Veröffentlicht am 26. Mai 2022, 10:42 Uhr
Mit der linken Hand in der Hosentasche empfing Bundesrat Guy Parmelin den deutschen Wirtschaftsminister am WEF. Ein Experte klassifiziert Verhalten.
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Bundesrätin Simonetta Sommaruga begrüsst Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck am World Economic Forum (WEF) in Davos. Guy Parmelin liegt zunächst mit der Hand in der Hosentasche auf der Seite.
Bildschirmfoto / SRF
Auch als ihn Parmelin Habeck begrüßt, hat er die linke Hand noch in der Hosentasche.
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Mit der Hand in der Hosentasche zu winken sei grundsätzlich inakzeptabel, sagt der ehemalige Schweizer Diplomat Max Schweizer. Bei Parmelin als ehemaligem Winzer könnte man allerdings eine Ausnahme machen. Microsoft-Gründer Bill Gates wird auch oft gesehen, wie er seine Hand in der Tasche tätschelt.
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Beim WEF World Economic Forum, das derzeit in Davos stattfindet, treffen sich bedeutende Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft und tauschen sich international aus. Auch SVP-Bundesrat Guy Parmelin ist dieses Jahr dabei und hat sich geirrt. Als er Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck begrüßte, hatte er die linke Hand in der Hosentasche. Auf Twitter gibt es dafür Kritik.
Hand in Hosentasche „nicht akzeptabel“
Der User, der auf Twitter auf den Parmelin-Unfall aufmerksam machte, schrieb: „Bundesrat Parmelin begrüßt Bundesminister Robert Habeck mit der Hand in der Hosentasche. WAS FÜR EIN GROLLER! MEIN GOTT!“ Ein anderer User kommentierte den Beitrag mit „Quel paysan.“ Auch andere User äußern sich kritisch:
Mit der Hand in der Hosentasche zu winken sei grundsätzlich inakzeptabel, sagt der ehemalige Schweizer Diplomat Max Schweizer. «Aber bei einem Winzer, einem Winzer, wie es Bundesrat Parmelin war, kann man eine Ausnahme machen», fügt er hinzu. Für den internationalen Bereich gilt laut Schweizer das «Plus-Label», also das Label in Kombination mit diplomatischen Verhaltensweisen. Dazu gehört zum Beispiel die Anordnung der Sitzplätze oder der Weg zum Tisch. Erlernt wird dieses Wissen, so Schweizer, „zum einen im Kindergarten, zum anderen durch Interesse am Fach“. Auch als Diplomat habe er immer wieder Fehlverhalten beobachtet, manche Rückschläge seien auch amüsant gewesen.
Dahinter kann auch Unsicherheit stecken
Eine in der Hosentasche versteckte Hand ist nicht immer negativ, sagt Susanne Abplanalp, Expertin für Businesslabels und Imageberaterin. „Manche stecken aus Unsicherheit die linke Hand in die Hosentasche, wenn sie zum Beispiel nicht wissen, was sie sagen oder wohin sie ihre Hände stecken sollen.“ Während dies negative Auswirkungen auf andere Menschen haben kann, ist es oft ein unbewusstes Verhalten.
Wird hingegen die rechte Hand verdeckt, ist dies laut Abplanalp ein klares nonverbales Signal, dass jemand nicht die Hand geben möchte. Aufgrund der Pandemie herrscht bei vielen noch Verunsicherung, daher rät der Etikette-Experte im Zweifelsfall, mit Menschen über die gewünschte Begrüßung zu sprechen.
Beim Begrüßen und Händeschütteln gebe es immer wieder einen Fehltritt, sagt Abplanalp. „Politiker haben Berater und die sollten Vorbilder sein. Sie sollten sich auch ihrer Auftritte bewusst sein, da es sich um offizielle Situationen handelt, in denen sie fotografiert oder gefilmt werden.
Parmelin-Sprecher Urs Wiedmer lehnte eine Stellungnahme ab. Er schrieb: „In diesen schwierigen Zeiten beantworten wir gerne Ihre Fragen zu wirklich relevanten Themen.“