Die Covid-Blockade im Frühjahr 2020 hatte für Isabelle Schmid unerwartete Folgen. Im April zog die 34-Jährige mit ihrem Lebensgefährten in eine Wohnung im Berner Schosshaldequartier. „Als die Krise vorbei war und der Verkehr sein normales Maß erreicht hatte, haben wir gemerkt: Hier wird es laut!“
Jetzt will das Paar wieder umziehen. Es soll eine ruhige 3.5-Zimmer-Wohnung in der Stadt Bern oder einem Nachbarort sein, «am liebsten mit Charme und Kamin». Doch billiger Wohnraum ist vor allem in urbanen Räumen ein knappes Gut, in Bern so etwas wie eine „unmögliche Mission“, zumindest im traditionellen Sinne. Isabelle Schmid: „Vier Monate lang habe ich jeden Tag Inserate im Internet gemischt und bin auf die Suche gegangen. Aber je schöner und bezahlbarer die Wohnung, desto größer die Zahl der Bewerber.“
Er hat Flyer an seine Briefkästen gehängt
Um ihr Traumhaus dennoch zu verwirklichen, setzt die Kommunikationsspezialistin auf Kreativität: Auf ihren Jogging- und Radtouren durch attraktive Kieze klebt sie Flyer mit Informationen über sich, ihren Freund und die Wünsche ihrer Wohnung in die Briefkästen.
Die Nachfrage ist hoch. Das Angebot wird immer kleiner. 2021 ist die Zahl leerstehender Mietwohnungen in der Schweiz so stark gesunken wie vor neun Jahren. Unter diesen Umständen werden viele erfinderisch. Laut Vermieterverbänden greifen sie zunehmend zu unkonventionellen Mitteln.
Es wird jetzt professionell beworben
Flyer wie der von Isabelle Schmid erscheinen oft in Wohngebieten mit guter Infrastruktur, wo es sich gut leben lässt, sagt Sabina Meier, Geschäftsleiterin des Mietervereins Bern. „Mit dieser Aktion kann man sich bestenfalls von der Konkurrenz abheben und einen Artikel bekommen, bevor er auf den Markt kommt.“
Walter Angst vom Mieterverein Zürich stimmt zu: Da viele Kommunikationskundige auch eine Wohnung suchen, kommen mittlerweile professionelle Werbemittel zum Einsatz.“
In den Briefkästen der Arbeiterquartiere fänden sich oft Zettel, sagt Natalie Imboden, Generalsekretärin des Schweizerischen Mieterverbandes. Einige Suchmaschinen gehen sogar noch weiter, um sich von der Masse abzuheben. Imboden berichtet von Videos regelmäßiger Anwendungen und aufwendigen Drucken.
Wohnungsnot in der Schweiz
Wacholder sind auf Immobilienmakler angewiesen
Ein anderes Phänomen zeichnet sich in der Westschweiz ab: Immer mehr Menschen in Genf verlassen sich auf Immobilienmakler. Nur: “Manche zielen nur auf diejenigen ab, die ihnen durch Zahlung einer Gebühr leichter zu einer Immobilie verhelfen können”, sagt Christian Dandrès vom örtlichen Mieterbund.
Die Suche per Lenkrad offenbart eine gewisse Privatsphäre. „Bevor man etwas unternimmt, sollte man sich überlegen, ob man aussteigen will und in welchem Umfang“, sagt Walter Angst. Isabelle Schmid hat bisher keine Kommentare erhalten. „Man muss sich nicht beeilen, wenn man mit einem Heft sucht, es ist fast wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Aber wenn es klappt, bekommt man vielleicht den Preis.“