Feine Bewegung fördern: So stehen die Stubenhocker auf

Wann sind Sie das letzte Mal mit dem Aufzug oder der Treppe gefahren? Wer sich bei der Fragestellung eingeengt fühlt, ist nicht allein mit einem schlechten Gewissen. Eine vierte Person in der Schweiz bewegt sich zu wenig, mit absehbaren Folgen für die Gesundheit.

Wer sind die Kartoffeln auf der Couch?

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Wer steckt hinter den 25 Prozent Stubenhockern, die sich gemäss der Sport Schweiz 2020-Umfrage schwer tun, sich ausreichend zu bewegen? „Den“ Prototypen gibt es nicht. Sie sind jeden Alters, das Geschlecht spielt keine große Rolle, und sie sind in der Stadt und auf dem Land zu Hause.

Beispielsweise gibt es junge Menschen mit einer wachsenden Mediennutzung. Es gibt auch gestresste Menschen in den Vierzigern mit einem anspruchsvollen Job oder einer Doppelbelastung. Und es gibt verwitwete Rentner mit fehlenden Kontakten oder kleineren Beschwerden.

Es gibt jedoch einen Unterschied: Wer einen höheren Bildungsstand und ein höheres Familieneinkommen hat, bewegt sich tendenziell mehr.

In den Umfragen geben diejenigen, die sich nicht bewegen, folgende Gründe für ihre Inaktivität an:

  • Zeitmangel
  • Zu müde, um Sport zu treiben
  • Mangel an Lust
  • körperliche Einschränkung
  • Andere Interessen

Faul zu sein ist ein primärer Instinkt

„Faul sein liegt in unseren Genen“, sagt Sabina Ruff. Sie ist Sozialwissenschaftlerin und Expertin für öffentliche Gesundheit. Seit 20 Jahren fördert er körperliche Aktivität. Früher hätte der Mensch mit seinen Energiereserven sparsam umgehen müssen: Nahrung war nicht im Überfluss vorhanden. Damals half uns der Instinkt, unnötige körperliche Aktivität zu vermeiden. Denn knappe Nahrung spart Energie und sichert so das Überleben.

Heute ganz anders. In unserer Wohlstandsgesellschaft sollten wir uns körperlich mehr bewegen, um gesund zu bleiben.

Seit der Industrialisierung im 18. und 19. Jahrhundert lassen wir viele Arbeiten von Maschinen erledigen, und viele Arbeiten erfordern keine große körperliche Anstrengung mehr. Gleichzeitig sind Lebensmittel in Westeuropa immer und überall verfügbar, und heute können wir unsere Lebensmittel sogar nach Hause bestellen. Daher müssen wir dieses Ungleichgewicht im Energiehaushalt durch ausreichend Bewegung ausgleichen.

Bewegung bedeutet nicht Sport

„Aber es muss kein Sport sein“, sagt Sabina Ruff, 60. Wenn du die tägliche Bewegung intelligent in deinen Tag integrierst, kannst du auch satt werden.

Nehmen Sie zum Beispiel die Treppe statt den Aufzug. Mittags nicht in der Kantine sitzen, sondern draußen in einer Bude essen und anschließend spazieren gehen. Oder steigen Sie an einer Bushaltestelle aus, bevor Sie nach Hause fahren, und gehen Sie den Rest des Weges zu Fuß.

Wie viel Bewegung darf es sein?

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Bewegung ist wichtig für einen fitten Körper und einen wachen Geist. Reduziert das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, bestimmten Krebsarten, Knochenschwund, Depressionen und Angststörungen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schreibt, dass jedes Jahr bis zu fünf Millionen Todesfälle verhindert werden könnten, wenn sich die Weltbevölkerung mehr bewegen würde.

Doch wie viel Bewegung darf es sein, um sich positiv auf die Gesundheit auszuwirken? Erwachsene benötigen pro Woche mindestens 150 Minuten Bewegung mittlerer Intensität. Dazu gehören zum Beispiel Wandern, gemütliches Radfahren, aber auch alltägliche Aktivitäten wie Gartenarbeit oder Schneeschaufeln. Bei dieser Intensität steigt der Puls und man spürt das Keuchen, aber miteinander reden ist noch problemlos möglich.

Diese Mindestaktivität kann auch mit halber Belastung, also 75 Minuten, aber mit hoher Intensität erreicht werden. Wer es also kürzer, aber intensiver mag, kann joggen, langstreckenschwimmen, Fußball oder Tennis spielen oder an einem Fitnessgerät trainieren. Bei hoher Intensität sind nur kurze Wortwechsel möglich. Eine Kombination aus Übungen mittlerer und hoher Intensität ist ebenfalls möglich. Als allgemeine Regel gilt, dass eine Minute bei hoher Intensität zwei Minuten bei mäßiger Intensität entspricht.

Idealerweise sollten Bewegungsaktivitäten auf mehrere Tage verteilt werden. Sie können jede über den Tag gearbeitete Minute hinzufügen.

  • Für Kinder lautet die Empfehlung mindestens eine Stunde Bewegung am Tag.
  • Mit zunehmendem Alter sollten gezielte Übungen für Kraft und Beweglichkeit in die Aktivitäten integriert werden.

