Gesundheitssystem in Gefahr: Ärzte fliehen aus dem Kosovo

Gesundheitssystem gefährdet

Ärzte fliehen aus dem Kosovo

Hunderte Ärzte verlassen jedes Jahr den Kosovo. Denn in EU-Ländern wie Deutschland haben sie modernere Einrichtungen und verdienen mehr. Dies stellt eine große Gefahr für den Balkanstaat dar.

Veröffentlichung: 16:14 Uhr

|

Aktualisiert: 16:44 Uhr

Mehr als 200 Ärzte verlassen den Kosovo jedes Jahr. Ihre Ziele sind in der Regel EU-Länder wie Deutschland und Österreich. Der Hauptgrund dafür sind höhere Löhne. Während ein Arzt im Kosovo im Schnitt umgerechnet 624 Euro verdient, sind es in Deutschland bis zu 4000 Franken im Monat.

Laut “albora.ch” weisen Balkanländer wie Albanien, Kosovo und Serbien eine überdurchschnittliche Abwanderung von Fachkräften auf. Neben Ärzten ziehen viele Bauarbeiter und andere Handwerker in die Europäische Union. Für sie dürften auch die bis zu sechsfach höheren Gehälter einer der Hauptgründe sein.

Auch Dr. Flamur Llabjani hat kürzlich den Kosovo verlassen, um in Deutschland zu arbeiten. Im Interview mit „albora.ch“ erklärt er: „Ich werde meine Karriere in Deutschland fortsetzen. Als Ärztin werde ich in einem renommierten Krankenhaus arbeiten.“ Llabjani beginnt an der Lungenklinik Neustadt in Thüringen.

EU-Länder begrüßen Fachkräfte

Der albanische Arzt Rajmond Hazizaj arbeitet seit fünf Jahren in Deutschland. Er sagt: „Wie jeder Start hatte auch dieser seine Schwierigkeiten, aber die sind bereits überwunden und ich bin sehr zufrieden mit dem Arbeitsplatz, an dem ich derzeit arbeite, und mit den Kollegen um mich herum.“

Dieser Mann erzählt den Albanern die Schweiz

Altin Marku (37) ist mit seiner «Fol Shqip Show» seit Jahren sehr erfolgreich, dank ihm blickt die albanische Community in die ganze Welt auf die Schweiz. Nun hat er das Nachrichtenportal albora.ch gegründet und wird künftig mit Blick zusammenarbeiten. Blick bringt einmal pro Woche “Albora Top Story” auf Deutsch heraus.

Gründer von Albora: Altin Marku.

Jessica Keller

Altin Marku (37) ist mit seiner «Fol Shqip Show» seit Jahren sehr erfolgreich, dank ihm blickt die albanische Community in die ganze Welt auf die Schweiz. Nun hat er das Nachrichtenportal albora.ch gegründet und wird künftig mit Blick zusammenarbeiten. Blick bringt einmal pro Woche “Albora Top Story” auf Deutsch heraus.

Hazizaj verließ Albanien, weil er sich auf ein Fachgebiet spezialisieren und „mit den neuesten Einrichtungen und Technologien auf dem Laufenden bleiben“ wollte. Auch in Deutschland gibt es laut dem Mediziner viele Weiterbildungsmöglichkeiten.

Die Einwanderung von Fachkräften ist für EU-Länder günstig, da sie oft keine Ärzte haben. Für Länder wie den Kosovo hingegen ist die Auswanderung ein großes Risiko. In Zukunft besteht die Gefahr, dass sie nicht genügend medizinisches Personal oder Spezialisten haben.

„Krise in den nächsten fünf Jahren“

Pleurat Sejdiu, Präsident der Kosovo Medical Association, erklärt: „Der Kosovo ist aufgrund des Ärztemangels ernsthaft in Gefahr. In diesem Jahr sind bereits 108 Ärzte und 48 Fachärzte nach Deutschland gegangen.“ In den nächsten zehn Jahren könnten etwa 2.000 Ärzte den Balkanstaat verlassen.

„Ich denke, wir werden in den nächsten fünf Jahren eine Krise haben, wenn sich der Trend bei jungen Fachkräften fortsetzt“, prognostiziert Sejdiu. Das Durchschnittsalter der Kosovo-Ärzte liegt mittlerweile bei über 50 Jahren. Besserung ist nicht in Sicht: Von den jährlich 150 Medizinabsolventen verlassen rund 90 Prozent nach dem Studium das Land. (obf)

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *