„Fehler an anderer Stelle“: Juso-Chef lehnt Sondervermögens-Deal ab

„Fehler an anderer Stelle“ Chef Juso lehnt Sondervermögens-Deal ab

30.05.2022, 20:18

Juso-Präsident Rosenthal kritisierte den Kompromiss zwischen der Ampelkoalition und der Union über einen Sonderfonds für die Bundeswehr als unzureichend. Auch in vielen anderen Bereichen seien Investitionen nötig, sagt sie. Sie fordert die Abschaffung der Schuldenbremse und die Erhöhung der Erbschaftssteuer.

Juso-Bundespräsidentin Jessica Rosenthal lehnt die Koalition-Union-Zusage ab, die Bundeswehr besser auszurüsten. „Ich bin nicht bereit, mit dem Grundgesetz für einen Sonderfonds für die Bundeswehr zu spielen, obwohl der Fehler woanders liegt“, schreibt der SPD-Bundestagsabgeordnete in einem Gastbeitrag für den „Spiegel“. Sie “ist nicht bereit, eine Grundgesetzänderung zu akzeptieren, weil uns der Mut zu einer wirklichen Reform unserer Haushaltspolitik fehlt.”

Rosenthal schreibt, er lehne den 100-Milliarden-Euro-Sonderfonds nicht grundsätzlich ab, sondern weil die Umgehung der Schuldenbremse “eine zu kleine Lösung für ein viel größeres Problem” sei. Die Demokratie muss nach außen, aber auch nach innen verteidigt werden. Ein Sonderfonds für die Bundeswehr würde nicht weit genug gehen. „Was sollen wir antworten, wenn Pflegekräfte fragen, warum es 100 Milliarden Euro für die Bundeswehr gibt, aber kein Geld für eine bessere Bezahlung oder eine voll finanzierte Krankenhausinfrastruktur“, fragte Juso-Chef.

Es sei “völlig verständlich, wenn Eltern fragen, warum ihre Kinder nicht auf die Schultoilette wollen, weil angeblich kein Geld für eine Reform da ist.” Die ehrliche Antwort darauf ist, dass es Geld gibt. „Aber wir halten lieber an der Schuldenbremse, als in unsere Gesellschaft zu investieren“, klagte Rosenthal. Der Staat brauche mehr finanziellen Spielraum, schreibt er und forderte die Abschaffung der Schuldenbremse und die Erhöhung der Erbschaftssteuer.

Union und Ampelkoalition hatten sich nach wochenlangen Kämpfen auf die gesetzliche Grundlage für den für Sonntagabend geplanten Sonderfonds geeinigt. Diese gibt grundsätzlich grünes Licht für Rüstungsgroßaufträge der Rüstungsindustrie. Der Vorsitzende der SPD-Fraktion, Rolf Mützenich, hatte vor einer Fraktionssitzung in Berlin gesagt, die Koalition werde bei der Abstimmung gemeinsam vorgehen. Er erwartet von der SPD eine weitgehende Zustimmung, wird aber keinem Abgeordneten vorschreiben, wie er abstimmen soll.

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