Gebrochenes Schweigen: Merkel äußert sich erstmals zu Russlands Angriffskrieg

Aktualisiert am 02.06.2022 07:54

  • Angela Merkel hat sich monatelang öffentlicher Auftritte enthalten, daran hat auch Putins Angriff auf die Ukraine nichts geändert.
  • Nun hat die ehemalige Rektorin ihr Schweigen gebrochen.

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In ihrer ersten öffentlichen Rede seit rund einem halben Jahr bezeichnete Altkanzlerin Angela Merkel den russischen Angriff auf die Ukraine als “tiefe Einstellung”. Als Kanzlerin wolle sie keine Einschätzungen von der Seitenlinie abgeben, sagte Merkel am Mittwochabend in Berlin. Aber der russische Einmarsch in sein Nachbarland war ein exzessiver Völkerrechtsbruch in der Geschichte Europas nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

„Meine Solidarität gilt der Ukraine, die von Russland angegriffen und besetzt wurde, und der Unterstützung ihres Rechts auf Selbstverteidigung“, sagte Merkel. Sie unterstützt alle einschlägigen Bemühungen der Bundesregierung, der EU, der USA, der Nato, der G7 und der UNO, “um diesen barbarischen Angriffskrieg in Russland zu stoppen”.

Nach monatelanger öffentlicher Zurückhaltung lobte Merkel mehr als 200 Gäste beim Abschied von DGB-Chef Reiner Hoffmann. Unter den Gästen waren zahlreiche Kollegen aus Politik und Gewerkschaft Hoffmanns.

“Wir dürfen niemals Frieden und Freiheit voraussetzen”

Niemand könne die Folgen des Krieges ernsthaft abschätzen, sagte Merkel. Sie wären jedoch vor allem für die Ukrainer von Bedeutung. Merkel sprach Menschenrechtsverletzungen gegen die Bevölkerung an. “Butscha steht stellvertretend für diesen Horror”, sagte er mit Blick auf die Schießereien in der Stadt westlich von Kiew.

Ein kleiner, aber großer Lichtblick „in dieser unendlichen Traurigkeit“ sei die enorme Unterstützung vieler Nachbarländer für die Ukrainer – etwa Polens und Moldawiens, wie Merkel beispielhaft anführte.

“Wir dürfen niemals von Frieden und Freiheit ausgehen”, sagte Merkel. In der aktuellen Situation ist die Einigkeit der EU entscheidend. Der CDU-Politiker, der bei der Bundestagswahl im September nicht angetreten war, forderte die Bundesbürger auf, ihren eigenen Beitrag zur europäischen Einigung zu leisten.

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Merkel hat sich von ihren bisherigen Aufgaben gelöst

Gleichzeitig zeigte Merkel, dass sie sich von ihren bisherigen Aufgaben verabschiedete. Irgendwie sei MPK entweder morgen oder übermorgen, sagte Merkel. Tatsächlich findet an diesem Donnerstag eine Konferenz des Ministerpräsidenten statt. Merkel: “Ich kann den Tag ohne ihn verbringen.”

Merkel und Hoffmann, die den DGB seit 2014 leiten, hatten in ihrer jeweiligen Karriere viele Berührungspunkte, unter anderem Kabinettssitzungen auf Schloss Meseberg. In ihrer “ersten Rede seit fast einem halben Jahr”, wie sie sich selbst nannte, lobte Merkel den gesellschaftlichen Zusammenschluss des Landes und forderte dessen Stärkung.

Hoffmann wurde im Mai von der ehemaligen SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi abgelöst. Bei seinem Rücktritt kündigte er an, sich weiterhin auf europäischer Ebene engagieren zu wollen: “Wer mit meinem Verschwinden rechnet, wird enttäuscht.” (dpa/fra)

Teaserbild: © Getty Images / Pool

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