FAHRRADERFOLG Aktualisiert

19. Juli 2022

Der Schweizer Ciril Stebler hat den grössten Online-Fahrradmarkt der Schweiz aufgebaut. Nun will er Velocorner.ch nach Deutschland und Österreich bringen.

Ciril Stebler ist ein Mann mit Geschäftssinn und Sinn für den Alltag. Als Jugendlicher gründete er eine Firma und erstellte die Website „öffnungszeiten.ch“. Sein aktuelles Projekt ist jedoch viel ehrgeiziger.

Stebler, 30, ist Mitgründer und CEO der Velocorner AG, dem grössten Fahrradmarkt der Schweiz. Das Murtener Unternehmen will die gesamte Fahrradbranche digitalisieren. Zu den Kunden zählen seit 2019 die meisten Schweizer Fahrradfachgeschäfte, zu den Partnern zählen grosse Marken und Hersteller. Stebler und sein Co-Founder und heutiger CCO Mario Friedli waren zuvor bei Scout 24 tätig, das Gründerduo weiß also, worauf es bei einem erfolgreichen digitalen Marktplatz mit Vergleichsmöglichkeiten ankommt.

Etwa 30.000 Fahrräder werden in Velocorner inseriert, davon werden jeden Monat fast 1.000 über das Internet verkauft. Davon sind 90 % Neuprodukte aus dem Fachhandel. Stebler verdient über seine Plattform eine Provision von 6 % auf den Verkauf. Fachhändler zahlen einen Jahresbeitrag von knapp 2.000 Euro, um bei Ihnen vor Ort präsent zu sein.

Auf der Plattform können Händler ihr Sortiment den Kunden präsentieren. Der Verkauf erfolgt in einem persönlichen Treffen zwischen Käufer und Verkäufer, die Zahlung erfolgt über die Plattform.

Rund 65% aller Schweizer Haushalte besitzen ein Velo und beim Kauf eines neuen Velos folgen Radsportbegeisterte meist der typischen Schweizer Mentalität: «Was nichts kostet, ist es nicht wert». Das bedeutet, dass Sie bereit sind, in Qualität zu investieren.

Daher kaufen Kunden gerne die besten Modelle, was Velocorner.ch zugute kommt, denn die Seite bedient hauptsächlich das Premium-Segment. Der durchschnittliche Preis für ein Velo liegt bei CHF 4’100 (€ 4’000).

Gemäss Statista erwirtschaftete die Fahrradbranche im Jahr 2019 mit über 6500 Mitarbeitenden einen Umsatz von 2 Milliarden Franken. 2021 werden in der Schweiz rund 55’000 neue Velos verkauft, ein Sechstel davon war bei Velocorner erhältlich. In zwei Jahren hat das Unternehmen 15 Arbeitsplätze geschaffen und 2021 einen Umsatz von einer Million Franken erzielt.

Die Pandemie und der Elektrofahrrad-Boom haben auch die weltweite Nachfrage erhöht; zum Beispiel aufgrund des Rückgangs der chinesischen Exporte und des Angebotsmangels, der das Angebot reduzierte, was wiederum der Plattform zugute kam. Dass dieses Wachstum nachhaltig und langfristig ist, davon ist Stebler überzeugt: Im nächsten Jahr soll der Umsatz verdoppelt werden. Die Bewertung des Unternehmens liegt ihm zufolge zwischen fünf und zehn Millionen Franken.

Das einzige Verkaufsargument von Velocorner.ch ist laut Stebler, dass „wir die einzige Plattform in der Schweiz sind, die sich speziell mit Fahrrädern befasst und weitgehend den Fachhandel einbezieht“. Velocorner.ch will in Zukunft weiter expandieren: Über ein Franchise-Modell mit finanzieller Beteiligung lokaler Partner aus der Fahrradbranche soll die Seite auch in Österreich, Deutschland und Italien lanciert werden.

Das Unternehmen wolle «zur zentralen Anlaufstelle für alle werden, die in der Schweiz einem Fahrrad begegnen», sagt Stebler. Er selbst legt jährlich rund 320 Meilen im Sattel zurück.

Ciril Stebler … Unternehmer und CEO der Velocorner AG, schwört auf die US/Schweizer Fahrradmarke Scott. 2018 im Kanton Bern mit seinem Geschäftspartner Mario Friedli gegründet, ist Velocorner aufgrund der Zweisprachigkeit, der guten Erreichbarkeit zu anderen Regionen und einer Vereinbarung mit der Wirtschaftsförderung Freiburg im Frühjahr 2019 nach Murten umgezogen.

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *