Russland hat seine Gaslieferungen durch Nord Stream 1 bereits reduziert. Es ist nun sogar möglich, dass der Pipelinebetrieb komplett eingestellt wird. Der Kreml macht dafür den Westen verantwortlich.
Die Lieferung von russischem Gas durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 wurde bereits abgewürgt. Eine komplette Sperrung der wichtigsten Versorgungsleitung für Deutschland ist nun nicht mehr auszuschließen. Auf dem Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg am Donnerstag sagte Russlands Botschafter bei der EU, dass die Leitung aufgrund von Turbinenreparaturproblemen in Kanada vollständig geschlossen werden könnte. “Ich denke, es wäre eine Katastrophe für Deutschland”, sagte er laut der russischen Zeitung “Kommersant”.
Deutschland sollte erwägen, die Turbinen im eigenen Hoheitsgebiet zu reparieren, damit sie nicht nach Kanada verschifft werden müssen, sagte der Diplomat. Wie angekündigt, hat der russische Energiekonzern Gazprom in der Nacht zum Donnerstag die Gaslieferungen nach Deutschland über Nord Stream weiter reduziert. Der Gasriese begründete die verspätete Passage in den Reparaturwerken.
Kreml-Sprecher: „Problem, das nichts mit uns zu tun hat“
Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck bezeichnete die Lage als ernst, gefährdete aber nicht die Versorgungssicherheit in Deutschland. Entgegen der Behauptung von Gazprom, der Grund für die Kürzung seien Verzögerungen bei Reparaturarbeiten, vermutet Habeck dahinter eine politische Entscheidung.
Kreml-Sprecher Dmitri Peskow wies dies zurück. Vielmehr stünden die Probleme im Zusammenhang mit Sanktionen, die der Westen gegen Russland verhängt habe, sagte er. „Wir wissen nur, dass es echte Probleme mit den Turbinen und den Reparaturen gab, einige Turbinen kommen nicht zurück, sie bleiben irgendwo stecken.“ Von russischer Seite sei das keine Absicht: “Das ist ein Problem, das nichts mit uns zu tun hat.” Der Energietechnikkonzern Siemens Energy hatte zudem mitgeteilt, dass eine revidierte Gasturbine in Kanada wegen russischer Sanktionen zum jetzigen Zeitpunkt nicht aus Montreal zurückgegeben werden könne.