Irgendwann muss es einfach gut sein mit der Travestie Catholique bei den Salzburger Festspielen, besonders wenn man die Reihenfolge der einzelnen Stücke aus Giaccomo Puccinis Spätwerk der Nachkriegszeit, „Il Trittico“, damit umkehrt “Suor Angelica” tut es nicht in der Mitte, sondern am Ende. Das wollte Regisseur Christof Loy, denn die Geschichte der jungen Frau, die wegen eines unehelichen Kindes gezwungen ist, in einem Kloster zu leben, passt zur Dramaturgie der Salzburger Rettung.
Aber Loy zählte ohne Loy. Denn das Nonnenstück am Ende hat seine strukturellen Schwächen. nicht musikalisch Aber dramatisch. Ein Klostergarten kann Shakespeare noch gut stehen. Bei Puccini wird der Sünde abgeschworen, bestraft oder die gesunde Ringelblume gezogen, wofür es Lob von der Oberschwester gibt. Ansonsten singen die Nonnen sehr gut im Chor und einige von ihnen, besonders Schwester Angelica, können nach vorne treten. Das macht es Asmik Grigorian, die heute Abend drei verschiedene Rollen spielen muss, nicht leichter, denn Nonnenrobe ist Nonnenrobe und entpersönlicht auch den angesetzten Starsänger des Abends.
„Das Triptychon“ in Salzburg
Drei einstündige Opern an einem Abend mit Musik von Giacomo Puccini: „Il Trittico“ wird am Freitag bei den Salzburger Festspielen uraufgeführt. Alle drei Stücke sind mit der litauischen Ausnahmesängerin Asmik Grigorian besetzt, während Franz Welser-Möst die Wiener Philharmoniker dirigiert.
Es musste etwas passieren
Auf der weiten Bühne, wo drinnen die Hölle los ist, draußen aber wenig passiert, ist dringend Wechselklamotten angesagt. Und nach dem angekündigten Tod ihres geliebten und gleichzeitig nie gesehenen Sohnes erhält Schwester Angelica einen Koffer mit einem Teddybären und einem schwarzen Kleid. Und offenbar auch das, was Italo Svevo gerne „ultima sigaretta“ nennt.
Mit diesen Utensilien befreit sich Grigorian von ihrem Schicksal als Nonne, muss aber erneut um Vergebung bitten, da sie selbst ihrem eigenen Tod beisteht. Und das ist selbst unter schwarz gekleideten Nonnen immer noch eine Sünde. Im Dämmerlicht geht sie vor den Toren des Himmels vorbei und umarmt ihren verlorenen Sohn wie eine traumhafte Gestalt, die die Bühne betreten hat. Es ist ein starkes Bild am Ende. Leider ist es auch billig. Und wenn an diesem Abend viel von Erlösung die Rede ist, muss man sich eingestehen, dass man nach drei Stunden, Jubel hin oder her, froh ist, aus diesem Regiejob entlassen worden zu sein. Der Weg zum Jüngsten Gericht führte einfach durch das hölzerne Klassenzimmer.
Monika Rittershaus, Salzburger Festspiele „Giovanni Schichi“ – und das Spiel mit den habgierigen Erben. Das Team von Christof Loy ist mit der Struktur der Szenografie vertraut
Minimalismus trifft späten Naturalismus
Selbst mit „Il Tabarro“ („Der Mantel“) davor könnte man sich fragen, ob es auf der Bühne noch ein spätes Naturforscherschiff braucht, um das Verständnis zu wecken, dass man auf der Seine einen Lastkahn umlädt. Wenn Puccinis Spätwerk im Abschied von Verdis klassischer Oper glänzt, dann hat der Dirigent das Gegenteil getan. Und das Motto lautete: Interpretieren, bis es alle verstehen. Feinheiten sucht man wie bei einem Kiss-Konzert vergebens.
Wenn ja, dann war das Eröffnungskapitel „Gianni Schichi“ am dramatischsten erfolgreich. Burlesque und ein brillanter Komiker und Sänger Misha Kiria belebten das Stück. Die Heuchelei einer Erbengesellschaft ist hier glänzend dargestellt worden. „Il Tabarro“ als zweiter Teil überzeugte stimmlich: Die tragische Geschichte von Giorgetta (Grigorian), ihrem Ehemann Michele (Roman Burdenko) und Giorgettas Liebhaber Luigi (Joshua Guerrero) brachte die großen stimmlichen Leistungen in den verschiedenen Besetzungen zum Vorschein.
Monika Rittershaus, Salzburger Festspiele Ein tolles Gesangspaar: Joshua Guerrero als Luigi und Asmik Grigorian als Giorgetta in „Il Tabarro“
Von der Vorsicht zum Ausdruck
Franz Welser-Möst agierte mit „Il Tabarro“ und der harmonischen Exotik, die in diesem Teil abseits der Eröffnung gründet, zunächst zurückhaltend, bevor sie die Ausdruckslust entfachte. Insgesamt war es ein musikalisch rundum gelungener Abend. Was auch eine Belohnung für den Mut war, den verstorbenen Puccini wiederzuentdecken.
Ziel eines Festivals kann es sein, genau jene Stücke zu beherbergen, die in einem Repertoireumfeld Schwierigkeiten haben würden. Am Ende feierte Salzburg alles, was an diesem Abend zu sehen war. Es war eine gewisse Erleichterung, dass es auch Opern mit großer Wirkung gibt. Und bei Karl-Ernst Hermann schien alles ein bisschen wie früher.