Nach dem Zugunglück mit vier Toten bei Garmisch-Partenkirchen ist die Bergung der Fahrgäste Polizeiangaben zufolge abgeschlossen. „So weit wir das überblicken können, sind alle Menschen aus dem Zug geborgen“, sagte ein Polizeisprecher am Freitag. Die Rettungskräfte würden die Waggons des entgleisten Zuges aber sicher noch einmal in Ruhe durchsuchen. „In so einem Bereich zu arbeiten, ist nicht ungefährlich“, sagte der Sprecher.
Drei der voraussichtlich vier Todesopfer des schweren Zugunglücks bei Garmisch-Partenkirchen müssen noch geborgen werden. Diese Opfer lägen noch unter einem umgestürzten Waggon, berichtete Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Freitagnachmittag am Unglücksort. „So lange der Eisenbahnwaggon aber nicht angehoben ist, können wir nicht ausschließen, dass darunter weitere Tote liegen“, sagte er. Ein vierter Mensch sei auf dem Weg ins Krankenhaus gestorben.
Nach Angaben der Behörden waren etwa 140 Passagiere in der Regionalbahn. Die Fahrgäste seien binnen etwa einer dreiviertel Stunde bis maximal einer Stunde aus dem Zug geborgen worden. Rund 500 Retter seien vor Ort im Einsatz gewesen. Noch am Freitagabend wird auch Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) am Unfallort erwartet.
Quelle: AFP/-
Quelle: dpa/Josef Hornsteiner
Bei dem Zugunglück am Freitagmittag wurden etwa 30 Menschen verletzt, 15 davon schwer. An diesen Angaben könne sich im Laufe des Abends aber noch etwas ändern, wenn Meldungen aus den Krankenhäusern zum Zustand der Patienten eingingen. Zunächst war von 60 Verletzten die Rede.
Parallel zu den Bergungsarbeiten und der Betreuung der Menschen vor Ort haben laut Stefan Sonntag, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, die Staatsanwaltschaft München II und die Kriminalpolizei bereits die ersten Ermittlungsmaßnahmen aufgenommen. „Es wird natürlich in den nächsten Tagen und Wochen einiges an Aufwand bedeuten die Ursachen für das schwere und tragische Zugunglück zu erforschen“, sagte Sonntag gegenüber WELT.
Zug auf einspuriger Kurve entgleist
Der Regionalexpress entgleiste aus noch ungeklärter Ursache in der beliebten oberbayerischen Urlaubsregion auf dem Weg von Garmisch nach München. Ein Sprecher des Landratsamtes Garmisch-Partenkirchen sagte, es sei nicht ausgeschlossen, dass um die Mittagszeit und somit zum Schulende viele Schüler in der Bahn waren.
Der Zug sei im Ortsteil Burgrain in den Loisachauen vermutlich entgleist, so ein Sprecher der Bundespolizei – warum, sei noch unklar. Unter den Verletzten seien alle Altersgruppen, darunter auch Kinder. Die Dimension des Unglücks sei noch überhaupt nicht abzuschätzen. Zwölf Rettungshubschrauber kreisten über der Gegend an den Alpen.
Auf Luftbildern ist zu erkennen, dass der Zug mit Doppelstockwagen auf einer einspurigen langgezogenen Kurve unterwegs war. Eine Weiche ist nicht zu sehen. Der Streckenabschnitt liegt erhöht auf einem Bahndamm, mehrere Waggons rutschten vom Damm in einen kleinen Bach. Die viel befahrene Bundesstraße 2 führt genau vorbei.
Quelle: dpa/ADAC Luftrettung
Drei Waggons seien umgekippt. „Die Menschen werden durch die Fenster gezogen“, sagte der Bundespolizei-Sprecher. Das Unglück ereignete sich gegen 12.15 Uhr – also zum Schulschluss, wenn viele Kinder auf dem Heimweg sind. Am Samstag beginnen in Bayern die Pfingstferien.
