Gegen den Willen Berlins: Russland will das deutsche Röntgenteleskop nutzen

Gegen den Willen Berlins will Russland das deutsche Röntgenteleskop nutzen

04.06.2022 13:31

Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine ist jegliche Zusammenarbeit mit Russland ausgesetzt. Auch das Max-Planck-Institut stoppt das gemeinsame Weltraumprojekt mit dem Satellitenteleskop Erosita. Daran will sich Moskau jedoch nicht halten und riskiert schwerwiegende Konsequenzen.

Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos will das deutsche Erosite-Satellitenteleskop trotz der zerbrochenen Kooperation Berlins neu starten. “Ich habe den Befehl gegeben, zusammen mit dem russischen Teleskop mit der Wiederherstellung der Arbeit des deutschen Teleskops am ‘Spektr-RG’-System zu beginnen”, sagte Roskosmos-Chef Dmitri Rogosin in einem Fernsehinterview.

Das Teleskop war vom deutschen Max-Planck-Institut wegen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine und der darauffolgenden westlichen Sanktionen gegen Moskau in den Ruhezustand versetzt worden. Erosita wurde 2019 an Bord des russischen Satelliten Spektrum-Röntgen-Gamma (Spektr-RG) mit einer Proton-Rakete gestartet. Zusammen mit einem russischen Teleskop dient es der Weltraumbeobachtung und kann Galaxien erhellen, die Millionen von Kilometern von der Erde entfernt sind.

„Dazu gibt es kein moralisches Recht“

Russische und deutsche Forscher konnten die Daten gemeinsam auswerten. Eines der Ziele der gemeinsamen Wissenschaftsmission war es, Schwarze Löcher in nahen Galaxien zu entdecken. Rogosin will die von Deutschland nach Kriegsbeginn gestoppten Beobachtungen nun einseitig wieder aufnehmen, indem er das Teleskop übernimmt. „Diejenigen, die heute diese Entscheidung getroffen haben (die Zusammenarbeit einzustellen), haben kein moralisches Recht, die Forschung für die Menschheit einzustellen, und sei es nur, weil ihre faschistische Haltung der unserer Feinde ähnelt“, sagte er der russischen Exekutive.

Der wissenschaftliche Leiter des Spectrum-X-ray-Gamma-Projekts, Rashid Syunyaev, warnte jedoch vor einseitigen Schritten. Der Neustart darf nur mit deutscher Zustimmung erfolgen; Andernfalls droht das Teleskop zu brechen. Rogosin, ein ehemaliger russischer NATO-Botschafter, gilt seit langem als kompromissloser Unterstützer des Westens. Angesichts der US-Sanktionen nach der russischen Invasion auf der Krim erklärte er 2014, dass amerikanische Astronauten künftig „auf dem Trampolin“ zur Internationalen Raumstation fliegen sollten. Er ist auch ein Befürworter des Krieges gegen die Ukraine.

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