Gasimporteur in der Krise Uniper nimmt einen Milliardenkredit auf
18.07.2022, 12:25
Hohe Gaspreise und fehlende Lieferungen aus Russland machen Uniper zu schaffen. Nun nutzt der Gasriese seine verbliebenen Liquiditätsreserven und nimmt einen Zwei-Milliarden-Euro-Kredit auf. Damit sei die “Installation komplett erschöpft”, teilte der Konzern mit.
Dem von der Gaskrise gebeutelten Zulieferer Uniper könnte das Geld bald ausgehen. Uniper nutzte einen millionenschweren Kredit der staatlichen Förderbank KfW, teilte der Konzern am Montag mit. „Uniper hat heute die bestehende Kreditlinie der KfW über 2 Mrd. € gekündigt und damit die Linie voll ausgeschöpft.“
Wie lange die Mittel reichen, hängt laut einem Uniper-Sprecher von der weiteren Entwicklung des Gasmarktes ab. Uniper stehe in engem Kontakt mit seinen Banken und der Bundesregierung, betonte er. Ziel ist es, das Unternehmen wirtschaftlich zu stabilisieren. Die Aufstockung der Kreditlinie haben die Düsseldorfer bereits bei der KfW beantragt. Uniper sei zu „Notmaßnahmen“ gezwungen worden, räumte Vorstandsvorsitzender Klaus-Dieter Maubach ein.
„Uniper zahlt derzeit den Preis für Lieferausfälle in der deutschen Gasversorgung durch reduzierte Lieferungen aus Russland“, beklagte er. „Eine Kettenreaktion in der Gasversorgungskette werden wir in Zukunft nur vermeiden können, wenn die Lieferkürzungen Russlands aufhören oder die Bundesregierung zu Hilfe kommt.“
Zu den Gaskunden des Versorgers zählen auch zahlreiche kommunale Unternehmen. Der größte deutsche Gasimporteur, größtenteils im Besitz des finnischen Konzerns Fortum, ist in die Krise geraten, weil Russland die Gaslieferungen nach Deutschland und Westeuropa eingestellt hat und die Preise auf dem Gasmarkt enorm gestiegen sind. Der Konzern muss am teuren Spotmarkt nachkaufen, um seinen Verpflichtungen gegenüber seinen Kunden nachzukommen, und hat daher große Verluste. Diese könnten laut Mauchbach bei unveränderter Lage für das Gesamtjahr rund zehn Milliarden Euro betragen.
Außerdem gibt es derzeit keine Lieferungen durch die Nord Stream 1-Pipeline für Wartungsarbeiten. Uniper hatte die Bundesregierung um Hilfe gebeten, derzeit laufen Gespräche über eine staatliche Rettungsaktion. Dazu hat Uniper ein Maßnahmenpaket vorgelegt, das unter anderem darauf abzielt, dass der Konzern mit Hilfe der Bundesregierung hohe Gaspreise an seine Kunden weitergeben kann. Zudem strebt Uniper eine staatliche Beteiligung an und will eine höhere Kreditlinie von der KfW. Noch ist unklar, was eine Lösung sein könnte und welche Rolle Fortum dabei spielen soll. Auch mit der finnischen Regierung gibt es Gespräche.