Gepostet am 8. Juni 2022, 17:40 Uhr
Ein Emmentaler Bauer konnte seine Erdbeeren nicht loswerden, weil sie nicht den handelsüblichen Standards entsprachen. Aber es gibt eine Lösung.
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Etwa eine halbe Tonne Erdbeeren sucht Abnehmer.
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Sie sind bei Frischer Fritz in Thun erhältlich.
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Der Kilopreis beträgt sieben Franken.
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Dem Haslerbauern Bruno Spycher bei Burgdorf bleibt ein Drittel seiner Erdbeeren übrig: Sie entsprechen nicht den Handelsstandards. Erdbeeren zu pflücken, die später nicht verkauft werden können, sei zu teuer, weil sie mühsam von Hand geerntet werden müssten, erklärt Spycher: „Entweder wir müssen sie wegwerfen oder wir müssen sie auf dem Feld verrotten.“
Landwirte seien unter Druck, weil aus dem Ausland importiertes Obst die Nachfrage dämpfe, sagt Emmentaler. Der Handel pocht auf Erdbeeren, die mindestens eine Woche haltbar sind – das war nicht immer so: Vor zwanzig Jahren wurden Erdbeeren am nächsten Tag im Laden verkauft, heute dauert es drei, vier Tage“, sagt Spycher Obst, das nicht dem Standard entspricht, ist schwieriger zu lagern und wird daher zu Lebensmittelabfall.
“Es ist eine Win-Win-Situation”
Doch jetzt bekommt der Bauer Unterstützung: Der Verein Frischer Fritz, der gegen das Wegwerfen von Lebensmitteln kämpft, hat ihm fast eine halbe Tonne Erdbeeren abgenommen: „Das ist eine Win-Win-Situation“, sagt Spycher. Sandra Kissling, Chefin von Fresh Fritz, konnte ihn überreden, die Beeren, die kein Interesse am Einzelhandel haben, zu ernten und über seinen Laden zu verkaufen. „Ich musste ihm versprechen, dass die anfallenden Kosten durch den Verkauf der Beeren gedeckt werden“, sagt Kissling. Zusammenarbeit lohnt sich, auch wenn sie keinen monetären Nutzen bringt, sagt Spycher: „So verrottet nichts auf dem Feld und die Erdbeersträucher bleiben sauber.“
„Erdbeeren sind absolut in Ordnung“, sagt Kissling. Sie würden sich nur optisch von denen im Supermarkt unterscheiden. Viel Zeit, dem Mann und der Frau eine halbe Tonne Erdbeeren zu bringen, bleibt nicht, denn die Süßigkeiten werden nur wenige Tage aufbewahrt: „Jeden Morgen kommen neue Erdbeeren und wir hoffen, dass die Leute sie abholen.“
Ist Lebensmittelverschwendung eine Randerscheinung?
Food Waste ist laut dem Schweizerischen Obstverband eine Randerscheinung im Erdbeeranbau hierzulande. «Die unverkäufliche Ware liegt bei maximal zwölf Prozent, die Einstufung bei fünf Prozent», schreibt Sprecherin Beatrice Rüttimann. Aus hygienischen Gründen ist es nicht sinnvoll, die Beeren auf dem Feld zersetzen zu lassen. Alle professionell bewirtschafteten Obst- und Beerenfrüchte werden laut Rüttimann auch bei Sättigung des Marktes vollständig geerntet.