Wenn Sie sich gerne an der Schrittzahl orientieren, können Sie zwischen 7.000 und 8.000 Schritte pro Tag erzielen, um sich fit zu halten. Nach neuesten Erkenntnissen reicht diese Marke für ein gesundes Herz-Kreislauf-System.

Die Empfehlungen der Bewegung stammen von offiziellen Institutionen des Gesundheitswesens wie dem Bundesamt für Gesundheit des BAG, der Weltgesundheitsorganisation (WHO) oder dem Center for Disease Control and Prevention der CDC in den USA.

Je attraktiver die Umgebung, desto besser und länger bleibt sie, so Sabina Ruff.

Seit 20 Jahren fördert er körperliche Aktivität. Seine Aufgabe – auch im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit – ist es, Gemeinden, Städte und Kantone darauf aufmerksam zu machen, dass sie die Umwelt respektvoller gestalten müssen, damit sich die Menschen bewegen können. “Ich möchte das Verhalten der Menschen nicht ändern”, sagt Sabina Ruff, “Mich interessieren die Umstände.”

Ruff plädiert dafür, dass die Räume aufregend oder erstaunlich sind, damit die Leute dort gerne Zeit verbringen. Dann kommt die Bewegung automatisch. „Das kann ein schöner Park sein, eine Allee oder eine Wiese mit einem großen Tisch und Bänken.“ Am besten in unmittelbarer Nähe zum Wohngebiet. Nur so holen sie 25 Prozent der Kartoffeln von der Couch und machen im Alltag fast unbemerkt mehr Sport.

Gemeindemodell Lyss

Lyss im Kanton Bern gilt diesbezüglich als Mustergemeinde. Die Geschwindigkeitsbegrenzung rund um den Marktplatz beträgt 30 km/h, es gibt begrünte Gehbereiche mit schattenspendenden Bäumen, mehrere Sitzgelegenheiten und abfallende Gehwege für Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Regelmäßig trainierte Vereine können die städtischen Sportanlagen kostenlos nutzen.

Das Highlight der Gemeinde ist ein eigens gestalteter Spielplatz im Zentrum der Stadt. Wasserquellen können mit verschiedenen Geschicklichkeitsgeräten gesteuert werden. Gabriela Dali, Leiterin des Dezernats Soziales und Gesellschaft, erklärt: „Im ‚Hopp-La-Parcours‘ können sich Jung und Alt gemeinsam bewegen.“ Das funktioniert nicht nur für die Fitness, sondern verbindet auch Generationen besser.

“Menschen ziehen Menschen an!”

Diese Objekte, die neugierig machen und zur Nutzung anregen, seien wichtige Elemente im öffentlichen Raum, sagt Sabina Ruff.

Menschen ziehen Menschen an, sie sagen: „Wenn Freunde oder Kollegen im öffentlichen Raum Boule, Fußball oder Badminton spielen oder einfach nur auf der Wiese chillen, gehe ich hin und sitze nicht vor dem Fernseher.“ .

Mit Kunst Menschen bewegen

Bei seiner Mission arbeitet er auch mit dem Bildhauer Norbert Roztocki zusammen.

Angefangen hat alles vor sieben Jahren mit der Idee von Roztocki, Holzlatten zusammenzufügen und zu einem Schacht zu verbinden. Die Form sollte wie eine DNA-Doppelhelix aussehen.

Aus dem Kunstobjekt wurde schließlich eine Bank, die Bewegung fördert. „Als mein Sohn Alexander zum ersten Mal die Holzskulptur in unserem Garten sah, kletterte er sofort in das Objekt hinein“, erinnert sich Norbert Roztocki. Dabei erkannte er, dass Funktionalität und Optik stimmen müssen, damit sich Menschen gerne mit einem Objekt im öffentlichen Raum beschäftigen.

In Zofingen verlassen manche Bürger ihre Wohnung im Rosengarten nur wegen der eindrücklichen Holzskulptur.

Die Roztocki-Kunstobjekte, die die Bewegung fördern, sind an 37 Orten in der Schweiz installiert. Es gibt Objekte speziell für Schüler und Senioren. Aber immer mit dem gleichen Ziel: Bewegung durch die Begegnung zu schaffen.

Ein Standard für Bewegungsfreiheit

Um die Stubenhocker zum Laufen zu bringen, müssen auch die Gebäude neu gedacht werden. Als positives Beispiel nennt die Sozialwissenschaftlerin Sabina Ruff die Kaskadentreppe im Eingangsbereich der Zürcher Hochschule der Künste im Toni-Areal Zürich. „Treppen fallen sofort ins Auge und heben einen förmlich nach oben“, schwärmt er.

Da das Gebäude barrierefrei sein muss, ist natürlich auch ein Aufzug vorhanden. Dies wurde absichtlich etwas versteckt. So entscheiden sich jetzt die meisten für die naheliegende „Maßstabsvariante“ – ausgetrickst durch schlaue Bauplanung.

Trotz all dieser guten Ansätze gebe es noch viel Luft nach oben, sagt Ruff. Eine Idee für die Zukunft wäre zum Beispiel eine Art Norm, wie es sie für die Lärmbelästigung gibt. „Man könnte einer Stadt zum Beispiel nur dann das Label Energiestadt verleihen, wenn sie sich auch körperlich bewegt“, sagt Ruff. Dies wirkt sich letztlich auf den Energieverbrauch aus.

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