In Niederösterreich besteht ein Ost-West-Gefälle. Der Landkreis Mödling ist führend bei Auffrischimpfungen. Im Wald- und Mostviertel sind noch viele Lichtblicke zu sehen. Die vierte Impfung wird derzeit Personen über 65 Jahren und Personen mit Risikofaktoren wie Übergewicht oder Atemwegserkrankungen wie Asthma oder COPD empfohlen.
„Denn mit zunehmendem Alter ist das Immunsystem nicht mehr so leistungsfähig, also fitter. Diese Personengruppen haben ein besonders hohes Erkrankungsrisiko“, begründet Dr. Karl Zwiauer, Mitglied der Nationalen Impfkommission, die Empfehlung. Der vierte Impfstoff sollte frühestens vier Monate nach dem dritten verabreicht werden. Wenn Sie dieses Jahr bereits eine Coronavirus-Infektion hatten und zwei- oder dreimal geimpft wurden, empfiehlt das National Immunization Panel, sich vier bis sechs Monate nach der Genesung impfen zu lassen.
Den vierten Punkt kann im Prinzip jeder erreichen, der vor der Sommerwelle besser vor Krankheiten geschützt sein möchte. „Bei gesunden Menschen unter 65 Jahren geht man allerdings davon aus, dass sie wirklich gut vor schweren Erkrankungen geschützt sind. Der Schutz vor schweren Erkrankungen bei jüngeren, immunkompetenten Menschen, die dreimal geimpft wurden, ist sogar so gut, dass es wohl sinnvoll ist, mit der Impfung im Herbst zu warten“, rät Zwiauer.
An Omicron angepasste Impfstoffe im Herbst
Zwiauer schätzt, dass die Herbstflut ihren Höhepunkt im Oktober oder November erreichen wird. „Ob die Sommerwelle direkt in die Herbstwelle übergeht, werden wir sehen“, sagte Zwiauer im Gespräch mit „Niederösterreich heute“-Moderator Thomas Birgfellner. Eine Auffrischungsimpfung für unter 65-Jährige ohne Risikofaktoren sei laut Zwiauer im September oder Oktober sinnvoll.
Karl Zwiauer im Interview
Karl Zwiauer, Mitglied der Nationalen Impfkommission, spricht unter anderem über die vierte Impfung und einen neuen Impfstoff.
Im Herbst könnte es Impfstoffe geben, die an Varianten angepasst wurden. Doch das seien nicht die aktuellen Varianten, so Zwiauer. „Aber wahrscheinlich die Variante, die im Februar diese große Welle ausgelöst hat. Das heißt, wir haben eine bessere Immunität gegen diese neuen Impfstoffe, die an das vorherige Omicron angepasst sind. Es bleibt abzuwarten, wie dieser Impfstoff bei Omicron vier, fünf wirken wird. Wir gehen aber davon aus, dass er besser wirkt und einen noch besseren Schutz vor schweren Krankheiten bietet als der alte ‚nicht angepasste‘ Impfstoff“, erklärt der Mediziner.
Persönlicher Schutz durch Quarantäne ist wichtiger
Mit dem Ende der Quarantäne am Montag werde der Impfschutz noch wichtiger, so Zwiauer. Die Bedeutung der Maske wird immer wichtiger, ebenso wie Hygienemaßnahmen, da man sich individueller schützen muss. „Denn nach Aufhebung der Quarantäne wird die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung noch größer.“
Geimpft werden kann man derzeit in neun Impfzentren, immer mittwochs, freitags und neuerdings auch samstags. Geimpft wird auch in zwei Impfbussen und in Ordinationen. Derzeit werden nur Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna verwendet. Auf Anfrage können Personen über 18 Jahren auch den Novavax-Proteinimpfstoff erhalten.