Laut einem Generalleutnant ist Deutschland gegen Angriffe auf kritische Infrastruktur schlecht gerüstet. Die Bundeswehr sei vernachlässigt worden. Der Krieg verwüstet bereits den Informationsraum.
Der hochrangige Bundeswehrgeneral Martin Schelleis hat vor ernsthaften militärischen Gefahren für Deutschland gewarnt. „Wir werden sehr bedroht und angegriffen“, sagte der Generalleutnant am Freitag dem Kölner Stadt-Anzeiger. “Im Grunde haben wir bereits einen Krieg: Krieg im Informationsraum, Cyberangriffe.” Schelleis ist Inspekteur des Streitkräftestützpunktes und Landesterritoriumskommandant der Bundeswehr.
Als “realistische Szenarien” nannte der Generalleutnant “selektive Angriffe auf kritische Infrastruktur, etwa durch Spezialeinheiten, mit Drohnen oder Schnellbooten, um unter anderem mit militärischen Mitteln unsere Lebensgrundlagen zu verändern”. „Dafür sind wir nicht gut aufgestellt“, warnte Schelleis. “Leider muss man es sagen.”
“Diese Raketen können Berlin leicht erreichen”
Darüber hinaus gebe es nach Angaben des Kommandanten Drohungen wie einen möglichen ballistischen Raketenangriff, den Russland im Gebiet von Kaliningrad geparkt habe. „Sie wurden jetzt wegen des Krieges in der Ukraine abgezogen, aber sie werden sicher zurückkehren“, sagte er. “Diese Raketen könnten leicht Berlin erreichen. Erpressungsversuche sind nach Putins Einschätzung gut vorstellbar.”
Der Kommandeur der zweiten Organisationseinheit der Bundeswehr, zuständig für die gesamte Logistik, beklagte, dass der Bundestag den klar definierten Bedarf an Landesverteidigung und Bündnis lange nicht ausreichend finanziert habe.
„Die Leute haben nicht ernsthaft daran geglaubt, dass die Bundeswehr wieder in großem Umfang einberufen oder gar eingesetzt werden könnte“, sagte er. “Deshalb wurden Defizite akzeptiert. Wir haben jetzt einen langen Weg vor uns.”