„Fünf Jahre Mangel“ warnt Lindner vor „schwerer Wirtschaftskrise“
22.06.2022, 04:14 Uhr
Finanzminister Christian Lindner verspricht den Deutschen eine lange Entbehrungsphase. Grund dafür sind die Preissteigerungen infolge des Ukrainekrieges. Der FDP-Chef sieht eine „sehr besorgniserregende Situation“ kommen.
Im Zusammenhang mit dem Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine hat FDP-Bundesfinanzminister Christian Lindner vor einer schweren Wirtschaftskrise gewarnt. „Es besteht die Gefahr einer sehr ernst zu nehmenden Wirtschaftskrise durch den starken Anstieg der Energiepreise, durch Lieferkettenprobleme, durch Inflation“, sagte er dem ZDF.
„Meine Sorge ist, dass wir in ein paar Wochen und Monaten eine sehr besorgniserregende Situation haben könnten“, sagte er. „Und in dieser Situation können wir nicht fordern. Es geht um drei oder vier, vielleicht fünf Jahre Knappheit, und darauf müssen wir eine Antwort finden.“ Wir müssen daher über alle Möglichkeiten sprechen, auch über die Verlängerung der Betriebszeiten der drei noch in Betrieb befindlichen Kernkraftwerke in Deutschland.
Wegen fehlender Gaslieferungen aus Russland fordert die FDP eine zumindest nochmalige Überprüfung der Betriebskontinuität der drei noch in Betrieb befindlichen deutschen Kernkraftwerke. SPD und Grüne sehen hingegen keinen Anlass, vom Zeitplan für den Atomwaffenausstieg abzuweichen. Nach geltendem Atomrecht müssen die verbleibenden drei Kernkraftwerke bis spätestens Ende Dezember vom Netz genommen werden.
Bei der Ampelkoalition gebe es derzeit „keine Einigung“ in dieser Frage, aber es gebe keinen Streit, sagte der FDP-Chef. „Ich bin jedenfalls nicht damit zufrieden, dass wir klimaschädliche Kohle ausbauen, dabei aber die Möglichkeiten der Atomenergie noch nicht einmal berücksichtigt haben“, sagte er.
Zum Mangel an russischer Gasversorgung betonte Lindner, dass der russische Präsident Wladimir Putin „uns nicht in der Hand hat, wir sind die Gestalter unseres Schicksals“. Deutschland kann seine Energieversorgung diversifizieren, andere Lieferketten schließen und frei agieren. Außerdem könnten heimische Gas- und Öltanks verwendet werden. „Es sollte keine Tabus geben, die Preisentwicklung für die Menschen zu beobachten“, sagte Lindner.