Freihandel mit China: Funkstille zwischen Bern und Peking

Wenn sich die Welt im Guten wie im Schlechten neu ordnet, muss sich auch die Schweiz bewegen. Das gilt für den Umgang mit Russland und über kurz oder lang auch für die Beziehungen zu China.

Die brutale Natur des Pekinger Regimes wurde durch die jüngsten Enthüllungen über die Unterdrückung der uigurischen Minderheit erneut unterstrichen (siehe Artikel unten).

Bundesrat und Parlament hielten jedoch lange an der Maxime einer möglichst engen Wirtschaftsbeziehung fest. Höhepunkt dieser Strategie war die Unterzeichnung eines Freihandelsabkommens im Jahr 2013, sehr zum Leidwesen der europäischen Konkurrenz.

Linke Positionen plötzlich gesellschaftsfähig

Neun Jahre später ist diese Nähe nicht mehr für alle angenehm. Die Linke hat den Deal immer als Fehler gesehen. Und der Präsident des Zentrums, Gerhard Pfister, sagte kürzlich, er stehe dem Vertrag nun deutlich kritischer gegenüber. Der Bundesrat schlägt längst einen anderen Ton an, wenn auch vorsichtig. Ignazio Cassis machte mit seiner „China-Strategie“ deutlich, dass die Tage der Freihandelspolitik gezählt sind.

Dies ist die offizielle Ankündigung. Doch die Schweiz sendet andere, teilweise widersprüchliche Signale. Denn die Bundesregierung versucht seit einiger Zeit, das Freihandelsabkommen mit Peking zu aktualisieren. Mit wenig Erfolg.

Zu diesem Thema herrscht seit Monaten Funkstille. Daran habe sich nichts geändert, schreibt der Staatssekretär für Wirtschaft (Seco) auf Anfrage: «Bisher konnte man sich nicht auf eine gemeinsame Liste von Themen einigen, die vertieft werden sollen.»

Insbesondere im Bereich des Marktzugangs für Industrieprodukte besteht Interesse an einer Vertragsaktualisierung. «Die Schweiz möchte das bestehende Abkommen auch in anderen Bereichen weiterentwickeln», so das Seco auch im Bereich Nachhaltigkeit. “Diese grossen Forderungen aus der Schweiz sind für China weiterhin eine Herausforderung.”

Dialog möglich

Franz Grüter (58, SVP), Vorsitzender der Aussenpolitischen Kommission des Nationalrates (APK), sagt deutlicher: «Von Chinas Strategie – etwas, das es in dieser Form für ein anderes Land nicht gibt – ist der Prozess ins Stocken geraten.»

Grüter findet, dass sich die Schweiz mit den Menschenrechten befassen sollte. „Ich kenne China sehr gut und ich weiß, dass dieser Dialog aufrechterhalten werden kann, aber nicht in der Öffentlichkeit.“ Der Aussenpolitiker der SVP glaubt nicht, dass sich die Situation kurzfristig grundlegend ändern wird. Aber es gab Skandale, bevor sie überwunden wurden. Grüter: „Die Situation kann sich im Laufe der Zeit ändern. Und vielleicht, wenn das Personal an der Spitze wechselt.“

Auch Christine Badertscher (40), Nationalrätin der Grünen, stellt fest, dass sich die Sicht auf das Freihandelsabkommen mit China ändert. “Und doch würde die Mehrheit in der Schweiz kaum aufgeben wollen, solange die Wirtschaft davon profitiert.”

Eine schwierige Situation. „Auch mit Blick auf die Nachhaltigkeit wäre eine Vertragsaufwertung sinnvoll“, sagt Badertscher. Andererseits unterstützten die Grünen keine Anpassung, die den Menschenrechtsdialog ausschließt. Denn der Deal mit China, sagt der Berner, stellt ein Reputationsrisiko dar. «Übernachthypothek».

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