Der Flughafen London Heathrow begrenzt die Zahl der Fluggäste auf 100.000 pro Tag. Grund für die bis 9/11 geltende Maßnahme an Europas größtem Flughafen ist Personalmangel. Angesichts der Kapazitätsprobleme in vielen Teilen Europas empfiehlt Luftfahrtjournalist Hansjörg Bürgi, einen Flug für November zu buchen.
Hansjörg Bürgi
Chefredaktor «Skynews.ch»
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Hansjörg Bürgi ist Journalist und Luftfahrtexperte. Er ist Chefredaktor und Redakteur von Skynews.ch, einer Luftfahrtnachrichtenseite.
SRF News: Was bedeutet die Ankündigung der Flughafenverwaltung für die Passagiere?
Hansjörg Bürgi: Wer seinen Flug bereits gebucht hat und über Heathrow fliegt, soll von der Einschränkung nicht betroffen sein. Es geht darum, nicht mehr Flüge zu verkaufen. Der Flughafen Heathrow hofft, den Flugbetrieb einigermaßen geordnet aufrechterhalten zu können.
Könnten die anderen fünf internationalen Flughäfen in und um London nicht helfen, damit die Zahl der Passagiere nicht eingeschränkt werden muss?
Das ist nicht so einfach. Heathrow ist das größte Zentrum in Europa. Die meisten Passagiere, die dorthin fliegen, steigen in Heathrow um, um sie weiterzubefördern. Nur ein kleiner Teil der Passagiere bleibt in London.
Heathrow ist das größte Zentrum in Europa.
Darüber hinaus werden die restlichen Londoner Flughäfen von anderen Fluggesellschaften, hauptsächlich Billigfluglinien, belegt. Easyjet ist in Luton und Ryanair in Stansted aktiv. Beide bieten hauptsächlich Punkt-zu-Punkt-Reisen an. London-Gatwick hingegen hat nur ein Gleis und ist daher sehr schnell an seine Kapazitätsgrenze gestoßen.
Mittelfristig positiv für Heathrow?
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Wenn in Heathrow weniger Flüge starten und landen und weniger Passagiere unterwegs sind, hat das zunächst einmal finanzielle Folgen für den Flughafenbetreiber. Mittelfristig könnte die Massnahme aber auch den Ruf des Flughafens verbessern: «Es gibt nichts Schlimmeres als Bilder von Schlangen auf den Strassen», sagt Luftfahrtjournalist Bürgi. In Heathrow hingegen soll ein Service für Passagiere möglich sein, wie sie es vor der Pandemie gewohnt waren. Das ist gut für das Image des Flughafens.
2018 flogen rund 80 Millionen Passagiere über Heathrow – wie wirken sich die jetzt erlassenen Einschränkungen auf den internationalen Flugverkehr aus?
Sie sind eher klein, weil nur noch nicht gebuchte Flüge betroffen sind. Dafür müssen jetzt Alternativen gefunden werden, aber das ist durchaus möglich: Entweder man fliegt direkt oder man fliegt über ein anderes europäisches Drehkreuz.
Auch die anderen europäischen Flugzentren stehen am Abgrund.
Allerdings liegen auch einige der anderen Flugdrehkreuze am Rande, etwa Amsterdam oder Frankfurt. In jedem Fall müssen Sie genügend Buchungszeit einplanen, um den Anschlussflug zu erwischen.
Fluggesellschaften reagieren auf das Flugchaos
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Bildunterschrift: Reuters
Die wichtigste Fluggesellschaft von Heathrow, British Airways, hat aufgrund von Engpässen im Sommer und Herbst bereits mehr als 10.000 Flüge gestrichen. Auf Nachfrage erklärte Lufthansa zudem, dass sie neben den bereits angekündigten Streichungen für Juli und August weitere Anpassungen des Flugplans anstrebe. (rtr)
Die Luft- und Raumfahrtindustrie arbeitet derzeit aufgrund von Personalmangel am Limit. Es gibt Kritik: zum Beispiel, dass Heathrow die Zahl der Passagiere für den Sommer unterschätzt habe. Sind die Probleme also selbstverschuldet?
Die Probleme in Großbritannien sind aufgrund des Brexits teilweise innenpolitisch bedingt. Daher herrscht im EU-Raum Personalmangel. Zudem haben nicht nur Flughäfen während der Pandemie zu viele Mitarbeiter entlassen, sondern auch Fluggesellschaften.
Zahlreiche Flughäfen und Fluggesellschaften in Europa, darunter auch Zürich, melden Probleme. Sollten Sie diesen Sommer dorthin fliegen?
Erfreulich ist, dass die Menschen wieder fliegen wollen, auch zu deutlich höheren Preisen als vor der Pandemie. Andererseits ist es natürlich weniger lohnend, wenn Fluggesellschaften und Flughäfen nicht bereit für den Ansturm sind. Daher empfehle ich meistens im November oder Wintersemester weiterzufliegen. Dann sollte sich die Situation wieder normalisiert haben, zumindest wird das erwartet.
Das Interview führte Yves Kilchör.