Leclerc landet auf der Mauer
Verstappen: Im roten Schlafwagen zum Titel
Weltmeister Max Verstappen (24) hat leichte Chancen auf einen zweiten WM-Titel im Jahr 2022. Der Red-Bull-Honda-Star brauchte gestern in Le Castellt nur ein wenig Geduld, bis der rote Schläfer von der Strecke sprang.
Normalerweise ist die falsche Strategie die Zerstörung von Ferrari. Oder ein Motorschaden. Diesmal war es Fahrer Charles Leclerc höchstpersönlich: Er schleuderte sein Auto in der elften Kurve der 18. Runde von der Strecke, direkt in die Reifenstapel.
Die Monegassen führten von Beginn an vor Verstappen. Doch der Niederländer hatte sich eine Runde zuvor aus Leclercs Rückspiegel verabschiedet, um den Belag zu wechseln. „Es gibt Rennen, da machen mutige Angriffe keinen Sinn. Da muss man sich zurückhalten und abwarten“, lachte der jetzt 27 GP-Sieger. Wie Jackie Stewart (83). Und genau diese Intelligenz fehlt Verstappen oft. Jetzt ist er reifer und noch gefährlicher.
Der finstere Schrei von Leclerc
Nach dem Unfall stieß Leclerc im Radio einen seltsamen Schrei aus! Zunächst glaubte man, dass ihn wieder ein zappelndes Gaspedal (wie bei Spielberg) im Cockpit störe. Aber es war die einzige Schuld des Mannes, der bereits 63 Punkte hinter Verstappen liegt: “Ich bin in der besten Form meines Lebens. Ich will nichts mehr als diesen Titel. Und dann mache ich solche Fehler! Ja, ich verliere.” Kontrolle über das Auto, und wenn es dir das Rückgrat bricht, hast du keine Chance!”
Leclerc rechnete dann schnell durch: „In Imola waren es sieben Punkte, und jetzt 25, die ich verschenkt habe. 32 Punkte, die mir wehgetan haben!“ Und auch das Team, das froh sein musste, dass Sainz aus der letzten Startreihe (nach Motorwechsel) mindestens Fünfter wurde. Jetzt stehen die Roten schon 314:395 gegen die Bullen (diesmal mit einem schwachen Pérez).
Mercedes ist zurück
Serienweltmeister Mercedes ist mit dem ersten Auftritt auf dem Doppelpodium 2022 in Südfrankreich wieder im Geschäft. Mit bisher 21 Platzierungen und bereits 270 Punkten. Nur in Silverstone scheiterte Russell, nachdem er Zhou eingewickelt hatte! Und bei Mercedes hat Hamilton endlich das Kommando übernommen. Sein viertes Podium in Folge, zum Jubiläum (300. GP) gab es sogar einen verdienten zweiten Platz.
„Der Löwe ist zurück“, sagte Mercedes-Chef Toto Wolff nach dem Qualifying. Der Löwe hat gestern wieder gebissen. Mit Ausnahme von Verstappen hat Hamilton mit seinem Reifengefühl alle Gegner im Hitzekampf aufgefressen. „Unser Team hat wieder einen tollen Job gemacht. Bald sind wir bei Ferrari und Red Bull und bereit für Großes. Ja, wir werden unseren ersten Jahressieg mehr und mehr verdient!” Aus dem ehemaligen Einzelkämpfer ist ein motivierender Teamplayer geworden, eine Rolle, die ihm viele Sir Lewis Hamilton (37) nicht zugetraut hätten.