Freude über Feuerwerksverbot: „Wie schön Feiern ohne Knall sein kann“

– „Wie schön kann das Feiern ohne Schläge sein“

Aktuell stöhnen die meisten unter der Hitzewelle. Kracher- und Böllergegner hingegen haben ihren Spaß – sie hoffen auf eine Welle der Unterstützung für ihre neu gestartete Grassroots-Initiative.

Veröffentlicht: 21.07.2022, 20:17 Uhr

Feuerwerk am Seenachtsfest in Spiez. Nicht jeder kann den Lärm genießen, der normalerweise damit verbunden ist.

Foto: David Bumann

Nun haben 22 Kantone wegen der anhaltenden Dürre Feuer zumindest im oder am Wald verboten. Gemäss Naturgefahrenportal des Bundes ist die Waldbrandgefahr in den meisten Kantonen auf die Gefahrenstufe 4 (gross) angestiegen, in einigen Gebieten des Wallis liegt die höchste Gefahrenstufe 5. Einige Kantone, wie Solothurn oder das Wallis, Außerdem habe ein Feuerwerksverbot zum 1. August erlassen. Es ist davon auszugehen, dass weitere Kantone diese Verbote in den kommenden Tagen verhängen werden, da derzeit keine Anzeichen für eine längere Regenzeit erkennbar sind. Daher dürfte der diesjährige Nationalfeiertag wohl einer der ruhigsten werden, ohne große Explosionen und bunte Lichter am Himmel.

Warten auf Verbote

Die Initiatoren des Referendums „Für ein Verbot von Feuerwerkskörpern“ erfreuen sich an der aktuellen Hitze und der damit verbundenen Dürre. Sie hoffen auf ein Feuerwerksverbot in allen Ecken, wie Corinne Meister vom Initiativkomitee sagt: „Wir wollen diesen Effekt nutzen, um zu zeigen, wie schön Feste ohne Knall sein können.“ Die Rückmeldungen zur Lancierung der Initiative würden zeigen, dass viele es zu schätzen wüssten, wenn sie nicht am 1. August aus der Schweiz fliehen müssten oder um ihr Hab und Gut fürchten müssten.

Als Leiter einer Hundeschule weiß der ehemalige Journalist Roman Huber, dass Tiere besonders unter dem Lärm von Feuerwerkskörpern leiden.

Foto: Nicole Fröhlich

Treibende Kraft hinter der Volksabstimmung ist der Aargauer Hundetrainer und Ex-Journalist Roman Huber. Kurz nach der Gründung des Initiativkomitees vor einem Jahr sagte er dieser Zeitung, die jetzige Situation widerspreche der Bundesverfassung, wo in Artikel 74 „der Schutz des Menschen und seiner natürlichen Umwelt vor schädlichen und belästigenden Einflüssen“ stehe und vor allem in Artikel 80 der „Schutz verankerter Tiere“. Feuerwerksfans sind nicht gleich Tierquäler, ihnen fehlt oft das nötige Wissen.

Bisher 15.000 Unterschriften

Die Unterschriftensammlung läuft seit dem 3. Mai, bisher wurden laut Meister etwas mehr als 15.000 gesammelt. Bisher ist keine der Hauptparteien Teil des Unterstützungskomitees, nur einige regionale Zweige wie die Junge Mitte Uri oder die Sozialdemokratische Partei Dietlikon. Aber auch Umweltschutzorganisationen wie Pro Natura und Greenpeace Schweiz sind prominent vertreten. Auch so illustre Persönlichkeiten wie der ehemalige Mister Corona, Daniel Koch, oder die mehrfache Olympiamedaillengewinnerin im Dressurreiten, Christine Stückelberger.

Was genau will die Initiative? Sie fordert ein Verbot des Verkaufs und der Verwendung von lautem Feuerwerk. Für Veranstaltungen von nationaler Bedeutung sollen kantonale Behörden auf Antrag Sonderbewilligungen erteilen können. Die Bestimmungen sollen spätestens zwei Jahre nach einem möglichen Ja in Kraft treten. Ziel sei es, innerhalb von zwölf Monaten die erforderlichen Unterschriften beisammen zu haben, sagt Meister. Eine Volksinitiative muss innerhalb von anderthalb Jahren nach Sammlungsbeginn eingereicht werden.

2015 scheiterte eine ähnliche Volksinitiative auf Kantonsebene im Aargau mit 64,5 Prozent Nein-Stimmen klar an den Urnen. Die Volksabstimmung wollte das kantonale Brandschutzgesetz verschärfen. Laut Initiative wären nur Wunderkerzen und Ladycracker erlaubt gewesen. Das offizielle Gemeindefeuerwerk stand nicht im Mittelpunkt der Initiative. Die Ausgangslage sei nun aber eine andere, sagt Huber, die in Untersiggenthal im Aargau lebt, also weniger politisch gefärbt ist.

Gregor Poletti ist Nationalredakteur und seit über 30 Jahren im Journalismus tätig. Alles, was gesellschaftspolitisch bewegt, kommt in die Tasten: von 30 km/h bis Euthanasie Mehr Infos

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