Feuerwehr, Notärzte und Polizei waren mit einem Großaufgebot vor Ort. „Es wurde Vollalarm für Feuerwehr und Rettungsdienst ausgelöst“, sagte ein Sprecher der Integrierten Leitstelle im Oberland. Auch aus München rückten zahlreiche Rettungsmannschaften an.
Ein amerikanischer Soldat war in einem der Autos auf der Straße neben der Bahnstrecke und erzählte seine Eindrücke dem „Garmisch-Partenkirchner Tagblatt“: „Es war schrecklich“, sagte er. „Einfach schrecklich. Plötzlich ist der Zug umgekippt.“
Die Deutsche Bahn sprach den Angehörigen der Opfer ihr „tiefes Mitgefühl“ aus und richtete eine Hotline für Angehörige ein. „Über die Ursachen des Unfalls kann derzeit noch keine Aussage getroffen werden“, hieß es in einer Mitteilung.
Innenministerin Faeser auf dem Weg nach Garmisch – Verkehrsminister Wissing äußert sich bestürzt
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) äußerte sich bestürzt über das Zugunglück. „Unser Mitgefühl ist bei den Angehörigen, bei den Verletzten, denen wir eine baldige Genesung wünschen“, sagte er den Sendern RTL und ntv. Man versuche, diejenigen zu retten, die gerettet werden könnten. Scholz sprach von „erschütternden Nachrichten“ und „bedrückenden Bildern“ von der Unfallstelle in Bayern.
Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) machte sich nach dem Abschluss der Innenministerkonferenz von Würzburg auf den Weg nach Garmisch. Dort wolle sie angesichts des schrecklichen Zugunglücks die Anteilnahme der Bundesregierung ausdrücken, teilte ein Sprecher des Ministeriums mit.
Quelle: dpa/Josef Hornsteiner
Bundesverkehrsminister Volker Wissing äußerte sich ebenfalls bestürzt. „Die Bilder, die uns in diesen Stunden aus Garmisch-Partenkirchen erreichen, sind dramatisch“, sagte der FDP-Politiker am Freitag in Berlin. „Aktuell lässt sich das gesamte Ausmaß der Katastrophe nur erahnen. Meine Gedanken sind bei den Angehörigen und Verletzten. Wir stehen im engen Austausch mit der Bahn und unterstützen, wo wir können. Unsere Experten sind bereits vor Ort, um gemeinsam mit den Ermittlungsbehörden die Unfallursache zu untersuchen.“
Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder zeigte sich erschüttert und tief betroffen. „Wir trauern mit den Angehörigen der Opfer und wünschen allen Verletzten rasche Genesung“, schrieb der CSU-Chef am Freitag bei Twitter. Gerade die Schüler hätten sich auf die Pfingstferien gefreut. „Großen Respekt und Dank allen Rettungskräften für die schnelle Hilfe“, betonte Söder. Auch Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter machte sich auf den Weg zur Unglücksstelle.
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Die Bahn sperrte die Strecke zwischen Garmisch-Partenkirchen und Oberau. Züge aus Richtung München wenden vorzeitig in Oberau. Aus Richtung Mittenwald wenden die Züge vorzeitig in Garmisch-Partenkirchen. Ersatzverkehr sei in Planung, hieß es auf Twitter. Ob der Regionalzug wegen des neuen 9-Euro-Tickets besonders voll war, war unklar.
Für die Region an der Grenze zu Österreich ist das Unglück kurz vor den Ferien auch verkehrstechnisch eine Katastrophe. Die Autobahn 95 wurde rund 20 Kilometer vor Garmisch gesperrt, die Bundesstraßen 2 und 23 ebenfalls.
„Wir können den Verkehr im Moment nicht in Richtung Garmisch-Partenkirchen laufen lassen, weil die Rettungskräfte auf der Straße sind“, sagte ein Polizeisprecher. Wegen des Beginns der Pfingstferien in Bayern sei auf der Route mit langen Staus zu rechnen.
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