Gedenken an das Attentat auf Hitler „Zivilcourage ist zeitlos“

Stand: 20.07.2022 19:05 Uhr

Zum 78. Jahrestag des Attentats auf Hitler erinnerten die Redner an den Mut der beteiligten Frauen und Männer. Diktaturen gedeihen, wenn Demokratien sich nicht darum kümmern, warnte die weißrussische Oppositionsfigur Tichanowskaja.

Zum 78. Jahrestag des gescheiterten Attentats auf Adolf Hitler würdigten Bundesregierung und Berliner Senat die Widerstandsbewegung gegen den Nationalsozialismus.

Am 20. Juli 1944 schlug ein Bombenanschlag von Offizieren um Claus Schenk Graf von Stauffenberg fehl. Etwa 200 Komplizen und Verwandte wurden daraufhin hingerichtet.

Scholz bewundert Mut

„Heute vor 78 Jahren haben die Männer und Frauen um Oberst Stauffenberg ihr Leben riskiert, um Hitlers Regime zu stürzen“, schrieb Bundeskanzler Olaf Scholz auf Twitter.

„Ich bewundere seinen Mut und den aller Gegner der Nazis. Sein Opfer zwingt uns immer dazu, die Demokratie zu verteidigen“, sagte der SPD-Politiker.

Habeck sieht „blinden Fleck“

Vizekanzler und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck forderte in seiner Begrüßungsrede beim Festakt in der KZ-Gedenkstätte Plötzensee eine stärkere Ausrichtung auf die osteuropäischen Länder. Die Rede wurde von Staatssekretärin Anja Hajduk verlesen, weil die Grünen-Politikerin noch immer von der Krone isoliert wird.

In Deutschland gebe es laut Habeck einen „blinden Fleck“: „Die unzureichende Erinnerung daran, dass vor allem die Menschen in Polen, Weißrussland, der Ukraine, den baltischen Staaten und den westlichen Regionen Russlands unter die Diktatur und die nationalsozialistische Politik fielen Vernichtung erlitten haben“.

Tichanovskaya: Parallelen zwischen Hitler und Lukaschenko

Die belarussische Oppositionspolitikerin Swetlana Tichanowskaja sagte, die Bundesregierung solle angesichts des russischen Präsidenten Wladimir Putin unnachgiebig bleiben. Sie war die Hauptrednerin bei der Zeremonie.

„Diktaturen gedeihen, wenn sich Demokratien nicht darum kümmern“, sagte Tichanowskaja und bezog sich auf die britische Politik, Hitler gegenüber mächtige Zugeständnisse zu machen, um den Frieden zu wahren.

Die Oppositionspolitik zog Parallelen zwischen dem Widerstand gegen Hitler und dem Widerstand in seinem Land autoritärer Herkunft gegen den Machthaber Alexander Lukaschenko. Weißrussland sei zu einem Gefängnis geworden, erklärte er. Tichanowskajas Ehemann ist seit mehr als 1000 Jahren ein politischer Gefangener. Tichanowskaja schöpft Kraft aus der Erinnerung an den Widerstand, an den Kampf gegen Diktaturen: “Zivilcourage ist zeitlos und kennt keine Grenzen.”

Lederer: Verwundbare Demokratie

Berlins Bürgermeisterin Franziska Giffey konnte wie Habeck wegen einer Corona-Infektion nicht an der Feier teilnehmen und wurde von Kultursenator Klaus Lederer vertreten.

Der Linkspolitiker erinnerte daran, dass am 20. Juli in Plötzensee 89 Frauen und Männer „Opfer der NS-Strafjustiz“ geworden seien. An der ehemaligen Hinrichtungsstätte wurden zwischen 1933 und 1945 fast 3.000 Menschen hingerichtet.

„Die Aufgabe von uns allen, Verantwortung für unsere Demokratie zu übernehmen, ist eine der bleibenden Lehren aus der NS-Diktatur“, sagte Lederer. Er wies darauf hin, wie verwundbar die Demokratie sei.

Niedrig: Recht auf Befehlsverweigerung

Bei der feierlichen Verlobung von 400 Rekruten in Berlin wies Bundestagspräsidentin Bärbel Bas darauf hin, dass Bundeswehrsoldaten das Recht haben, rechtswidrige Befehle abzulehnen.

„Gehorsam hört dort auf, wo Unrecht ist, wo Befehle von einem erkennbar kriminellen Regime kommen“, sagte der SPD-Politiker. “Das Grundgesetz sieht ein Widerstandsrecht gegen jeden vor, der es unternimmt, die verfassungsmäßige Ordnung in Deutschland aufzuheben.”

Mit Informationen von Barbara Kostolnik, ARD-Hauptstadtstudio

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