Grosser fleischfressender Wolf: Männchen, Rudel, Cracks: die Fakten über Wölfe in der Schweiz

Inhalt

Eine Herde Wölfe hat zum ersten Mal eine Mutterkuh getötet. Aber wie viele Wolfsherden leben eigentlich in diesem Land? Und wie viele Rinder werden jedes Jahr getötet? Die wichtigsten Fakten über Wölfe in der Schweiz.

Wie viele Wölfe leben in der Schweiz? Der Wolf wurde im 19. Jahrhundert in der Schweiz ausgerottet. Nach 1871 wurden nur wenige Wölfe gesehen und getötet. Seit 1995 wandern Wölfe jedoch wieder in die Schweiz ein. Zuerst waren es Männchen, die meisten davon aus Italien und Frankreich.

2002 wurde erstmals ein Wolf in der Schweiz nachgewiesen. 2012 fand im Calanda-Massiv (GR) eine erfolgreiche Paarung statt und die erste Herde Schweizer Wölfe wurde gebildet. Bis Januar 2022 war die Zahl der aktiven Rudel in der Schweiz auf 16 angewachsen. 2021 wurden 153 Wölfe in der Schweiz gefunden. Seit 2010 hat sich die Zahl verzehnfacht.

Wo gibt es Wolfsherden? Wölfe finden ihren bevorzugten Lebensraum vor allem in der weniger besiedelten Alpenregion und im Jura. So gibt es beispielsweise zwei Pakete im Waadtländer Jura, vier im Wallis und sieben im Kanton Graubünden. Zwei weitere Pakete befinden sich im Tessin und eines im Kanton Glarus. Eine Herde ist ein Paar Eltern und ihre Nachkommen. Mit Einsetzen der Geschlechtsreife neigen Jungtiere dazu, die Herde zu verlassen.

Legende: Im Jahr 2021 waren Wolfsherden in im Dunkeln markierten Bereichen ausser Haus. Beverins Herde ist für die geschlachtete Mutterkuh auf der Alp Nurdagn zuständig. SRF / Quelle: chwolf.org

Wie viele Rinder werden in der Schweiz getötet? Wölfe töten immer Rinder. Dies führt zu Konflikten. Mit der Zahl der Wölfe in der Schweiz hat auch die Zahl der geschlachteten Nutztiere stark zugenommen, dank Tierschutzmassnahmen jedoch weniger als der Wolfsbestand. Daher nimmt die Zahl toter Rinder pro Wolf ab. Im Jahr 2020 wurden 853 von Wölfen getötete Rinder gemeldet. In 90 Prozent der Fälle handelt es sich um Schafe, in 5 Prozent der Fälle um Ziegen. Esel, Rinder oder Pferde werden selten von Wölfen getötet. Nur in etwa 1 Prozent der Fälle tötet der Wolf sogenannte kuhähnliche Tiere (0 bis 5 Tiere pro Jahr).

Gemäss der Gruppe Wolf Schweiz handelt es sich dabei mehrheitlich um auf der Weide geborene Kälber. Laut Wolf Schweiz werden die meisten Nutztiere von Wölfen in “ungeschützten Situationen” getötet.

Wie hoch sind die Kosten von Wölfen, die von Nutztieren getötet werden? Pflegende Nutztierhalter, die nachweislich von Wölfen getötet wurden, erhalten von Bund und Kantonen eine Entschädigung in Höhe des Marktwertes des Tieres. Diese Kosten betrugen im Jahr 2020 rund CHF 272’000 und sind in den letzten Jahren stark gestiegen.

Wann darf ein Wolf geschossen werden? Der Wolf ist in der Schweiz eine geschützte Tierart und darf nicht gejagt werden. Nutztiere sollten mit Herdenschutzmaßnahmen, zum Beispiel mit Hunden, geschützt werden. Diese Massnahmen werden vom Bundesamt für Umwelt (OFEV) finanziert. Laut Jagdordnung dürfen Wölfe geschossen werden, wenn sie erheblichen Schaden an Nutztieren anrichten. Einsame Wölfe können erschossen werden, wenn sie 25 Rinder in vier Monaten oder 15 in einem Monat töten.

Kühe sind ein Sonderfall: Tötet ein Wolf in vier Monaten zwei Kühe, darf er erschossen werden. Bafu-Zulassung ist zwingend erforderlich. Für Wölfe in einer Herde gelten strengere Kriterien: Sie dürfen erst getötet werden, nachdem sich die Herde innerhalb eines Jahres erfolgreich reproduziert hat. Bis zur Hälfte der Jungtiere können geschlachtet werden.

Experte: Der Angriff auf eine Kuhherde ist ungewöhnlich

Öffnen Sie die Schachtel. Schließen Sie die Schachtel

Mehrere Wölfe haben kürzlich in der Bündner Ecke eine Mutterkuh angegriffen und getötet – laut Expertin Marianne Heberlein ein sehr untypisches Verhalten. Generell seien Wölfe sehr scheue Tiere, die kein unnötiges Risiko eingehen würden, sagt der wissenschaftliche Leiter des Wolfsforschungszentrums Ernstbrunn, das Teil der Veterinärmedizinischen Universität Wien ist.

Ein Wolf greift nur an, wenn gute Erfolgsaussichten bestehen und keine Verletzungsgefahr besteht. Daher ist es ziemlich ungewöhnlich, dass ein Wolf eine Herde Kühe angreift. „Die Kühe stehen in Gruppen, schützen ihre Jungtiere in der Mitte und sind nach außen relativ defensiv.“ In der erwähnten Bündner Alp gab es wohl Faktoren, die die Kuh zu einer leichten Beute gemacht hätten. Vielleicht war er schwach, vielleicht hatte er gerade ein Kalb geboren und sich deshalb von der Herde getrennt.

Elektrozäune und defensive Kuhrassen

Marianne Heberlein hält es für ratsam, Nutztiere besser zu schützen. Denn: “Wenn Wölfe gelernt haben, etwas zu jagen, wenn ein bestimmtes Tier auf ihrem Teller liegt, fallen sie wieder darauf.” Als kurzfristige Maßnahme empfiehlt Heberlein geschlossenmaschige Elektrozäune.

Langfristig lohnt es sich, im Gebirge auf Kuhrassen zu setzen, die ein starkes natürliches Schutzverhalten zeigen. Herden mit Hörnern und Wachhunden könnten ebenfalls nützlich sein. Das Abschießen von Bleitieren ist dagegen problematisch. Sie würden jungen Wölfen das Jagen beibringen; Geschieht dies nicht, verlassen sich Jungtiere lieber auf leichte Beute wie Schafherden.

Heberlein glaubt nicht, dass Wölfe jetzt häufiger Rinder töten. Die Größe des Rudels bleibt immer annähernd stabil, ebenso die Dichte des Wolfes. Was sich ändert, sind die besiedelten Gebiete.

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *