Die Mehrheit der Wähler sollte nicht nur für die Absetzung des Bürgermeisters stimmen, sondern diese Mehrheit sollte auch mindestens 30 Prozent der Wähler ausmachen. Zur Einordnung: Bei der letzten Bürgermeisterwahl 2018 stimmten im ersten Wahlgang 37,6 Prozent der Wähler, im zweiten Durchgang dann nur noch 30,2 Prozent.
Alle Mitglieder der römischen Koalition fordern seinen sofortigen Rücktritt
Für Kößler steht jedoch fest: „Die Politik muss diesen Weg gehen, auch wenn er schwierig ist. Wir dürfen keine Angst vor dem Scheitern haben.“ Das sieht auch der Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Yanki Pürsün, so. „Wir sind bereit, ausgeschieden zu werden. Feldmann bringt uns auf der ganzen Welt in Verlegenheit. Nach dieser Aussage ist klar, dass er nicht im Amt bleiben wird. Der Rat wird dem ein Ende bereiten.“
Feldmann selbst sagte, seine Situation habe sich verschlechtert. Pürsün geht davon aus, dass es bei der nächsten Gemeindevollversammlung am 9. Juni zu einem Abstimmungsverfahren kommen wird. Am Ende aber sei “die SPD die entscheidende Partei”.
Die Frankfurter sind sauer
Laut Feldmann protestierte eine Frau aus Frankfurt am Eingang des Römers. In seinen Händen hält er ein Schild mit der Aufschrift „Feldmann tritt jetzt zurück“. Er findet es “schrecklich”, dass der Bürgermeister noch im Amt ist. “Es ist einfach enttäuschend.” Sie sagt, sie ruiniere die Stadt mit ihrem beschämenden Verhalten. Ihr war klar, dass ihr nur öffentlicher Druck helfen würde. „Ein Ausschlussverfahren wird angesichts der geringen Wahlbeteiligung, die wir bei der Bürgermeisterwahl hatten, sehr schwierig sein.“
Auch Hilde Wackerhagen, die direkt neben der protestierenden Frau in Frankfurt steht, kritisiert Feldmanns Entscheidung. Sie greift den OB vor allem wegen ihres sexistischen Kommentars gegenüber Fluggästen an: “So eine verrückte sexistische Einstellung.”
Demonstrant fordert Rücktritt Feldmanns (Archivfoto): Frankfurter Bürger protestieren am Mittwoch vor dem Römer. (Quelle: Stefan Simon / T-Online Bilder)
Auch ein anderer Demonstrant, Reinhard Jaschek, wartet auf die Absetzung Feldmanns. Er vermutet, dass der Oberbürgermeister von Frankfurt sich Sorgen um seine Finanzen macht, deshalb würde er nicht freiwillig zurücktreten.
Feldmann will bis 2024 im Amt bleiben
Ausgangspunkt der anhaltenden Kritik war ein Korruptionsskandal um Betrugsvorwürfe und überhöhte Löhne bei der Arbeiterwohlfahrt (Awo). Feldmanns damaliger Lebensgefährte und seine spätere Frau sollen als Leiter einer deutsch-türkischen Kita zu viel Geld bekommen haben. Im März erstattete die Staatsanwaltschaft Frankfurt Anklage gegen ihn wegen Vorteilsannahme. Die Staatsanwaltschaft wirft Feldmann vor, dass dieses Arbeitsverhältnis ab 2014 für sein Amt als Oberbürgermeister geschlossen wurde.
Im April 2022 erklärte Feldmann, bei den nächsten Wahlen 2024 nicht mehr antreten zu wollen. Bis dahin will er aber bleiben.