Die Trommel gehört zum Handwerk: Das Tempo, mit dem der Genesis-Nachkomme von Hyundai neue Autos auf den Markt bringt, ist verrückt. Wir haben erst 2021 angefangen, und jetzt gibt es zwei SUVs (GV70 und GV80), die edle Mittelklasse G70 als Limousine und Van, die Luxusklasse-Limousine G80, den Stromer GV60 und bald den elektrifizierten GV70.
Doch vor dem GV70 ist Stromer Nummer zwei, der elektrifizierte G80. Genesis, längst andernorts erfolgreich, setzt stark auf die Schweiz: Zürich war neben London (GB) und München (D) führend bei den ersten Showrooms in der Europametropole. Von den nächsten vier in Europa im Jahr 2022 sind zwei bei uns: Basel und Genf. Und da die Marke bis 2030 vollelektrisch sein will, wie Tesla oder Lucid, hofft sie, dass Elektrizität es mit etablierten Marken versuchen wird.
Das ist neu
Bisher gibt es die Highend-Limo G80 – Konkurrentin von Audi A6, BMW 5er und charakterlich vor allem der Mercedes E-Klasse – als Benziner (ab 58.900 Fr.). Das Genesis Electrified G80 folgt im Juli ab 76.100 CHF, ja, so kompliziert heißt es wirklich. Mit kompletter Ausstattung, sehr wenigen Optionen und 370 E-Pferden (siehe Tabelle), Allradantrieb und einer offiziellen Reichweite von 520 Kilometern.
Wie alle Genesis soll der Fünf-Meter-Schlitten nicht nur als Auto punkten, sondern vor allem als Verwöhngarant und Zeitersparnis: Das Auto wird beim Kauf abgenommen und zum Service gebracht, ein Zeitraum von fünf Jahre. Das Rundum-sorglos-Paket und die persönliche Betreuung beinhalten fünf Jahre Schnellladung. Später mehr.
Genesis elektrifizierter G80
Antriebe 2 Elektromotoren, 370 PS (272 kW), 700 Nm @ 1/min, 1-Gang-Automatik, Allradantrieb, saubere Batterie 87,2 kWh, AC/DC-Last 11/240 kW, Leistung 0-100 km/h 4,9 s, maximal 225 km/h, WLTP-Reichweite 520 km, Maße L/B/H 5,01/1,93/1,47 m, 2325 kg, Kofferraum 354 l, WLTP-Umwelt 19,1 kWh/100 km, 0 g/km CO2, Energie APreu ab CHF 76’100.-
Antriebe 2 Elektromotoren, 370 PS (272 kW), 700 Nm @ 1/min, 1-Gang-Automatik, Allradantrieb, saubere Batterie 87,2 kWh, AC/DC-Last 11/240 kW, Leistung 0-100 km/h 4,9 s, maximal 225 km/h, WLTP-Reichweite 520 km, Maße L/B/H 5,01/1,93/1,47 m, 2325 kg, Kofferraum 354 l, WLTP-Umwelt 19,1 kWh/100 km, 0 g/km CO2, Energie APreu ab CHF 76’100.-
Das gefällt uns sehr
Electro muss nicht immer Captain Future sein: Der Electrified G80 ist auf konservative Weise extrem schnittig, was bedeutet, dass der G80 eher eine Mercedes E-Klasse als ein EQE wäre. Uns gefällt das unverwechselbare Doppellichtstreifen-Thema der Marke. Es gibt viel Platz im Rücken und genug Platz im Kopf.
Vorne sitzt man sehr bequem in opulenten Sesseln, blickt auf eine modern-traditionell gestaltete Kabine und fährt mit der Hand durch beste Materialien statt über die Monitore; der klassische stil hat auch in zeiten des touchscreens was. Die Bedienung ist rätselfrei, die 3D-Bildschirme sind nett und es gibt Details, die der bekannten Totwinkelkamera ähneln, die durch Hyundais Blinker aktiviert wird.
Das gefällt uns weniger
Der G80 erlaubt fast keine Fehler. Fast. Der Kofferraum ist mit 354 Litern klein für die Oberklasse. Und wir rätseln, was die Entwickler dazu bewogen hat, den „Himmel“ des Kofferraums klein und unbekleidet zu lassen. Abscheulich? Nein, natürlich nicht, aber “Luxus” sagt das nicht. Fertig? Fast: Das wirklich gute Info- und Entertainment-Drehrad des „iDrive“ ist schwer zu handhaben, weil es zu flach ist. Fertig.
So führt Genesis
Geschafft, denn der E-G80 lässt sich gerne fahren, wenn man es komfortabel mag. Es dominiert wie eine Wellness-Creme die schnelle Planung durch Felder und Autobahnen. Schlechte Oberflächen in der Stadt sorgen für ein bisschen Unbehagen, aber das ist ein Aufschrei auf hohem Niveau und fällt besonders auf, weil die Akustik und der Komfort sehr gut sind. Der G80 liebt lange Kurven, aber keine engen Kurven. Gut, Fahrmodi sind weit verbreitet, “Sport” ist nicht zu extrem, macht aber Spaß.
Der Stromer geht spontan wie verrückt los und flüstert natürlich nur bei Bedarf. Aber wie weit geht es? Offiziell 520 Kilometer, auf der ersten kurzen Strecke mit viel deutscher Autobahn und Sommerhitze, die Probe weist nur knapp 400 auf. Hm, vielleicht war der Vorfahrer sehr schnell. Ein späterer Schweizer Test soll die genauen Details zeigen, die 800-Volt-Technik des Hyundai Ioniq 5 soll mehr taugen. Und er soll dauerhaft mehr als 180 kW (max. 240 KW) an der Ladesäule bewältigen können, also im realen Leben fast so schnell laden wie auf dem Papier (22 min 10-80 %). Beinhaltet ein Ionity-Abonnement plus eine Ladekarte für 300.000 europäische Ladegeräte für jeweils fünf Jahre.
Der Abschluss der Anhörung
Man darf gespannt sein. Der Toyota-Nachkomme Lexus kämpfte lange, die Nissan-Tochter Infiniti gab sogar auf, andere asiatische Marken versuchten sich im schwierigen Europa nicht einmal im Luxussegment. Aber es sollte nie gesagt werden, es wird nicht für das Auto sein: Der Strom-G80 ist sehr erfolgreich. Aus Sicht der etablierten deutschen Oberschicht war es ein fast erschreckender Erfolg.