolge gibt es in dem betroffenen Haus Verletzte. Nach Angaben des ukrainischen Luftwaffenkommandos setzten die russischen Streitkräfte verschiedene Arten von Raketen ein, um Ziele in der West- und Südukraine anzugreifen.

Bereits am Samstag hatte es nach Behördenangaben einen Raketenangriff auf die Stadt Sarny in der Westukraine gegeben, bei dem mindestens drei Menschen getötet worden waren. Nach russischen Angaben ist die Evakuierung einer Chemiefabrik in Sievjerodonetsk wegen Anschlägen in der Ukraine ausgesetzt worden. Russland hatte zuvor angekündigt, die seit Wochen heftig umkämpfte Stadt in der Ostukraine einzunehmen. Laut einem hochrangigen Berater des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gibt es auch nach dem Abzug der ukrainischen Truppen aus Siewerodonezk immer noch Spezialeinheiten in der Stadt, die Artilleriefeuer auf russische Truppen richten.

Selenskyj will Städte zurückerobern

Die Ukraine befindet sich in einer Phase eines moralisch und emotional schwierigen Krieges. „Wir verstehen, dass wir den Staat immer noch schützen können“, sagte das Staatsoberhaupt. Er weiß jedoch nicht, wie groß die Verluste und Anstrengungen sein werden, bis der Sieg in Sicht ist. Selensky will die von Russland besetzten Städte zurückerobern. In seiner Video-Rede gestern Abend verwies er auf Siewjerodonezk, Donezk und Lugansk. Auch Melitopol und Mariupol werden nicht vergessen. „Alle anderen vorübergehend besetzten Städte in der Ukraine werden ukrainisch sein“, sagte der ukrainische Präsident.

G-7-Treffen in Bayern

Der Krieg in der Ukraine ist auch ein zentrales Thema des heutigen Treffens der sieben größten Industriestaaten (G-7) im bayerischen Elmau. Die G-7 wird wahrscheinlich das Land, das von Russland angegriffen wird, so lange wie nötig unterstützen. Neben den Staats- und Regierungschefs der G-7 nehmen auch EU-Ratspräsident Charles Michel und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen an dem Gipfel teil. Scholz hat außerdem fünf Gastländer eingeladen: Indonesien, Indien, Südafrika, Senegal und Argentinien. Selenskyj wurde ebenfalls eingeladen und wird per Videolink am Gipfel teilnehmen.

Debatte: Was könnte Russland zum Frieden bringen?

Der russische Angriffskrieg in der Ukraine wird mit unverminderter Ernsthaftigkeit geführt. Erste Friedensverhandlungen wurden eingefroren. Wie sind die bisherigen Reaktionen des Westens zu bewerten? Welche Möglichkeiten hat die Diplomatie derzeit? Was könnte Russland zum Frieden bringen?

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