“Ein Tauchstationsminister hilft nicht”
FDP-Bildungsexperte Fischbach betonte, dass ein geordneter Schulalltag ohne Klassenlehrer gerade für Grund- und Mittelschüler kaum vorstellbar sei. „Wenn 50 dieser Schlüsselpositionen in einzelnen Bezirken nicht besetzt werden können, sollten alle Alarmglocken läuten!“ Fischbach bezweifelte, dass Bildungsminister Michael Piazolo (Freie Wahlmänner) die Lage noch im Griff habe. Er hoffe, dass die Landesregierung in dieser Situation kurz- und langfristig zu einer tragfähigen Lösung komme. “Da hilft kein Tauchstationspfarrer!”
Auch SPD-Fraktionschef Florian von Brunn twitterte: „Wir brauchen mehr Lösungen und weniger Ankündigungen in Bayern.“ Kinder brauchen gute Rahmenbedingungen in den Schulen, gerade nach der extrem schweren Zeit während Corona. Bereits in der vergangenen Woche hatte die SPD-Bundestagsfraktion behauptet, Minister Piazolo müsse in den Ferien “seine Hausaufgaben machen”. Vor jeder Klasse muss eine ausgebildete Lehrkraft stehen, Klassengrößen dürfen nicht überschritten werden, individuelle Förderung, Inklusion und Integration dürfen nicht vernachlässigt werden. Darüber hinaus fordern die Sozialdemokraten eine Erhöhung der Anfangsgehälter von Grund- und Sekundarlehrern.
Grün: „Piazolo muss den Feuerlöscher benutzen“
Die Grünen fordern Piazolo auf, “zum Feuerlöscher zu greifen”, statt aufzugeben. Gehring mahnte, auf Unterricht zu verzichten. „Bis die Stellen besetzt werden können, sollen Schulen das gebotene Geld direkt erhalten. So können sie mit externen Partnern wie Vereinen zusammenarbeiten.“
Dann könnten Sie zum Beispiel Projekte mit Künstlern starten oder Zusatzprogramme mit Sportvereinen anbieten. “Das wäre ein echter Notfallplan, um Lehrer zu entlasten und Unterrichtsausfälle zu verhindern.”
AfD: Piazolo überfordert
Der bildungspolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Oskar Atzinger, äußerte Zweifel an Aiwangers Eignung für das Ministeramt: „Wenn Sie als Bildungsminister Michael Piazolo das Bildungssystem an die Wand gefahren haben, sollten Sie sich fragen, ob dieses Amt nicht eine Übertreibung darstellt Nachfrage an Piazolo.” Die AfD-Fraktion warnt seit langem vor dem Bildungsnotstand und dem Lehrermangel. “Wenn sich ein Minister zu diesen akuten Missständen nicht einmal äußern will, ist er definitiv am falschen Ort.”
Um den akuten Lehrermangel zumindest zu beheben, könnten laut Atzinger „rund 3.000 schwangere Lehrerinnen“ für den Unterricht wieder eingestellt werden, „endlich das Beschäftigungsverbot seit der Corona-Zeit aufheben“.
Piazolo will Rentner und Studenten anziehen
Piazolo sagte vergangene Woche der “Passauer Neuen Presse”, dass derzeit 3.000 schwangere Lehrerinnen in Bayern Schulverbot haben. „Außerdem sind immer etwa zwei Prozent unserer regulären Lehrkräfte an Corona erkrankt oder in Quarantäne. Das beeinflusst auch unsere Unterrichtsplanung im nächsten Jahr.“
Die gute Nachricht: Finanzminister Albert Füracker (CSU) hat dem Kultusministerium 1620 Stellen zugesagt. „Dafür ist es aber wichtig, die richtigen Leute zu finden“, räumte Piazolo ein. Andener Schulen würden die Wartelisten für Grundschullehrerinnen und Grundschullehrer verkürzen, in anderen Schularten scheine es etwas enger zu gehen. „Deshalb versuchen wir, nebenberufliche Lehrkräfte dazu zu bewegen, ihre Arbeitszeit freiwillig zu erhöhen. Oder Rentner, wieder in die Schule zurückzukehren. Wir bieten auch Unterstützung für Schülerinnen und Schüler an.“